Hot! DFB.de: Viktoria Aschaffenburg und die Lust auf den Jugendstil

Viktoria Aschaffenburg, Regionalligist in Bayern, wandelt auf großen Spuren. In Sachen Talentförderung gilt der SC Freiburg seit vielen Jahren als Vorzeigeverein, die SpVgg Greuther Fürth nimmt spätestens seit dem Bundesliga-Aufstieg ebenfalls eine Art Vorreiterstellung ein. Jahr für Jahr vertrauen diese Klubs auf Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen.

Dem Jugendstil möchte sich nun ein weiterer Traditionsverein aus der südlichen Region verschreiben: Bayern-Regionalligist Viktoria Aschaffenburg, während seiner inzwischen 111-jährigen Vereinsgeschichte über zehn Jahre in der höchsten deutschen Spielklasse (damals Oberliga Süd) aktiv und bis zur Saison 1988/89 zumindest in der 2. Bundesliga, will nun neue Wege gehen, setzt auf Nachwuchsförderung und Nachhaltigkeit.

Vom Traditions- zum Ausbildungsverein: So lautet das Konzept der neuen Sportlichen Leitung um Sportvorstand Peter Löhr und den neuen Trainer Werner Dreßel, der die Nachfolge des beurlaubten Antonio Abbruzzese angetreten hat. „Wir verfügen über vergleichsweise wenig Geld, aber dafür über eine gute Jugendarbeit, die in der Vergangenheit nicht immer richtig integriert wurde“, sagt Ex-Profi Löhr, der seit Dezember 2012 im Amt ist und zuvor sieben Jahre Trainer bei den benachbarten Sportfreunde Seligenstadt war.

Löhr: Im Kampf um die Talente mehr dagegenhalten

Als Beispiel nennt der ehemalige Bundesligaspieler von Fortuna Düsseldorf die U 15-Mannschaft der Viktoria, die in der zweithöchsten deutschen Spielklasse (Bayernliga) spielt. „In der U 15 hatten wir in der Vergangenheit viele gute Jahrgänge, aus denen wir dann aber einige Talente an Vereine wie 1899 Hoffenheim oder die SpVgg Greuther Fürth verloren haben. In diesem Bereich müssen wir als Verein in Zukunft mehr dagegenhalten, den Jungs über Ausbildungsstellen eine Perspektive bieten“, betont Peter Löhr.

Bundesliga-Neuling Fürth soll für die Viktoria, aus deren Jugend unter anderem Nationalspieler wie Marcel Schäfer vom VfL Wolfsburg oder Rudi Bommer (nun Trainer beim FC Energie Cottbus) hervorgegangen waren, nun als Vorbild dienen. Löhr: „Da unser Verein nicht auf Rosen gebettet ist, kann das Konzept mit jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchsbereich nur der Weg von Aschaffenburg sein.“

Für diesen Weg hat Sportvorstand Peter Löhr einen alten Weggefährten als Trainer in die 70.000 Einwohner-Hochschulstadt Aschaffenburg geholt: Werner Dreßel, mit dem Löhr einst bei der Viktoria noch selbst zusammengespielt hatte, bringt aus seiner langjährigen Tätigkeit beim Fürther „Kleeblatt“, bei dem er als U 19- und Interimstrainer sowie als Assistent unter Cheftrainern wie Benno Möhlmann oder Eugen Hach gearbeitet hatte, viel Routine mit. „Ich möchte meinen Erfahrungsschatz bestmöglich einbringen und den Verein mittelfristig zu einem Aushängeschild für junge Talente machen“, so der 54-Jährige, der in der Bundesliga unter anderem für den Hamburger SV, den SV Werder Bremen, den 1. FC Nürnberg und Borussia Dortmund gespielt hatte, gegenüber DFB.de.

Aktuell rückt jedoch das Tagesgeschäft und damit der angepeilte Klassenverbleib in der Regionalliga Bayern, in die der Klub nach der Insolvenz 2010 im vergangenen Sommer aufgestiegen war, in den Mittelpunkt. Vor knapp einem Monat hatte Werner Dreßel, leidenschaftlicher Golfer mit dem guten Handicap von 4,9, bei den Aschaffenburgern die Vorbereitung aufgenommen. Bereits am Samstag (ab 14 Uhr) startet die Viktoria, die nur einen Punkt Vorsprung auf einen möglichen Abstiegsplatz hat, mit der Nachholpartie gegen den Tabellendritten SV Seligenporten in die Restrunde.

Drei Winterzugänge: Vor allem Sprung soll sofort helfen

Um den sofortigen Wiederabstieg in die Oberliga zu vermeiden, holte die Sportliche Leitung während der Winterpause mit Innenverteidiger Christoph Kaesler (AS Eupen/Belgien) sowie den Stürmern Christian Breunig (FC Bayern Alzenau) und Peter Sprung (Stuttgarter Kickers) gleich drei neue Spieler an den Schönbusch. „Wir hoffen sehr, dass sie uns sofort weiterhelfen“, sagt Sport-Chef Peter Löhr.

Der 53-Jährige setzt vor allem große Hoffnungen in Peter Sprung, der in der vergangenen Spielzeit elf Tore in 29 Partien zum Drittliga-Aufstieg der Stuttgarter Kickers beigetragen hatte. „Die Verpflichtung war für uns ein Glücksfall, da er bei einer Speditionsfirma in der Umgebung einen Job bekommen hat. Peter Sprung hat seine Qualitäten in der Regionalliga bereits nachgewiesen“, so Löhr.

Ganz nach Wunsch verlief die Vorbereitung für die Aschaffenburger trotz der Verstärkungen allerdings nicht. Die letzten Testspiele gegen den Hessenligisten Rot-Weiß Darmstadt (1:3) und gegen den Südwest-Regionalligisten Bayern Alzenau (0:2) gingen verloren. Trainer Dreßel gibt sich aber zuversichtlich: „Da wir früher in die Restrunde starten, fehlen uns ein, zwei Wochen. Um mir ein genaues Bild zu machen, habe ich in den Testpartien allen Spielern im Kader eine Chance gegeben. Beim ersten Pflichtspiel werden wir eine schlagkräftige Mannschaft haben, die aggressiven Fußball zeigt.“

Wie 1985: Mit „jungen Wilden“ zu alten Glanzzeiten

Die ersten Schritte des neuen Konzeptes leitete Werner Dreßel bereits während der Vorbereitung ein. Er lässt regelmäßig mehrere Talente aus der eigenen U 19 mit der Regionalligamannschaft trainieren. „Wir verfügen neben einem guten Umfeld und zahlreichen Fans auch über ein Nachwuchsleistungszentrum. Das sollten wir auch nutzen. Es wäre wünschenswert, wenn in den nächsten Jahren der Großteil des Kaders aus dem eigenen Nachwuchsbereich kommen würde“, betont Dreßel, der in seiner Fürther Zeit unter anderem Talente wie Roberto Hilbert (Besiktas Istanbul) oder Stephan Schröck (1899 Hoffenheim) gefördert hatte.

Freilich muss sich bei den Aschaffenburgern in der Zukunft noch einiges tun. Die A- und B-Junioren spielen jeweils in der Landesliga. „Dass so ein Prozess geht nicht von heute auf morgen geht, ist klar. Wir wollen unseren Nachwuchs Schritt für Schritt nach oben bringen und nach und nach davon profitieren“, sagte Peter Löhr mit Blick in die Zukunft.

Bereits zu ihren Glanzzeiten in der 2. Bundesliga hatte die Viktoria mit zahlreichen Eigengewächsen für Furore gesorgt. Peter Löhr kann sich daran nur allzu gut erinnern: 1985 war er von Fortuna Düsseldorf zum damaligen Zweitliga-Aufsteiger gewechselt und lebt seitdem in Aschaffenburg.

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