Hot! Scholl-Team wird Favoritenrolle gerecht

 

0:4 – Prügel für die „Diva mit dem gläsernen Kinn“

Um den 35. Spieltag der Regionalliga Bayern zu komplettieren, musste der SV Viktoria im einzigen Sonntagsspiel im Heimstettener Sportpark gegen die U23 des frischgebackenen Meisters Bayern München antreten. Infolge der Spielergebnisse des Vortages auf den 16. Platz (zweiter Relegationsplatz) durchgereicht, stand das Team von Antonio Abbruzzese ungeachtet der Herkulesaufgabe fast schon unter Erfolgszwang. Vier Spieltage vor Saisonende sind die Zeiten, als man sich noch die Gegner herauspicken konnte, gegen die es zu punkten galt, definitiv vorbei.

Mit Ausnahme der Langzeitverletzten Markus Horr, Fnan Tewelde und Philipp Hörst hatte Coach Antonio Abbruzzese alle Mann an Bord, wartete in der Startformation nichtsdestotrotz mit einigen Überraschungen auf.  Giulio Fiordellisi und Kapitän Simon Schmidt durften auf der Bank Platz nehmen, dafür rückten Adnan Murtic und Florian Haith ins Team.

Die Bayern-Amateure fanden besser ins Spiel, ohne sich zunächst zwingende Torchancen zu erarbeiten. Gleich mit der ersten brachte Pierre-Emile Hojbjerg die Hausherren in der 21. Minute in Führung. Ein schönes Anspiel nutzte der Däne konsequent und schob aus 12 Metern das Leder zum 1:0 ein. Bei der Viktoria waren bis zu diesem Zeitpunkt alle Kräfte in der Defensive gebunden, Entlastungsangriffe Fehlanzeige. Bis zur 32. Minute, als Daniel Cheron auf Seiten der Weiß-Blauen mit einem Kopfball knapp neben das Münchner Gehäuse einen vorausgegangenen Fehler von Torwart Raeder nicht nutzen konnte. Nachdem eine Minute später der gleiche Akteur frei vor dem Bayern-Keeper stand, allerdings den Ball nicht unter Kontrolle bekam, wollte die Scholl-Truppe die Antwort nicht schuldig bleiben und kam nun ihrerseits durch Friesenbichler und im Anschluss an eine Ecke durch Kapitän Buck, dessen 16-Meter-Schuss knapp am Gehäuse von Hinterkopf vorbeistrich (34.), zu einer Doppelchance. Nachdem Daniel Cheron in der 38. Minute den Hammer auspackte und aus 18 Metern Torwart Raeder prüfte, konnte längst von einem offenen Schlagabtausch gesprochen werden. Jedoch – um in der Boxersprache zu bleiben – die klaren Wirkungstreffer setzte das Team von der Isar. Ein Manuel Duhnke, der bekanntlich nicht viele Einladungen braucht, ließ sich nicht lange bitten, als ihm in der 39. Minute der Ball nach einem von Maximilian Hinterkopf noch parierten Schöpf-Schuss direkt vor den Füßen lag, und vollstreckte eiskalt flach ins linke Toreck. Darob sichtlich beeindruckt sah das Team von Antonio Abbruzzese bis zur Pause von weiteren Aufmüpfigkeiten ab.

Nach dem Pausentee offenbarte sich deutlich das Bestreben des Scholl-Teams, dem merklich angeschlagenen und für sein gläsernes Kinn hinreichend bekannten Gast in Form des 3:0 den endgültigen Knock-out zu verpassen. Nach einer für ihre Verhältnisse eher verhaltenen ersten Halbzeit bauten die Bayern nun enormen Druck auf und kamen bereits in der 48. Minute zu ihrer ersten Großchance. Maximilian Hinterkopf, dessen Dauerstress wieder einmal sämtliche arbeitsschutzrechtliche Bestimmungen aushebelte, konnte einen 14-Meter-Schuss von Alessandro Schöpf entschärfen, der Nachschuss wurde glücklicherweise abgeblockt. Aber das hieß nur das Unvermeidliche um quälende sieben Minuten hinauszögern: In der 55. Minute war es dann soweit. Florian Hürzeler nutzte die Verwirrung der Viktoria-Abwehr nach einer Ecke und drückte den Ball über die Linie. Die Dominanz der Münchner trat im weiteren Verlauf des Spiels überdeutlich zu Tage.  Mit lässiger Ballkontrolle hielt man die Mainfranken mühelos auf Distanz, die sich ihrerseits Schadensbegrenzung auf ihre Fahne geschrieben zu haben schienen, denn offensiv fanden sie überhaupt nicht mehr statt. Dieses Ansinnen auf Schonung schienen die Isar-Buben auch zu respektieren, denn auch ein Preiß ist ein Mensch, dem man nicht mehr wehtun sollte als notwendig. Schienen – denn einmal ging die Mia-san-mia-Mentalität doch noch mit ihnen durch: In der 88. Minute konnte es sich Antonio Pagallo nicht verkneifen, im Nachschuss das 4:0 zu erzielen, nachdem Hinterkopf einen Kopfball von Buck noch gemeistert hatte. Eine Minute vor Schluss wären die an diesem Sonntag  anwesenden 333 zahlenden Zuschauer fast noch in den vollen Genuss des Blockbusters vom 27.10. am Schönbusch gekommen, als 4.030 Besuchern bei der 0:5-Klatsche eine etwas eigenwillige Interpretation von Event-Kino präsentiert wurde. Allein Alessandro Schöpf wollte nicht aufdringlich sein. Um etwaige weiß-blaue Verdrängungsprozesse nicht zu blockieren, „versemmelte“ er die letzte Chance.

Fazit: Ein auch in der Höhe verdienter Sieg der Bayern. Das schon obligatorische Jammern über vergebene Chancen (in der 1. HZ) hilft mit Sicherheit nicht weiter, umso weniger, als auch die Münchner bei konsequenterer Chancenverwertung  dem SVA einen „unvergesslichen Tag“ hätten bereiten können.

Es wird immer deutlicher, was den SVA von den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf (Ausnahme Ismaning) unterscheidet: die offensichtlich nicht vorhandene Fähigkeit, in der entscheidenden Saisonphase eine Schippe draufzulegen und auch einmal die scheinbar „unmöglichen“ Punkte zu holen. Angesichts der singulären Formkurve mit einem Sieg aus den letzten 11 Spielen nimmt es nicht Wunder, dass dem SVA bei jedem Auftritt der Ruf vorauseilt, leichte Beute und Punktelieferant zu sein. Ob und inwiefern die Jungs vom Schönbusch den unfreiwillig erzeugten „Unterschätzungsbonus“ zu nutzen wissen, werden die nächsten Schicksalsspiele in Memmingen (Mi.,19 Uhr) und Ismaning (Sa., 14 Uhr) zeigen. Voraussetzung für eine Überraschung ist allerdings immer:  Man muss besser sein als sein Ruf…

 

FC Bayern München II – SV Viktoria 01 Aschaffenburg 4:0 (2:0)

München: Lukas Raeder – Stefan Buck, Antonio Pangallo, Vladimir, Rancovic – Emre Can (77. Bastian Fischer), Pierre-Emile Hojbjerg, Rico Strieder (46. Dennis Chessa), Alessandro Schöpf, Fabian Hürzeler – Kevin Friesenbichler, Marius Duhnke (68. Patrick Weihrauch)

Aschaffenburg: Maximilian Hinterkopf – Matthias Fries (76. Simon Schmidt), Markus Brüdigam, Florian Haith, Markus Wosiek – Mario Sternheimer (16. Michael Ulbricht), Marcello Fiorentini, Steffen Bachmann, Daniel Cheron – Adnan Murtic (63. Giulio Fiordellisi), Giulio Fiordellisi

Tore: 1:0 Pierre-Emile Hojbjerg (21.), 2:0 Marius Duhnke (39.), Fabian Hürzeler (54.), Antonio Pangallo (85.)

Gelbe Karten: Emre Can / Daniel Cheron, Mario Sternheimer, Michael Ulbricht

Schiedsrichter: Andreas Heiss (Innsbruck / Österreich)

Zuschauer: 333

Schreibe einen Kommentar

*

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *