Hot! Viktoria Aschaffenburg feiert Klassenerhalt!

SVA mit Minimalismus zum Klassenerhalt

Nichts dem Zufall überlassen wollte die Elf von Julio Alvarez im Illertissener Vöhlin-Stadion und den im Kampf um den direkten Klassenerhalt benötigten einen Punkt gegen eine sich noch im Glanz ihrer vor kurzem errungenen bayerischen Amateurmeisterschaft sonnenden Heimmannschaft holen. Letzten Endes musste die blau-weiße Diva ob einer (durchaus vermeidbaren) 1:3-Niederlage mal wieder die Gunst eines ihrer freilich zahlreichen Kavaliere anrufen. Der glückliche Auserwählte war der VfL Frohnlach, der aufgrund seines derzeit bescheidenen Marktwertes überaus stolz sein konnte, der Kokotte vom Untermain aus ihrer aktuellen Verlegenheit helfen zu „dürfen“. Der VfL, nicht faul, leistete im Willi-Schillig-Stadion denn auch ganze Arbeit und hielt der Angebeteten mit einem 3:0-Heimsieg den aufdringlichsten Stalker, die SpVgg Bayern Hof, ein für allemal vom Leib. Diese „Handwerksarbeiten“ war der oberfränkische Kavalier nach typischem Diva-Verständnis auch noch schuldig, hatte sie sich ihm doch am 20. April bei der 0:2-Heimniederlage völlig unfreiwillig hingegeben.

Zur Sache: An diesem 38. und letzten Spieltag der Regionalliga Bayern konnte man der Elf von Julio Alvarez durchaus bescheinigen, nicht von vornherein darauf spekuliert zu haben, das Handtuch auf dem 15. Platz mittels Catenaccio verteidigen zu wollen. Die Illertissener, zuvor mit Medaillen geehrt, liefen mit stolzgeschwellter Brust auf. Diese Schwerpunktverlagerung bekam ihrem Spiel nicht allzu gut, denn der SVA war in der ersten Halbzeit die spielbestimmende und laufstärkere Mannschaft. So konnte man, von den Gastgebern weitgehend unbehelligt, ein munteres, ansehnliches Kombinationsspiel aufziehen, das – in der Vergangenheit nicht immer der Fall – auch in Torchancen umgemünzt werden konnte. Giulio Fiordellisi vergab eine solche, als er in der 11. Minute nach schönem Anspiel von der Grundlinie durch Peter Sprung den Ball freistehend aus fünf Metern über das Tor schaufelte. Nach einem  Freistoß durch Matthias Fries in der 16. Minute kam Markus Brüdigam aus acht Metern zum Kopfball, der das Illertissener Gehäuse nur knapp verfehlte. Daniel Cheron war es in der 31. Minute vorbehalten, die Viktoria für ihre couragierten Angriffsbemühungen zu belohnen. Einmal mehr war die rechte Seite Ausgangspunkt der Aktion, wo sich Markus Wosiek bis zur Grundlinie durchtankte und den Ball querlegte, wo Daniel Cheron am langen Pfosten das Leder aus acht Metern nur noch einzuschieben brauchte. Vom FVI ging in der gesamten ersten Hälfte in exakt zwei Szenen Torgefahr aus. In der 10. Minute durfte Torjäger Vitalij Lux seine überragende Schusstechnik unter Beweis stellen, als er aus 18 Metern einen Ball an die Latte setzte. Die zweite – man mag es vermuten – ereignete sich wieder mal in der 44. Minute und stellte den bisherigen Spielverlauf nicht auf den Kopf, so doch in ein für den FVI sehr schmeichelhaftes Licht. Nach einem gut getimten, hohen Pass in den Aschaffenburger Strafraum sah Christoph Kaesler kein anderes Mittel, als den sich lösenden Adriano Morena durch einen Ärmelzupfer zu stoppen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre Morena an den Ball gekommen, aber so war die Sache glasklar: Elfmeter, von Marco Hahn sicher verwandelt.

Nach diesem Dämpfer schienen die weiß-blauen Mannen gut informiert über die aktuellen Zwischenstände auf den anderen Plätzen aus der Kabine gekommen zu sein. Frohnlach führte zu diesem Zeitpunkt bereits mit 2:0 gegen Hof. Die Weiß-Blauen passten fortan ihre Gangart etwas an die aktuellen Geschehnisse an, will sagen sie rissen sich kein Bein mehr raus. Das tat die Bachthaler-Elf auch nicht und ging dennoch nach 90 Minuten als 3:1-Sieger vom Platz, ganz einfach weil sie ihre wenigen Chancen effizient zu nutzen wusste. Das alte Schreckgespenst Chancentod, es verließ den SVA auch am letzten Spieltag nicht. Doch der Reihe nach: Das zweite Tor für den FCI fiel in der 60. Minute und war ein Zufallsprodukt. Vitalij Lux, Illertissener Lichtgestalt und eigentlich für Tore gehobener Güte zuständig, wollte auf rechts eigentlich nach innen flanken, schoss aber Christoph Kaesler an, von dessen Körper der Ball für den verdutzten Ricardo Döbert unerreichbar ins kurze Eck abgefälscht wurde. „Cro“ – kam von den Pandas der Königlichen aus Eupen – konnte einem wirklich leid tun: Ansonsten eine solide Partie abliefernd, hatte er in zwei Szenen seine Extremitäten nicht da, wo sie sein sollten. In der Folge der Partie hatten es seine Mannschaftskameraden des Öfteren auf dem Fuß, Christoph Kaesler mit sich und der Welt wieder zu versöhnen und ihm zu sagen: „Bitte Baby, mach Dir nie mehr Sorgen“. Allein, Peter Sprung setzte einen Kopfball knapp neben das FVI-Tor, und der kurz von seiner Auswechslung (61.) sehr schön in Szene gesetzte Giulio Fiordellisi scheiterte mit einem Schuss von der Strafraumgrenze am prächtig reagierenden FVI-Keeper Kim Anders. So gab es in der 90. Minute noch ein letztes FVI-Tüpfelchen, als Andreas Hindelang einen von Michael Ulbricht verursachten Elfmeter zum 3:1-Endstand einnetzen konnte.

Wie Kapitän Simon Schmidt beim Abklatschen mit den circa 70 mitgereisten und überschwänglich den Klassenerhalt feiernden Fans nüchtern anmerkte: Nix gerissen und trotzdem feiern (können). Nun, wenn so etwas funktioniert, nennt man es Minimalismus. Wie man es nennen würde, wenn es schiefgeht, wollen wir ja gar nicht wissen…

 

FV Illertissen – SV Viktoria 01 Aschaffenburg 3:1 (1:1)

Illertissen: Kim Anders – Manuel Strahler (60. Christoph Amann), Simon Zweifel, Ulrich Klar, Michael Hornung (55. Lukas Kling) – Marco Hahn, Ardian Morina (60. Andreas Hindelang), Sebastian Schaller, Vitalij Lux – Florian Peruzzi, Eduard Thommy

Aschaffenburg: Ricardo Döbert – Markus Wosiek, Christoph Kaesler, Markus Brüdigam, Matthias Fries (76. Michael Ulbricht) – Simon Schmidt, Daniel Cheron, Marcello Fiorentini, Steffen Bachmann (68. Roberto Desch) – Peter Sprung, Giulio Fiordellisi (62. Adnan Murtic)

Tore: 0:1 Daniel Cheron (32.), 1:1 Marco Hahn (44., FE), 2:1 Vitalij Lux (61.), 3:1 Andreas Hindelang (90., FE)

Schiedsrichter: Matthias Zacher (Nußdorf/Inn)

Zuschauer: 350

Gelbe Karten: Eduard Thommy, Andreas Hindelang / Christoph Kaesler, Markus Brüdigam, Marcello Fiorentini

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