Hot! 0:1 – Viktoria schlägt klösterlichen Segen aus

Der SV Seligenporten musste gegen einen über weite Strecken zahmen SVA den Sieg nicht einmal „unbedingt wollen“

Einen „glücklichen Sieg“ seiner Mannschaft wollte SVS-Coach Florian Schlicker in der anschließenden Pressekonferenz ausgemacht haben. Nun weiß ein jeder, dass Trainer – bevorzugt wenn die eigene Mannschaft siegreich war – durchaus schon mal die eine oder andere Artigkeit an den unterlegenen Gegner verteilen, die von diesem – menschlich verständlich – dankbar zur Kenntnis genommen wird. Ob dieser gängige „Trainer-Knigge“ allerdings in Bezug auf die eigene schonungslose Spielanalyse hilfreich ist, daran dürfen zumindest leise Zweifel angemeldet werden.

Die Ausgangslage stellte sich für die Viktoria vor diesem 30. Spieltag der Regionalliga Bayern wie folgt dar: Nach der Niederlage in Bamberg, die den SVA mit 21 Punkten auf dem vorletzten Platz verharren ließ, war der zweite Heimsieg der Saison nötiger denn je, um sich im Abstiegskampf wenn schon nicht zu befreien, so doch zumindest für die kommenden schweren Aufgaben zu positionieren. Die Aufstellung der Weiß-Blauen ließ denn auch vermuten, dass sie – anders als noch gegen die Bayern – den traditionell den Hausherren zugedachten aktiven Part diesmal übernehmen wollten. Diesen auch aufs Spielfeld zu bringen, damit hatten die Komljenovic-Jungs insbesondere in der ersten Hälfte so ihre Schwierigkeiten, wofür insbesondere die nicht ausreichenden Impulse aus dem Mittelfeld ursächlich waren. Die Elf von Florian Schlicker kombinierte flüssiger und kam auch ohne große kämpferische Attitüde zu einer Reihe bester Gelegenheiten. Bereits in der 8. Minute musste der erneut überragende Viktoria-Keeper Stefan Steigerwald nach einem Konter des SVS in höchster Not klären. Mit einem Standard Gefahr vor dem gegnerischen Kasten heraufzubeschwören, das gelang den Weiß-Blauen trotz zahlloser Versuche nicht, die Schlicker-Elf benötigte exakt einen. Dominik Stolz war der Freistoß-Schütze, der in der 15. Minute mit einem Heber über die Mauer ins kurze Eck Steigerwald zu einer Flugeinlage zwang. Keine zwei Minuten später konnte nach einer weiteren Ballstafette der Gäste Markus Brüdigam mit einer reaktionsschnellen Grätsche den Einschlag verhindern. In der 34. Minute gab es die erste Chance des SVA zu vermelden, die auch die letzte in der ersten Halbzeit bleiben sollte. Begünstigt durch einen technischen Fehler der Gäste lief Salvatore Bari frei auf SVS-Keeper Brunnhübner zu, legte das Leder an diesem vorbei und sich zu weit vor.

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Nach der Pause war auf Seiten des SVA verstärktes Bemühen zu registrieren, Druck auf die „gechillten“ Klosterer aufzubauen, die sich nun weiter zurückfallen ließen und der Dinge harrten, die da kommen würden. Eine optische Überlegenheit darf in Anschlag gebracht werden, aber um den Gegner einzuschnüren und dessen weitgehend sattelfeste Abwehr auszuhebeln, dazu fehlte an diesem Samstagnachmittag die letzte Konsequenz. Bezeichnend, dass die zwei nennenswerten Torchancen aus dieser Phase von den (neben Steigerwald) zwei auffälligsten Akteuren im Trikot der Viktoria initiiert wurden. Ein gefühlvoller Distanzschuss von Johannes Gerhart aus dem linken Halbfeld strich knapp am rechten Pfosten vorbei, und Markus Brüdigam durfte SVS-Torwart seinen größten Leistungsnachweis an diesem Tag abfordern, nachdem endlich einmal ein Anspiel in die Spitze funktioniert hatte.

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Dann schien das Spiel einen Moment den Atem anzuhalten und beiden Parteien das unmoralische Angebot zu machen, sich mit einem torlosen Remis zufrieden zu geben. So richtig glücklich wäre damit keiner gewesen, der SVS aber wohl noch eher als die Hausherren. Diese wollten die drei Punkte und wurden von den spielstarken Klosterern prompt ausgekontert, in einer Manier, die stark an die ersten 15 Minuten in Bamberg erinnerte. Dem 0:1 durch Ekinci in der 82. Minute im Anschluss an einen über vier, fünf Stationen gespielten Konter der Klosterer sollten sich im Minutentakt noch drei baugleiche Angriffe anschließen, die zu Toren hätten führen müssen, hätten die Klosterer nicht Barmherzigkeit walten lassen. Coach Schlicker sah es in der PK eher von der weltlichen Seite und geißelte die Chancenvernichtung seiner Mannen als äußerst fahrlässig. Quasi zur Kompensation pfiff Schiedsrichter Dr. Michael Völk in der Schlussminute einen zumindest fragwürdigen Elfmeter für die Rot-Weißen, mit dem der eingewechselte Katerna am glänzend parierenden Steigerwald scheiterte. Dieser muss daraufhin sein Mütchen an Schiedsrichter Dr. Michael Völk wegen des seiner Meinung nach unberechtigt gegebenen Elfmeters gekühlt haben, anders ist die Vergabe des glatt roten Kartons nicht zu interpretieren. Was Steigerwald Dr. Michael Völk nun wirklich „geflüstert“ hat, darüber kursierten die unterschiedlichsten Meinungen. Böse Zungen behaupten, „Steigi“ habe ihm gesagt, er habe beim Doktortitel geschummelt. Michael Völk – den Doktor lassen wir bis zur endgültigen Aufklärung des Sachverhalts schon mal weg – war offensichtlich so „bedient“, dass er sich mit dem sofortigen Abpfiff rächte. Was hängenbleibt: Als Stefan Steigerwald geknickt das Spielfeld verließ, wurde er von seinem Gegenpart Dominik Brunnhübner mit einer tröstenden Umarmung bedacht, eine echte Geste, in der auch viel Anerkennung mitschwang.

Stefan Steigerwald im Wechselbad der Gefühle. Tolle Paraden, gehaltener Elfmeter und zum Schluss mit Rot vom Platz.

Stefan Steigerwald im Wechselbad der Gefühle. Tolle Paraden, gehaltener Elfmeter und zum Schluss mit Rot vom Platz.

Der Keeper wird dem SVA im nächsten Auswärtsspiel in Illertissen zweifellos fehlen, allerdings wäre man auch mit einem Stefan Steigerwald in Topform als krasser Außerseiter zur besten bayerischen Amateurmannschaft gefahren. Optimisten betonen, dass es weiterhin nur drei Punkte auf den angestrebten Relegationsplatz aufzuholen gilt –l und sind in diesem Punkt auch nicht zu widerlegen. Dennoch – und hier hat man bei der Viktoria offensichtlich die Zeichen der Zeit erkannt – sollte man schon aus Verantwortungsgefühl dem Verein gegenüber einen „Plan B“ in der Schublade haben. Was keinesfalls ausschließt, dass der Kampf um den Regionalliga-Verbleib fortgeführt wird, solange noch die geringste Hoffnung besteht, auch in der Saison 2014/15 Bayerns höchster Amateurklasse anzugehören.

 

Viktoria Aschaffenburg – SV Seligenporten 0:1 (0:0)

Aschaffenburg: Stefan Steigerwald – Dennis Löhr, Denis Talijan, Simon Schmidt, Markus Brüdigam – Johannes Gerhart (86. Massé Bell Bell), Daniel Cheron, Yuki Nakagawa (68. Ahmed Dzafic), Alban Lekaj – Florian Pieper (59. Muhammed Ali Sahin), Salvatore Bari

Seligenporten: Dominik Brunnhübner – Dominik Räder, Hannes Schäfke, Julian Schäf (62. Thomas Rosa), Michael Brandl – Florian Jakl, Christopher Schaab, Pascal Worst, Marco Wiedmann (74. Rico Röder) – Cem Ekinci (87. Matthias Katerna), Dominik Stolz

Tore: 0:1 Cem Ekinci (82.)

Gelbe Karten: Yuki Nakagawa, Stefan Steigerwald

Besondere Vorkommnisse: Stefan Steigerwald pariert Foulelfmeter (90.+1), Stefan Steigerwald (90.+2 Rote Karte)

Schiedsrichter: Dr. Michael Völk

Zuschauer: 422

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