Hot! 0:4 – Rosenheim durchkreuzt Dreßels Prioritäten-Liste

Am 30. Spieltag der Regionalliga Bayern traf das Team von Werner Dreßel auf einen „alten Bekannten“, zumindest bei funktionierendem Kurzzeitgedächtnis. Lag doch die letzte Zusammenkunft im Rosenheimer Jahnstadion, die das Weiterkommen ins BFV-Totopokal-Halbfinale zum Anlass hatte, gerade einmal 44 Stunden zurück. Um beim zweiten sportlichen Aufeinandertreffen mit der Teschke-Elf das Déjà-vu-Erlebnis in einem begrenzten Rahmen zu halten (verständlich nach der 0:2-Pleite), hatte Coach Werner Dreßel das Gesicht seiner Mannschaft kosmetisch auf einigen Positionen verändert. Die beabsichtigten Irritationen der Rosenheimer, die im Jahr 2013 aus drei Partien 7 Punkte einfuhren und dabei ohne Gegentor blieben, hielten sich jedoch in engen Grenzen, und am Ende der von der Spielanlage her im Vergleich zum Pokalspiel ansehnlicheren 90 Minuten musste das Team von Werner Dreßel angesichts des 0:4-Endstandes schmerzhaft erfahren, dass ein Entweder-Oder („Ligaspiel wichtiger als Pokal“) sehr schnell in ein Weder-Noch verwandelt werden kann.

Im Rahmen eines internationalen Schiedsrichteraustauschs stand die Partie unter der Leitung eines österreichischen Referees (Gerhard Diesenreither aus Linz), was eigentlich für strikte Neutralität garantieren dürfte. Die Viktoria machte in den ersten Minuten durchaus den Eindruck, als wolle sie streng nach der Prioritätenliste ihres sportlichen Leiters vorgehen und in diesem Pflichtspiel um 3 Punkte im Abstiegskampf eine andere Gangart einlegen. Die erste Chance bot sich allerdings dem TSV in der 9. Minute, als Majdancevic einem SVA-Verteidiger den Ball abluchste und es mit einem Lupfer über Ricardo Döbert versuchte, der allerdings auf der Hut war. Schon in der 19. Minute musste Brüdigam verletzt das Spielfeld verlassen und wurde durch Dennis Löhr ersetzt. Mario Sternheimer wechselte von der Sechs in die Innenverteidigung und verletzte sich prompt bei einem Kopfballduell mit Majdancevic an der Mittellinie, konnte aber nach Behandlung mit einem Kopfverband weiterspielen. In der 29. Minute nutzte Benjamin Birner die Konfusion in der Viktoria-Abwehr nach einem weiten Einwurf und markierte mit einem Schuss aus 14 Metern das 1:0. Im Anschluss verflachte die Partie etwas, und es entwickelte sich wieder das schon hinreichend bekannte Mittelfeldgeplänkel ohne nennenswerte Höhepunkte. So überbrückte man die Zeit bis zur Pause. Als Halbzeitfazit war festzuhalten, dass die Führung der Hausherren nicht unverdient war, da insbesondere nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Markus Brüdigam die Abwehrreihe zur Achillesferse des SVA mutierte, der Angriff indes zu wenig Durchschlagskraft hatte.

In der 2. Halbzeit hatten es die Hausherren eilig nachzulegen: Stürmer Majdancevic grätschte in eine scharfe Hereingabe von Staudigl und beförderte den Ball aus fünf Metern zum 2:0 ins Netz (51.). Die unsanft geweckte Viktoria ritt in der Folge zwar einige Attacken gegen das von Torwart Maier gehütete 1860-Gehäuse, leistete sich aber in der Vorwärtsbewegung zu viele Abspielfehler. Rosenheim, das im Laufe der Partie seiner Favoritenrolle immer gerechter wurde, hatte in diesem Match eindeutig das Monopol auf die glasklaren Torchancen. Setzte Mario Staudigl in der 67. Minute freistehend die Kugel aus elf Metern noch an den Pfosten, so überwand kaum eine Minutenumdrehung später Vereinskamerad Markus Einsiedler mit einem Flachschuss aus 10 Metern den bedauernswerten Döbert. Alle Versuche, zumindest das Ergebnis in der restlichen Spielzeit etwas erträglicher zu gestalten, waren vergeblich: Peter Sprungs Schuss nach Flanke Tewelde wurde vom Torwart pariert und ein klares Foul an Cheron im Strafraum wurde nach Befragung des Linienrichters vor die Strafraumgrenze verlegt. Die XL-Packung zuzuschnüren war in der ersten Minute der Nachspielzeit erneut Majdancevic vorbehalten, der im Anschluss an eine Ecke freistehend am 5-Meter-Raum unbedrängt einköpfen konnte. Gegen eine robuste, jederzeit die Ordnung haltende Rosenheimer Mannschaft war für das Dreßel-Team heute nichts zu holen, wenn man ihm auch aufgrund seines Kampfes eine etwas erfreulichere Ergebnisgestaltung gewünscht hätte

Die sich im Übrigen nicht gerade großen Publikumsinteresses erfreuende Rosenheim-Saga zu Ostern in zwei Teilen gilt es nun ad acta zu legen und das Augenmerk auf den Heimspiel-Knaller am nächsten Samstag gegen die U23 des Club zu richten. Zugegebenermaßen wäre etwas sportliche Eigenwerbung im Vorfeld hilfreich gewesen, aber der Abstiegskampf ist nun mal kein Wunschkonzert. Fernab jeden Anspruchsdenkens in der heutigen Erfolgsfan-Kultur sollte es auch im Verhältnis wahrer Fan zu Verein wie in jeder guten Ehe einen Ehrenkodex geben, der da heißt „in guten wie in schlechten Tagen“.

 

TSV 1860 Rosenheim  – Viktoria Aschaffenburg 4:0 (1:0)

Aschaffenburg: Döbert – Tewelde (73. Fiorentini), Haith, Brüdigam (19. Löhr), Cheron – Schmidt, Koukalias, Bachmann, Sternheimer (76. Kaesler)  – Sprung, Fiordellisi

Rosenheim: Mayer – Lenz, Martin, Herberth, Pflügler – Einsiedler (87. Maier), Haas, Staudigl (76. Schramme), Birner, Kokocinski – Majdancevic

Tore: 1:0 Birner (29.), 2:0 Majdancevic (51.), 3:0 Einsiedler (68.), 4:0 Majdancevic (90.+1)

Gelbe Karten: Cheron, Fiordellisi, Sprung / Staudigl, Schramme

Schiedrichter: Diesenreither (Linz)

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