Hot! 1:2 gegen Kickers Würzburg besiegelt Viktoria-Abstieg

„Gastgeschenk“ von Joseph Mensah leider nur ein Mitbringsel mit Staubfänger-Qualitäten

Nein beerdigt haben die Kickers die Viktoria an diesem windigen Freitagabend im Stadion im Schönbusch nicht, auch wenn dies die Zerknirschung von Würzburgs Coach in der Pressekonferenz nach dem Spiel vermuten lassen könnte. Schließlich ruhte der Sarg bei neun Punkten Rückstand auf einen Relegationsplatz drei Spieltage vor Schluss schon im Erdreich, die Kickers haben mit dem 2:1-Sieg im Unterfrankenderby vor 433 Zuschauern lediglich zum Abschied eine Schippe Erde drauf geworfen.

Joe Mensah und Salvatore Bari lieferten sich heiße Duelle

Joe Mensah und Salvatore Bari lieferten sich heiße Duelle

Dabei hatten sich die Hausherren für dieses Spiel einiges vorgenommen. Dies kam auch durchaus zum Ausdruck, allerdings offenbarten sich bei eigenem Ballbesitz die spielerischen Schwächen, die die Viktoria schon über die ganze Saison hinweg begleiten. Ein abgeblockter Schussversuch von Giulio Fiordellisi aus der 9. Minute, mehr war an nennenswerten Chancen der Hausherren in der Anfangsphase nichts zu verzeichnen. In der 13. Minute dann der Weckruf für die Kickers durch Marco Haller, dessen Schuss so eben noch geblockt werden konnte. Drei Minuten später tankte sich Ricardo Borba durch die Hälfte des SVA und legte hinaus aus Marco Haller, dessen Geschoss von halbrechts von Stefan Steigerwald entschärft werden konnte. Damit war’s der Anbahnung genug, eine Zeigerumdrehung später war’s mal wieder um die Viktoria geschehen. Im Anschluss an einen per Kopf verlängerten weiten Einwurf der Kickers kullerte das Leder in den Aschaffenburger Strafraum. Joannis Karsanidis schaltete am schnellsten und netzte zum 0:1 ein. Die Viktoria versuchte dagegenzuhalten, brachte sich jedoch mit einer Fülle ohne Not fabrizierter Fehlpässe ein ums andere Mal um aussichtsreiche Spielsituationen. Einzig Semir Duljevic, der in der 27. Minute einen schönen Spielzug über Simon Schmidt und Salvatore Bari mit einem „Pfund“ aus circa 20 Metern abschloss, konnte in der ersten Halbzeit noch einmal Gefahr für das Kickers-Tor heraufbeschwören, das Leder strich jedoch knapp am Kreuzeck vorbei.

Die Anfangsphase der zweiten Hälfte gehörte ganz klar den Rothosen, die bei ihren schnellen Tempogegenstößen schon für eine Vorentscheidung hätten sorgen können. So aber nahte die 67. Minute, in der ein Angriff der Viktoria so endete wie gewohnt, nämlich mit einem Fehlpass. Kickers-Verteidiger Joseph Mensah, in der letzten Saison kurzzeitig in Diensten des SVA, leistete sich in dieser Szene einen kapitalen Bock. Er trat über den Ball, so dass der an diesem Tag wieder sehr agile  Giulio Fiordellisi keine Mühe hatte, am kurzen Pfosten einzuschieben. Chancen auf beiden Seiten schlossen sich an. Yuki Nakagawa und Ahmed Dzafic fanden bei einer Doppelchance für die Viktoria in Kickers-Torwart André Koob ihren Meister, Quasi im Gegenzug hatte der SVA Glück, dass Marco Haller bei einem Schuss aus gut und gerne 30 Metern nur das Quergebälk des Aschaffenburger Tores anvisierte. Die Partie stand Spitz auf Knopf, eine Phase, in der sich zeigte, dass die Kickers, denen an diesem Tag längst nicht alles gelang, den größeren Willen hatten, das Unterfrankenderby für sich zu entscheiden. Diese Fähigkeit seines Teams, in entscheidenden Situationen alles abrufen zu können und auch zu wollen, hob ein sichtlich zufriedener Dieter Wirsching in der Pressekonferenz positiv hervor. Man sage nicht, die Würzburger hätten nicht höflich angeklopft. Zweimal nahmen sie Maß, bevor sie schließlich Ernst machten. Zunächst schlenzte Maksut Azizi, in der 85. Minute genial angespielt, alleine vor Steigerwald das Leder um Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Ricardo Borba, nie in den Griff zu bekommen, sorgte in der 90. Minute im Strafraum des SVA für heillose Verwirrung, sein Abschluss war jedoch etwas zu schwach, so dass er gerade noch von der Linie gekratzt werden konnte. Der Deutsch-Brasilianer, das war deutlich zu spüren, wollte an diesem Abend „siegen“, notfalls ganz alleine. Dass dies nicht abwegig sein muss, wenn man in einer gegnerischen Abwehr hilfreiche Adjutanten findet, zeigte die vierte Minute der Nachspielzeit, als Borba mit eiserner Entschlossenheit durch die Viktoria-Defensive ging wie das Messer durch die Butter und diesmal auch im Abschluss alles richtig machte.

Das 1:2 gegen Kickers Würzburg bedeutete gleichzeitig die neunte Heimniederlage des SVA in dieser Saison, eine Niederlage, die die „Suppe nicht mehr fett machte“, aber deren Art und Weise des Zustandekommens gleichwohl Coach Slobodan Komljenovic erzürnte, der in der Pressekonferenz mit seiner Mannschaft ungewohnt scharf ins Gericht ging: „Manche  Spieler sahen wohl in der unzureichenden Saisonvorbereitung ein Alibi, absteigen zu dürfen. Heute hat einfach alles gefehlt. Wir stehen zu Recht dort, wo wir stehen. In die Köpfe der Spieler muss rein, auch dann noch Gas zu geben, wenn der sportliche Abstieg bereits feststeht.“

 

Viktoria Aschaffenburg – FC Würburger Kickers 1:2 (0:1)

Aschaffenburg: Stefan Steigerwald – Markus Brüdigam, Soheyl Alipour-Rafi, Denis Talijan, Dennis Löhr – Simon Schmidt (46. Ahmed Dzafic), Semir Duljevic (80. Massé Bell Bell), Muhammed Ali Sahin (59. Alban Lekaj), Yuki Nakagawa – Giulio Fiordellisi, Salvatore Bari

Würzburg: André Koob – Carl Murphy, Niklas Weißenberger (46. Moritz Vollmer), Joseph Mensah (68. Adrian Istrefi), Maksut Azizi – Marco Haller, Peter Endres, Joannis Karsanidis, Corvin Behrens (46. Adrian Graf) – Ricardo Borba, Christopher Bieber

Tore: 0:1 Joannis Karsanidis (17.), 1:1 Giulio Fiordellisi (67.), 1:2 Ricardo Borba (90.+4)

Gelbe Karten: Giulio Fiordellisi / Joseph Mensah

Schiedsrichter: Eduard Beitinger (Regensburg)

Zuschauer: 433

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