Hot! 2:0 in Würzburg: Viktoria ersäuft Frust im Regen

Soheyl Alipour-Rafi und Daniel Cheron treffen bei nassforscher Wirsching-Ernte am Dallenberg

Die Vorzeichen standen am 17. Spieltag der Regionalliga gar nicht schlecht für die Aschaffenburger Viktoria, denn auf dem regennassen Rasen des Flyeralarm-Stadions schien das von den Weiß-Blauen schon des Öfteren praktizierte „Kick and rush“ ausnahmsweise einmal ein probates Mittel der Wahl, um mit den nach Dauerregen widrigen Platzverhältnissen zurechtzukommen. So weit zunächst die Theorie, später ad absurdum geführt  durch einen wider Erwarten starken spielerischen Auftritt der Schönbusch-Elf an diesem Tag. USA-Rückkehrer Markus Brüdigam rückte wieder in die Innenverteidigung, und das nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Stefan Steigerwald und Maximilian Hinterkopf in den Blickpunkt gerückte Torwartproblem erfuhr durch die kurzfristige Nominierung von U23-Keeper Max Schmidt nicht die schlechteste Lösung, wie sich noch herausstellen sollte. Auf der Gegenseite mussten die Kickers den Ausfall ihres gelbgesperrten Torjägers Christopher Bieber kompensieren.

Würzburger Kickers – Viktoria Aschaffenburg 0:2 (0:1)

Die Domstädter bliesen trotzdem sofort zur Attacke, während die Komljenovic-Truppe noch unter dem Eindruck des gezahlten hohen Blutzolls (in Form von Punkten) im letzten Heimspiel gegen Heimstetten sich zunächst auf die Defensive besann und am Dallenberg Vorkehrungen für einen Stellungskrieg traf. Chancen für die Kickers waren dennoch Mangelware, lediglich aus der 7. Minute war eine zu vermelden, als Maximilian Schmidt seine Regionalliga-Feuertaufe bei einem Kopfball von Christian Dan nach Flanke von Manuel Duhnke glänzend bestand. Gerade einmal sechs Minuten später sollte sich das Kampfglück wenden mittels eines Waffentyps, dem bei den Weiß-Blauen bisher nun wirklich noch keine durchschlagenden Erfolge beschieden waren: Standardsituationen, Kaliber Eckball. Soheyl Alipour-Rafi verwertete eine solche, am langen Pfosten mutterseelenallein stehend, aus sieben Metern. Nun war es vorbei mit der Gemütlichkeit in der Beamtenstadt, der Dienstplan war aus dem Ruder gelaufen. Als Folge war auf Seiten der Gastgeber viel hektische Betriebsamkeit zu verzeichnen. Der SVA zeigte das durchdachtere Spiel und agierte nach der Führung vor dem gegnerischen Tor selbstbewusst, mit kühler Entschlossenheit. Diesen überaus gefälligen Eindruck unterfütterte die Komljenovic-Elf auch mit weiteren Chancen: Kapitän Daniel Cheron scheiterte in der 29. Minute aus 25 Metern an Tsiflidis und wenig später klärte Würzburgs Pascal Bieler nach einer Hereingabe des agilen Giulio Fiordellisi im letzten Moment vor dem einschussbereiten Gökhan Öztas.

Ein Paukenschlag gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit: Da war er wieder, der Sound wenn ein vollgesogenes Leder das regennasse Netz strafft… Kaum zu glauben, dass dies bis vor kurzem den Weiß-Blauen über Wochen und Monate hinweg auswärts kein einziges Mal, noch nicht einmal in „Trockenübungen“, gelungen war. Kraftbeschleuniger war einmal mehr das personifizierte gute Vorbild Daniel Cheron, der nach einem Patzer in der Kickers-Defensive zentral in Ballbesitz kam und das Streitobjekt aus zwölf Metern in den Winkel drosch (50.). Naturgemäß sahen die Kickers nun ihre Felle davonschwimmen, was zunehmend Hektik in das Spiel brachte. Das alles konnte den Blick auf die Realität nicht trüben, dass die Komljenovic-Elf durch ihre stets gefährlichen Konter in der verbleibenden Spielzeit dem 3:0 näher waren als die „Wirschingköpfe“ dem Anschlusstreffer. Am Abschluss muss weiterhin gearbeitet werden, ein Eindruck, der sich bei einer Torchance von Alban Lekaj aufdrängte, der auf Zuspiel von Fiordellisi aus acht Metern neben das leere Tor köpfte (66.). In der 75. Minute machte es der Italiener selber und schoss nach einem Konter in bedrängter Lage knapp am langen Pfosten vorbei. In der Schlussphase wollten da auch die Kickers nicht zurückstehen und hatten noch zwei gute Gelegenheiten, zu verkürzen. Um ein Haar hätten wir uns wieder eine Ohrfeige von Joseph Mensah eingehandelt, doch zielte der in der 69. Minute aus 15 Metern glücklicherweise knapp drüber. Und da war ja noch Torwart-Rookie Max Schmidt, der ein glänzendes Debüt feiern konnte und in der 79. Minute die Null gegen den frei vor ihm auftauchenden Frank Wirsching festhielt.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass sich ein blutjunges Team (Durchschnittsalter 23 Jahre) mal wieder in die Herzen der Fans gespielt hat. Der Fans allerdings, die an diesem Tag aus nachvollziehbaren Gründen (Dauerregen, Mega-Stau auf der Autobahn) mehrheitlich nicht vor Ort waren. Wir haben uns auch so gefreut, dennoch sei angemerkt:  Wir wissen ja, eine Diva liebt Komplikationen, aber wie wäre es mal mit einem schlichten Heimspiel-Sieg bei schönem Herbstwetter und vor begeisterten Fans? Nun gut, wenn’s unbedingt sein muss, darf es auch Bindfäden regnen…

 

Trainerstimmen

Slobodan Komljenovic (Trainer SV Viktoria Aschaffenburg): „Wir haben heute in den ersten 15 Minuten des Spiels Glück gehabt, das war auch die stärkste Phase unseres heutigen Gegners. Aber danach haben wir immer mehr zu unserem Spiel gefunden. Schnelle Konter über die Außenbahnen und nach hinten kompakt stehen. Alle haben stark gekämpft und sehr gut gegen den Ball gespielt. Nach der Führung hatten wir sogar noch mehr Möglichkeiten. Wir müssen noch daran arbeiten, unsere Konter besser zu Ende zu spielen.“

Dieter Wirsching (Trainer FC Würzburger Kickers): „Wir haben heute eine bittere 0:2-Heimniederlage hinnehmen müssen. Das tut weh, vor allem, wenn man die ersten 15 Minuten gesehen hat. Dann sind wir beim ersten Konter der Aschaffenburger in Rückstand geraten. Danach passte einfach nicht mehr viel. Wir stecken mit dieser Niederlage momentan in einer misslichen Lage, aber ich denke da werden wir auch wieder herauskommen. Die Gäste standen dann auch gut und wurden im weiteren Verlauf mit der Führung im Rücken immer stärker. Ich denke, deswegen geht der Erfolg der Aschaffenburger auch in Ordnung.“

1 Kommentar

  1. Brüdigam spielte Linker Verteidiger nicht Innenverteidiger dies spielte Alipour-Rafi.

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