Hot! SVA „verliert“ mit viel Gefühl 2:2 gegen Heimstetten

Späte „Heimsuchungen“ am Schönbusch lassen Viktoria im Abstiegskampf auf der Stelle treten

Die Viktoria hat auch in ihrem mittlerweile achten Heimspiel an der Perfektionierung ihrer ganz speziellen Fan-Dressur gefeilt. Will sagen: Kaum geht das Match in die Schlussviertelstunde, scheint sich alles im weiten Rund zu ducken und die German-Angst-La-Ola zu machen in Erwartung der dann obligatorischen Tracht Prügel. Anders als beim Pawlowschen Hund, der trotz Speichelfluss die imaginierte Wurst nie zu Gesicht bekommt, wurden die Fans des SVA – das muss man unserer Diva freilich zugute halten – bezüglich der Realisierung ihrer somatisierten „Erwartungen“ bisher seltenst enttäuscht. Aktuell biss sich das Komljenovic-Team die Zähne daran aus, eine hart erarbeitete 2:0-Führung gegen den notorisch offensivschwachen Abstiegskonkurrenten SV Heimstetten über die Zeit zu bringen.

Viktoria Aschaffenburg – SV Heimstetten 2:2 (1:0)

Zunächst einmal – auch das gehört zum Spiel – konnten sich 415 Zuschauer im Stadion am Schönbusch ein Bild davon machen, dass bei schönem Frühherbstwetter auch zwei kohlenrußgeschwärzte Kellerkinder gleich viel freundlicher aussehen. Die Anfangsphase war geprägt von viel Stückwerk auf beiden Seiten und führte eindrucksvoll vor Augen, dass der Abstiegskampf bei beiden Kontrahenten deutliche Spuren hinterlassen hat. Nach etwa 20 Minuten löste sich die Verkrampfung etwas und beide Teams fanden zu einem geordneteren Spiel. Prompt stellten sich auch die ersten Torchancen ein. SVH-Goalgetter Thomas Karg, wundersam genesen nach seinem Muskelfaserriss vor 14 Tagen, scheiterte mit einem Kopfball nach einer Freistoßflanke von Christoph Schmitt am glänzend reagierenden Stefan Steigerwald (25.). Das Tor fiel drei Minuten später auf der Gegenseite: Ein schöner Steilpass löste in dem durchstartenden Routinier Giulio Fiordellisi lange verschüttete Torjägerinstinkte aus. Man konnte die Willenskraft förmlich spüren, mit der er seine Verfolger abschüttelte und zuletzt den chancenlosen Lehner überwand, um daraufhin seine elfmonatige Torflaute für beendet zu erklären. Gegen eine nach dem 0:1 kurzzeitig indisponierte Heimstettener Elf hätte Yuki Nakagawa in der 37. Minute nachlegen können, jedoch scheiterte er nach schönem Sololauf aus spitzem Winkel an Lehner. Zu dem schon gewohnt neuralgischen Zeitpunkt kurz vor der Halbzeit bot sich dem SVH die dicke Chance zum Ausgleich, als Daniel Kneißl aus kürzester Distanz am reaktionsschnellen Steigerwald scheiterte.

Die Bilder zum Heimspiel gegen den SV Heimstetten finden Sie hier.

In der zweiten Halbzeit schien der Spielfaden zunächst gerissen, der SVA zog sich etwas zurück, ohne dass das weitgehend harmlose Elfinger-Team daraus Nutzen hätte ziehen können. Als die Viktoria in der 53. Minute den Heimstettener Strafraum mit Flanken überzog, kam schließlich auf halblinks Zino Zampach in Ballbesitz, düpierte seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung und servierte das Leder maßgerecht auf den Kopf von Daniel Cheron. Dessen Hechtkopfball konnte Lehner nur noch hinterhersehen (52.). Bei jedem anderen Verein ein Grund zur Euphorie, doch das Aschaffenburger Publikum hat die Dressur seiner Diva schon verinnerlicht, sonnte sich infolgedessen in Skepsis, registrierte noch einige halbgare Konterchancen der Gastgeber und wartete schicksalsergeben auf die Schlussviertelstunde, in der er ausgelöst wurde: der Reflex des Kopfeinziehens. Und die Viktoria wäre nicht die Viktoria, ließe sie diesen Reflex wirkungslos verpuffen. Ganz nach dem Motto „Ducken ohne Schläge (= Pawlow) macht neurotisch“ trug man auch dieses Mal wieder rührend dafür Sorge, dass jeder voll auf seine Kosten kam und mit einem blau-weißen Hämatom versehen den Heimweg antreten durfte. Angesichts dieser fatalen Gesetzmäßigkeit wird es fast zur Nebensache, noch die lästigen Details zu schildern. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun, seien sie dennoch erwähnt: Man schrieb die 76. Minute, als Ebeling nach einem langen Ball sich im Laufduell mit seinem Gegenspieler durchsetzen konnte und das Leder über Stefan Steigerwald zum 1:2 ins Tor lupfte. Eigentlich herrschte zu diesem Zeitpunkt schon weitgehend Konsens darüber, dass „da noch was kommt“. Und so war`s denn auch: Sechs Minuten vor Schluss lief die Viktoria in einen Konter, den Sebastian Kneißl aus kürzester Distanz zum 2:2-Ausgleich einschob. In der 91. Minute beendete der Schiedsrichter den denkwürdigen Nachmittag der Viktoria und besiegelte damit eine „gefühlte Niederlage“ der Heimelf, wie Coach Slobodan Komljenovic in der anschließenden Pressekonferenz freimütig einräumte.

 

Trainerstimmen:

Rainer Elfinger (SV Heimstetten): „Wir hatten uns viel vorgenommen und wollten hier unbedingt einen Dreier einfahren. Natürlich war dem Spiel anzumerken, dass beide Teams derzeit mit dem Rücken zur Wand stehen und den Anschluss nicht verpassen wollen. Wir sind gut in die Partie gestartet, sind aber insbesondere in der Viertelstunde vor und nach der Halbzeitpause katastrophal aufgetreten. Unterm Strich geht das Unentschieden in Ordnung. Nach der gefühlten Niederlage im letzten Auswärtssieg gegen Ingolstadt  dürfen wir uns dieses Mal ein bisschen als Sieger fühlen.“

Slobodan Komljenovicc (Viktoria Aschaffenburg): „In den ersten 20 Minuten sah man zwei verunsicherte Teams. Der Gegner konnte dann zwei sehr gute Torchanen für sich verzeichnen. Der Führungstreffer brachte uns dann viel besser ins Spiel. Nach dem 2:0 hatten wir eine Fülle von Konterchancen, die wir leider nicht zu Ende gespielt haben. Nach dem Anschlusstreffer, als wir einen langen Ball schlecht verteidigt haben, fingen wir an zu wackeln. Eine gefühlte Niederlage, daran gibt es nichts zu deuteln.“

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