Hot! 2:2 in Schalding: Die Diva mag`s auch rustikal

Reingeplackt, aber nicht klein beigegeben: Yuki Nakagawa und Denis Talijan trafen

Am 19. Spieltag hatte sich die junge Viktoria-Garde um Trainer Slobodan Komljenovic auf Passauer Territorium mit dem Regionalliga-Neuling SV Schalding-Heining auseinanderzusetzen. Dem Vernehmen nach weniger ein Vertreter der spielenden Zunft, sondern eher ein Kandidat, der über den Kampf ins Spiel zu kommen pflegt, und dies in der Vergangenheit zumindest zu Hause mit einigem Erfolg. Da wollte unsere Diva nicht zurückstehen und den erstaunten einheimischen Mannsbildern zeigen, dass so ein unterfränkisches Weibsstück auch gehörig kratzen und beißen kann. Der 2:2-Endstand in dem sehr rustikalen Match wurde von allen Seiten für gerecht befunden, für die angestrebte „Emanzipation“, sprich Gleichstellung in der Tabelle, unserer Diva war das jedoch zu wenig. Da hätte auch eine Gleichstellungsbeauftragte nichts dran ändern können…

Yuki Nakagawa erzielte die 1:0-Führung (9.)

Angefangen hatte alles ganz nach dem Gusto der Weiß-Blauen, denn Yuki Nakagawa konnte mit dem ersten Angriff die Viktoria in der 9. Minute die Viktoria in Führung bringen. Markus Brüdigam hatte geflankt und es sich dabei zu Nutzen gemacht, dass auf der Höhe, wo Yuki seinen Kopf trägt, kein Gegenspieler etwas mit dem Ball anfangen kann. Die Gastgeber, an Japaner nur als Touristen gewohnt, wurden in ihrem Anfangselan voll ausgebremst und sahen sich auch weiterhin gefährlichen Angriffen unseres Teams ausgesetzt. Zwei Fernschüsse von Zino Zampach fanden nicht ihr Ziel und ein Kopfball von Daniel Cheron nach einer Ecke ging knapp drüber. Gegen Mitte der ersten Halbzeit erzwang sich das Tanzer-Team allmählich ein Übergewicht, scheiterte aber ein ums andere Mal am wieder glänzend aufgelegten Maximilian Schmidt. In Minute 38 war allerdings auch er machtlos, nachdem der Schiedsrichter nach einer Attacke von Markus Brüdigam gegen Michael Pillmeier auf Elfmeter für die Einheimischen entschied. Josef Eibl, Torschütze vom Dienst im Dress des SV, ließ dem Aschaffenburger Schlussmann keine Chance. Mit dem 1:1 ging es denn auch in die Kabinen.

Innenverteidiger Denis Talijan köpfte zum verdienten 2:2-Ausgleich in die Maschen

Schock für die Weiß-Blauen nach Wiederanpfiff: In der 51. Minute mutete Soheyl Alipour-Rafi mit einer aus der Bedrängnis motivierten Kopfball-Rückgabe vom Strafstoßpunkt seinem eigenen Torwart definitiv zu viel zu. Maximilian Schmidt blieb nichts zu tun, als den Ball aus dem Netz zu holen. An diesem Tag machte es die Diva richtig: Schmerzverzerrtes Gesicht vorgetäuscht und urplötzlich den Gastgebern heftig gegen das Schienbein getreten. Gerade einmal zwei Minuten nach dem Faux-pas rückte der baumlange Innenverteidiger Denis Talijan nach einer weiten Zampach Flanke mit einem Kopfball aus 12 Metern die Verhältnisse wieder gerade. Den Hausherren blieb nur die Erkenntnis, dass die Viktoria an diesem Tag vom Sprungwurf (Nakagawa) bis zum Dunking (Talijan) sämtliche Spielarten des Kopfballes beherrschte. Die Partie artete in der Folge zu einer regionaltypischen Wirtshausschlägerei aus, wobei unsere Diva bei der mit gelben Karten auf beiden Seiten geahndeten handfesten Keilerei erstaunliche Steherqualitäten bewies. Nach einem rustikalen Einsatz von Daniel Cheron musste Schaldings Maximilian Huber ausgewechselt werden (58.), auch sein Namensvetter auf Viktoria-Seite hatte nach einem Foul von Gallmeier sein ureigenes Schmerzerlebnis (65.). Fußball gespielt wurde aller Hektik und Zerfahrenheit zum Trotz auch noch: Die Niederbayern drängten bis in die Schlussphase hinein auf den angesichts ihrer auswärtigen Zahnlosigkeit dringend benötigten fünften Heimsieg und hatten ihre beste Chance in einem Freistoß, den Rene Huber aus 25 Metern an die Latte des Viktoria-Gehäuses schoss (62.) Aus der Ferne versuchte es auf der Gegenseite auch Zino Zampach, der aus 30 Metern zu einem Kunstschuss ansetzte. Doch hatte SVS-Keeper Werner Resch den Braten gerochen und konnte das Ding entschärfen. Trotzdem ging das Komljenovic-Team an diesem Tag mit seinen Torchancen ökonomischer um als sein Widerpart, eine Tugend, die zusammen mit dem aufopferungsvollen Kampf das Unentschieden in der Spielanalyse gerechtfertigt erscheinen lässt.

Achtung gebietend zweifelsohne, dass der SVA nach dem – aus welchen Gründen auch immer – verkorksten Rundenstart in mittlerweile vier Spielen in Folge ungeschlagen geblieben ist. Dennoch sollte man sich daran erinnern, was im Vorfeld der Partie als Szenario angestrebt wurde: drei Punkte und den Gegner in der Tabelle überholen. Dies konnte nicht realisiert werden, der Abstand ist gleich geblieben. Da tut es wirklich gut, endlich mal jemanden auf der Trainerbank sitzen zu haben, der nicht lange um den heißen Brei herumredet. „Bei unserer Tabellensituation hilft der Punkt momentan nicht viel“, befand Slobodan Komljenovic knapp und trocken in der anschließenden Pressekonferenz. Das ist in diesem Falle fernab jeglicher Koketterie und betreffs der Tabellensituation die sich zwingend aufdrängende Analyse, wenn man die nächsten ungleich anspruchsvolleren Aufgaben beim Club und zu Hause gegen die starken Fürther in Betracht zieht. Dennoch: ein Realitätssinn, der Anlass zu Hoffnung gibt.

 

SV Schalding-Heining – Viktoria Aschaffenburg 2:2 (1:1)

Schalding-Heining: Werner Resch – Sebastian Escherich, Dardan Gashi, Rene Huber, Christian Brückl – Christian Süß, Maximilian Huber (61. Dominik Rass), Josef Eibl, Albert Krenn (75. Severin Muthmann), Markus Gallmaier (84. Florian Stecher) – Michael Pillmeier

Aschaffenburg: Maximilian Schmidt – Markus Brüdigam, Soheyl Alipour-Rafi, Denis Talijan, Deniz Topcu – Yuki Nakagawa (77. Petrit Topic), Gökhan Öztas, Simon Schmidt, Daniel Cheron (68. Florian Haith), Zino Zampach (88. Semir Duljevic) – Giulio Fiordellisi

Tore: 0:1 Yuki Nakagawa (9.), 1:1 Josef Eibl (40., FE), 2:1 Soheyl Alipour-Rafi (51, ET), 2:2 Denis Talijan (55.)

Gelbe Karten: Sebastian Escherich, Albert Krenn, Christian Süß, Markus Gallmaier, Severin Muthmann / Simon Schmidt, Markus Brüdigam, Daniel Cheron, Denis Talijan

Schiedsrichter: Florian Fleischmann – Thomas Fischer, Eduard Maier

Zuschauer: 455

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