Hot! 2:2 gegen 1860 München: Finale furioso mit Schlusspfiff

Verzückend: die Löwen-Nummer von „Circus Roberto Desch“

691 Zuschauer wollten die am Würzburger Dallenberg wie Phönix aus der Asche gestiegene Viktoria im Heimspiel gegen das Spitzenteam der Münchner Löwen unterstützen. Pünktlich zum Event öffnete der Himmel seine Schleusen und sorgte für das legendäre „Würzburger Feeling“. Glücklicherweise regnete es durch, wer weiß, ob sonst das eingewechselte Viktoria-Eigengewächs Roberto Desch mit seinem Treffer zum 2:2  in buchstäblich letzter Sekunde den „Schönbusch-Fluch“ aufgehoben hätte.

Viktoria Aschaffenburg – TSV 1860 München II 2:2 (1:0)

Das Selbstbewusstsein und die Respektlosigkeit, mit denen die Jungs von Trainer Komljenovic den Kampf gegen den hohen Favoriten annahmen, sorgten in der 1. Hälfte bei den erfolgsverwöhnten  Löwen für große Verunsicherung. Tief stehend, mannschaftlich geschlossen, wurde eine tadellose Defensivarbeit verrichtet, die die Gäste nicht zur Entfaltung kommen ließ. Immer nah am Mann lauerten die Weiß-Blauen auf Fehler des Gegners, die nicht ausblieben. Nach einem Abspielfehler im Spielaufbau kam Deniz Topcu in Ballbesitz und passte auf Yuki Nakagawa, der in seiner unnachahmlichen Art die Lücke austarierte, bevor er flach ins rechte Eck einnetzte. Auch in der Folge setzte der jetzt voll auf Touren kommende SVA der Fröhling-Truppe durch gut vorgetragene Konter mächtig zu. Die Löwen, die ihrerseits nie die erwartete spielerische Dominanz auf den Rasen zu bringen vermochten, konnten von Glück reden, dass dem Spiel des SVA wieder mal ein alt bekannter Wermutstropfen beigemengt war, der mittlerweiler einen festen Bestandteil einer Spielanalyse von Slobodan Komljenovic im Anschluss an ein Spiel seiner Mannschaft darstellt. „Die Konter nicht sauber ausgespielt“ lautet die griffige Formel für den Kritikpunkt. Ansonsten hatte der Coach in den ersten 45 Minuten ein „sehr, sehr gutes Spiel meiner Mannschaft“ gesehen und die Fans – auch das sei angemerkt – den besten Auftritt der Mannschaft am Schönbusch in dieser Saison.

Hier finden Sie die Bilder zum Spiel.

Dass sich das im zweiten Teil nicht einfach so fortsetzen würde, das haben die weitsichtigen und nüchternen Naturen unter den Zuschauern zur Halbzeitpause schon geahnt. Irgendwo muss er ja sein, der Unterschied zwischen angehenden Profis und Feierabend-Fußballern. Wie man es aus Pokalspielen kennt, macht er sich spätestens dann bemerkbar, wenn auf Seiten der „Kleinen“ die Kräfte schwinden. Der SVA musste dem aufopfernden Kampf auf tiefem Boden Tribut zollen und die Löwen hatten anscheinend die Lehre aus der Rutschpartie im Durchgang eins gezogen und das Schuhwerk gewechselt. Die Feldüberlegenheit der Münchner baute sich im Verlauf der zweiten Hälfte in dem Maße auf, wie der weiß-blaue Zugriff auf das Spiel zusehends schwand. Schon sechs Minuten nach Wiederanpfiff war die Führung dahin, als der Gäste-Akteur Ivan Knezevic im SVA-Strafraum blitzschnell schaltete und sein Schuss an den langen Pfosten prallte. Teamkollege Mike Ott brauchte nur noch abzustauben. Der TSV beherrschte dann weitgehend die Szenerie, ohne zu klaren Torchancen zu kommen. Auch der vermeintlich letale Löwen-Genickbiss in der 78. Minute entsprang eigentlich nicht wirklich einer Torchance, vielmehr zog Liridon Vocaj aus der „unmöglichen Entfernung“ von 35 Metern und aus einer scheinbar harmlosen Spielsituation heraus einfach mal ab. Der nicht einmal sonderlich scharf geschossene Ball beschrieb eine sonderbare Flugkurve und tropfte zum Verdutzen aller halbhoch ins rechte Toreck. Ein Kunstschuss, gegen den Maximilian Schmidt nicht den Hauch einer Chance hatte. Die 60er hatten gegen einen verständlicherweise konsternierten SVA jetzt viel Zeit und waren spürbar bestrebt, die 2:1-Führung herunterzuspielen. In der Tat schien den Komljenovic-Jungs nicht mehr viel einzufallen. Youngster Roberto Desch riss die schon in Abwanderung begriffenen Fans in der letzten Aktion des Spiel mit einem krachenden Schuss von der rechten Strafraumgrenze ins lange Eck aus ihrer fatalistischen Endzeitstimmung und bekräftigte nach vielen traumatischen Heimerlebnissen den Glauben an eine ausgleichende Gerechtigkeit neu. Die Vorarbeit kam von Yuki Nakagawa, der in der hektischen Schlussszene Überblick bewies und gleichermaßen klug und uneigennützig querlegte.

Ein zwar glückliches, aber übers ganze Spiel gesehen hoch verdientes 2:2-Unentschieden, das der Viktoria zwar nicht zu einem Sprung in der Tabelle verhilft, aber sie ungemein mental beflügeln dürfte vor dem Kellergipfel beim SV Schalding-Heining vor den Toren von Passau. Denn dort gilt es für den SVA im direkten Vergleich die 3-Punkte-Lücke zu schließen, die aktuell zwischen dem zweiten Relegationsplatz (Schalding) und dem ersten Abstiegsplatz (SVA) klafft.

 

Trainerstimmen:

Torsten Fröhling (TSV 1860 München II): „Der Kampf bis zum Schluss wurde für die Gastgeber mit dem Ausgleich belohnt. Wir sind heute nicht richtig ins Spiel gekommen, hatten zu viele Fehlpässe und wurden zu oft ausgekontert. Wir haben mit dem Fernschuss ein glückliches Tor erzielt. Ich mit der Leistung meiner Mannschaft heute nicht zufrieden.“

Slobodan Komljenovic (Trainer SV Viktoria Aschaffenburg): „Ich bin zufrieden mit der Leistung am heutigen Nachmittag. Besonders in der ersten Halbzeit haben wir gegen eine der spielstärksten Mannschaften der Liga nichts zugelassen. Nach der Halbzeit hatten wir kurzzeitig Chaos in der Hintermannschaft, das gleich den Ausgleich brachte. Nach 90 Minuten haben wir verdient einen Punkt gewonnen.“

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