Hot! 3:0 für das „reifere Spielsystem“

Manche Spielberichte verlangen danach, die nachfolgende Analyse an den Anfang zu stellen: „Wir waren aufgrund der vorausgegangenen zwei Pleiten anfangs etwas verunsichert. Insgesamt gesehen hatten wir heute die reifere Spielanlage und hoch verdient gewonnen. Von Aschaffenburg habe ich heute über die gesamte Spieldauer keine Chance gesehen. Mit einer Ausnahme: Beim Stande von 1:0 hielt uns unser Torwart mit einer glänzenden Parade am Leben“, so Club-Coach Dieter Nüssing im Anschluss an das Regionalliga-Spiel Viktoria Aschaffenburg gegen die U23 des 1. FC Nürnberg.

Gemeint war die Chance von Peter Sprung in der 68. Minute, als ihm eine maßgerechte Flanke von Nico Koukalias so genau auf den Kopf fiel, dass er aus sieben Metern sich die Ecke hätte aussuchen können. Der Kopfstoß konnte vom Nürnberger Schlussmann entschärft werden.

Nichts zu rütteln gibt es am hoch verdienten Sieg der Mittelfranken. Es wurde jedoch auch deutlich, dass in keiner Minute des Spiels eine Übermannschaft auf dem Rasen des Schönbuschstadions stand, vielmehr konnte man aus dem Auftreten des Clubs eine gewisse Plausibilität ableiten, warum das Nüssing-Team in letzter Zeit zweimal in Folge verloren hatte. Ehe Antonio Colak in der 44. Minute einen über den Scheitel eines Viktorianers unglücklich verlängerten Eckball aus fünf Metern zum 0:1 einköpfte, hatte die Offensivabteilung des Gastes das Spielobjekt via Ecken oder Flanken schon gefühlt 187-mal in den Strafraum des SVA geschaufelt, ohne nennenswertes Ergebnis. Es gab keine Abnehmer, was freilich auch am Fehlen des hochkarätigen Sturmduos Rosinger und Mintal gelegen haben mag. Im Gegenzug konnte auch der SVA für sich in Anspruch nehmen, mit Markus Brüdigam, Daniel Cheron, Markus Horr und Fnan Tewelde auf etliche Schlüsselspieler verzichten zu müssen. Die optische Überlegenheit des Clubs setzte sich auch in Hälfte zwei fort, ohne jemals an der Kombinationssicherheit und spieltechnischen Brillanz etwa eines FC Ingolstadt von vor zwei Wochen auch nur riechen zu können. Die Clubberer bewiesen an diesem Tag, dass man auch nach (oder gerade mit?) einer pomadigen Leistung als 3:0-Sieger vom Platz gehen kann. Wobei der Fallrückzieher von Antonio Colak in der 81. Minute schon zum Zungeschnalzen war, genauso wie sein Reaktionsvermögen (immerhin lag er mit dem Rücken zum Tor), den abgewehrten Schuss zum 0:3 im Netz zu versenken. Colak hatte zuvor schon das 0:2 besorgt und avancierte mit drei Toren zum Matchwinner.

Man kann den Viktorianern den Kampfeswillen (Hörst und Koukalias sind hier besonders zu erwähnen) wirklich nicht absprechen, wenn man sich zuweilen auch des Eindrucks einer gewissen geistigen Müdigkeit (fehlendes Nachsetzen) nicht erwehren kann. Wenn Nüssing davon spricht, sein Team habe die „reifere Spielanlage“ gehabt, dann stellt sich einigen Stadionbesuchern die Frage: reifer als was? Eine Spielanlage war beim ersatzgeschwächten SVA teilweise nur schwer auszumachen. Die Versuche das Spiel in die Breite zu ziehen, ein Flügelspiel aufziehen, bei Offensivaktionen schnell nachrücken, Pässe in die Schnittstellen der Abwehr, alles was gemeinhin zum kultivierten Fußball gehört, ist gegen Nürnberg allenfalls im Ansatz erkennbar gewesen. Insbesondere einen Regisseur, der das Spiel lesen und ordnen kann, vermisst man schmerzlich. Man kann nur hoffen, dass angesichts der nächsten schweren Gegner, die keinesfalls leichter zu spielen sein werden als die Nürnberger in der heutigen Verfassung, eine Verbesserung eintritt. Hoffen lässt da, dass mit Markus Brüdigam und Daniel Cheron zwei Schlüsselspieler in die Mannschaft zurückkehren werden.

 

SV Viktoria 01 Aschaffenburg – 1. FC Nürnberg II 0:3 (0:1)

Aschaffenburg: Maximilian Hinterkopf – Steffen Bachmann, Florian Haith, Mario Sternheimer, Philipp Hörst – Matthias Fries, Michael Ulbricht (60. Marcello Fiorentini), Simon Schmidt (69. Adnan Murtic), Nico Koukalias, Giulio Fiordellisi – Peter Sprung

Nürnberg: Benjamin Uphoff – Fabian Scheffer, Manuel Bihr, M. Ngadeu Ngadjui, Michael Heinloth – Florian Ballas, Sinan Tekerci (86. Roman Kerschbaum), Christopher Theisen, Sebastian Gärtner, Roussel Ngankam (86. Mergim Neziri) – Antonio Colak (84. Tyrone McCargo)

Tore: 0:1 Antonio Colak (44.), 0:2 Antonio Colak (74.), 0:3 Antonio Colak (81.)

Gelbe Karten: Matthias Fries, Giulio Fiordellisi / –

Zuschauer: 486

Schiedrichter: Johannes Hartmaier (Dettelbach)

1 Kommentar

  1. Auf den Punkt! Wenn die Qualität der Mannschaft so wäre, wie die der Spielberichte hier, würde die Viktoria um den Aufstieg mitspielen.

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