„Ich spiele nicht bis 40, um irgendwelche Rekorde zu brechen“

…hat er auch nicht mehr nötig: Am 7. März 2020 im Heimspiel gegen Wacker Burghausen bestreitet Viktoria-Kapitän Simon Schmidt sein 400. Pflichtspiel für die Weiß-Blauen

Nur wirkliche Insider mag eine leise Ahnung beschlichen haben: Das unlängst mit Viktoria-Kapitän Simon Schmidt geführte ausführliche Interview war nicht zuletzt von einem bevorstehenden Jubiläum motiviert, das in der jüngeren Historie des Vereins seinesgleichen sucht. Reden wir Klartext: Im ersten Ligaspiel des Jahres 2020 gegen Wacker Burghausen am 7. März wird Simon vor heimischer Kulisse zum 400. Male im weiß-blauen Trikot auflaufen und kann es – ein Anachronismus in unstet gewordenen Fußballer-Zeiten – in Sachen Vereinstreue mittlerweile mit den alten Viktoria-Ikonen aus der guten alten Zeit, Heinz Budion und Hubert Staab, aufnehmen.

Simon Schmidt macht am 7. März 2020 sein 400. Pflichtspiel für Viktoria Aschaffenburg! Als Leader und verlängerter Arm des Trainers geht er als Kapitän voran (© Moritz Hahn)

Der ehemalige Zweitligist Wacker Burghausen bildet gewissermaßen den idealen Rahmen für das runde Jubiläum, denn der Club von der Salzach war in der Spielzeit 2003/04 Simon Schmidts erste (kurze) Station als Aktiver nach seiner fußballerischen Ausbildung beim TSV 1860 München. Man wäre versucht zu sagen „Hier schließt sich der Kreis“, was aber angesichts seiner erst jüngst erfolgten Vertragsverlängerung bis Juni 2021 nicht ganz zutreffend ist.

In bisher 399 Pflichtspielen kam Simon Schmidt als offensiver Linksaußen, in der Zentrale und als Innenverteidiger zum Einsatz (© Moritz Hahn)

Als einer der von Spiel zu Spiel denkt, hat Simon seine Einsätze nie mitgezählt. „Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm bis zu dem Tag, als ich für mein 300. Spiel geehrt wurde. Damals bin ich komplett überrascht worden und fand es auch cool, wie der Verein damit umgegangen ist. Etwas stolz ist man ja schon auf die vielen Spiele. Damals habe ich mehr aus Spaß für mich gedacht: Mal schauen, ob ich die 400 noch packe“, beschreibt der Jubilar sein „Erweckungserlebnis“. Das Ziel 400 Spiele wurde mit jedem weiteren Jahr, dass der mittlerweile 36-Jährige „dranhängte“, realistischer. In den letzten zwei, drei Monaten habe er allerdings überhaupt nicht mehr an die Marke gedacht und auch etwas den Überblick verloren, gesteht Simon Schmidt. Er habe nicht gedacht, dass es bereits soweit sei. Im Nachhinein kann er gleichwohl eine plausible Erklärung für den überraschend frühen Zeitpunkt liefern: „Es ist in der Vorrunde für mich einfach super gelaufen und ich konnte jedes Spiel machen. Damit war nun wirklich nicht zwangsläufig zu rechnen.“

Simon Schmidt hatte in mehr als 10 Jahren häufig Grund zum Jubeln (© Moritz Hahn)

Spitzenjahrgang, auch heute noch gut trinkbar: der „84er Viktorianer“

Mehr noch: In seiner mittlerweile 12. Spielzeit im weiß-blauen Trikot hat der jederzeit faire Sportsmann, der in seiner ganzen Karriere noch nie vom Feld gestellt wurde, noch keine Minute verpasst. Ganz so wie Simon haben auch seine damaligen Weggefährten aus dem goldenen 84er Jahrgang der Viktoria-Jugend, Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg) und Daniel Baier (FC Augsburg) ihren Vereinen über lange Jahre die Treue gehalten. Daniel Baier ist mit 350 Spielen für den FC Augsburg auf Platz sechs der aktuellen Tabelle der noch aktiven Bundesligaspieler mit den meisten Einsätzen und hat jüngst noch einmal seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Kollege Marcel Schäfer hat zwar 2017 seine aktive Karriere beendet und fungiert seither als Sportdirektor beim VfL Wolfsburg. Zuvor allerdings hatte er für die Wölfe 256 Bundesligaspiele absolviert und war damit lange Zeit vereinsinterner Rekordspieler. Das magische Viktoria-Dreieck der 80er zeichnet sich also durchweg durch Dauerbrenner-Qualitäten aus.

Jochen Seitz: „Simon hat sich hohes Ansehen erworben“

Bei allen Lobeshymnen auf seine Beständigkeit ist Simon realistisch genug, um sich nicht aufs Glatteis führen zu lassen. „Die 450 Spiele werden es wohl nicht mehr“, entgegnet er auf entsprechende Nachfrage. Persönliche Meriten einsammeln um jeden Preis war schließlich noch nie Seines: „Ich werde jetzt nicht bis 40 spielen, um irgendwelche Rekorde zu brechen. Es soll ja schon so sein, dass ich Leistung bringe. Das ist Leistungssport und ich werde nur solange spielen, wie ich meine Rolle ausfüllen und der Mannschaft helfen kann.“ Einer, der diesbezüglich weiterhin voll auf ihn setzt, ist sein mit mehr als 120 Pflichtspielen auf der Bank auch schon zum Inventar gehörige Coach Jochen Seitz: „Simon ist als Kapitän und Führungsspieler meine rechte Hand auf dem Spielfeld. Insofern ist es natürlich schön, dass er, obwohl beruflich sehr stark beansprucht, noch ein Jahr dranhängt. Mit Spaß am Fußball und seinem Kameradschaftsgeist hat er sich bei uns ein hohes Ansehen erworben. Er versprüht immer gute Laune und ist in der Lage, die anderen Spieler mitzureißen. Wir sind daher sehr froh, ihn weiterhin in unseren Reihen zu haben.“

Ganz gleich, mit wie vielen Spielen unser Kapitän eines Tages letztlich von Bord geht: Er wird seinen Jungs gehörig einen ausgeben müssen. Mit einer Runde ist es nach einer halben Ewigkeit in Weiß-Blau nicht getan…

Stand: 7. März 2020 // Wolfgang Fleischer & Moritz Hahn

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