Hot! 5:0-Streicheleinheit für handzahme Erlangener Häschen

Das „Osterklappern“ vor 953 Besuchern hätte noch viel lauter ausfallen können, doch eine Viktoria im Einbahnstraßen-Modus hielt die Schallschutzbestimmungen ein

Als nicht so spielstark wie die Würzburger Kickers“, hatte Viktoria-Coach Jochen Seitz den Aufsteiger FSV Erlangen-Bruck im Vorfeld der Partie eingestuft. Nach 90 sehr einseitigen Minuten am Ostermontag muss das in den Ohren des sachkundigen Beobachters wie die Untertreibung des Jahrhunderts geklungen haben. Die Viktoria dominierte vom Anpfiff weg und hatte leichtes Spiel mit einem Gegner, der – auch das gehört zur Wahrheit – sich an diesem Tag mit Ausnahme von Keeper Beck in allen Mannschaftsteilen als „nicht bayernligawürdig“ (so FSV-Coach Normann Wagner in seiner zutreffenden Analyse) präsentierte.

Zweifachtorschütze Daniel Cheron in Aktion

Dafür freilich konnte das Team von Jochen Seitz nichts, das mit dem unbedingten Willen zur Revanche loslegte wie die Feuerwehr. Wie von Jochen Seitz prophezeit, igelten sich die Gäste ein und zogen sich hinter die Mittellinie zurück. Erkennbar war beim Gast Mauertaktik angestrebt, nur schien die Schubkarre, um den Mörtel anzurühren, im Bus vergessen worden zu sein. Bereits in der vierten Spielminute vergab Toch frei vor dem Tor eine Großchance. Ob über die Außen oder durch die Mitte, die Viktoria drang in der Folge im doppelten Sinne des Wortes „spielerisch“ durch alle Ritzen. Bis zur 17. Spielminute war dem taumelnden Gast das Glück hold, dann versenkte Björn Schnitzer, der zuvor schon in einer Szene an Keeper Beck gescheitert war, von der Strafraumgrenze flach ins linke Eck zum 1:0. Weiter ging es mit Torchancen des SVA im Minutentakt gegen einen FSV, der nicht in der Lage war, einfachste Bälle aus der Gefahrenzone zu befördern, geschweige denn sich mit spielerischen Mitteln aus der Umklammerung zu befreien. Schüsse von wiederum Schnitzer und Cheron verfehlten knapp das Ziel. Der erneut technisch stark agierende Clay Verkaj visierte mit einem Distanzschuss das Lattenkreuz an und Philipp Beinenz scheiterte nach sehenswertem Alleingang an Keeper Beck, der als Einziger seines Teams bei hohem Seegang Standfestigkeit bewies. Daniel Cheron blieb es in der 33. Spielminute vorbehalten, in einer der zahllosen unübersichtlichen Szenen im FSV-Strafraum „Köpfchen“ zu zeigen und den immer noch minimalistischen 2:0-Pausenstand zu markieren.
Pausenansprache fruchtete
„Ich habe in der Halbzeit angesichts der überlegen geführten erste Hälfte die Mannschaft vor Nachlässigkeiten gewarnt und ihr gesagt, sie solle möglichst früh ein drittes Tor nachlegen“, verriet Jochen Seitz nachher in der Pressekonferenz. Sein Team ließ denn auch der Forderung umgehend Taten folgen. Mit einem Doppelschlag durch Clay Verkaj (50.) auf Zuspiel von Daniele Toch und Christian Breunig (55.), der eine maßgerechte Schnitzer-Flanke nur einzunicken brauchte, sorgte die Viktoria früh in der zweiten Hälfte für klare Verhältnisse. Der nicht gerade mit Eigenschaften für den Luftkampf üppig ausgestattete Daniel Cheron ließ mit seinem zweiten Kopfballtor des Spiels in der 65. Minute aufhorchen, schraubte das Resultat auf 5:0 und damit allmählich in standesgemäße Höhen. Das war`s dann aber auch, denn die zuvor in der Vorwärtsbewegung schon zögerlich und ängstlich agierenden Gäste zogen sich zwecks Vermeidung eines drohenden Debakels nun gänzlich zurück. Obwohl sie noch einige brenzlige Situationen zu überstehen hatten, konnten die Mittelfranken mit Hilfe eines jetzt komplett zugestellten Strafraums, der auch Filigrantechniker an ihre Grenzen bringt, weitere Einschläge verhindern.
Brucker Paradesturm abgemeldet
Bleibt noch nachzutragen, dass Viktoria-Keeper Ricardo Döbert im gesamten Spiel kein einziges Mal ernsthaft eingreifen musste, selbst seine Ballaufnahmen lassen sich an einer Hand abzählen. Der hoch dekorierte Sturm der Gäste mit dem Ex-Schweinfurter Tom Jäckel und Oliver Seybold (bisher 20 Saisontreffer!) war im gesamten Spielverlauf schlicht nicht an den Stromkreis angeschlossen, da nicht mit dem zündenden Funken in Form von raumgreifenden Pässen versorgt. So konnte auch die Viktoria-Defensive einen so bestimmt nicht erwarteten ruhigen Nachmittag verleben.
„Wir sind richtig happy, vor allem nach dem schweren Mittwoch-Spiel. Wir wollten den Gegner von Anfang an unter Druck setzen, was uns auch gelungen ist. Anfangs sah ich mich an das Hinspiel erinnert, als wir auch in der ersten Hälfte eine Fülle von Chancen hatten. Diesmal lief es aber umgekehrt, wir hatten das bessere Ende für uns“, bilanzierte anschließend Jochen Seitz, der andererseits bemüht war, die etwaig aufkommende Euphorie zu dämpfen. „Es kommen noch schwere Gegner auf uns zu“, mahnte er, wohl auch schon im Hinblick auf den nächsten Auswärtsgegner SpVgg. Bayern Hof. Ob der wieder aufgeblühte Traditionsverein jetzt richtig schwer wird, darüber kann man nur mutmaßen, eines wird er aber im Vergleich zu Erlangen-Bruck an diesem Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit sein: schwerer…

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