Hot! Am Samstag gibts am Schönbusch „Endspiel klassisch“

Die Viktoria ist nur bei einem Sieg sicher in der Relegation, Großbardorf dagegen nicht mal dann / Der Weg dorthin führt über die beste Abwehr der Liga

Hart erarbeitet hat sich die Viktoria „ihr“ Endspiel um den zweiten Platz der Bayernliga Nord im Stadion am Schönbusch gegen den TSV Großbardorf. Dessen Chancen auf den Relegationsplatz sind allerdings mit dem enttäuschenden 1:1 gegen den abstiegsbedrohten 1. SC Feucht am vergangenen Samstag beträchtlich gesunken. Das Schicksal der Grabfelder ist selbst bei einem Sieg am Schönbusch ausgerechnet vom Lokalrivalen TSV Aubstadt (Heimspiel gegen Amberg) abhängig, der als graue Eminenz im Hintergrund die Fäden zieht. Ob sich das in irgendeiner Form auf die Motivation der Schützlinge von Dominik Schönhöfer auswirken wird, darf bezweifelt werden, denn gänzlich abgehakt haben die Gallier das Thema Aufstieg nach einer wieder einmal starken Saison sicherlich noch nicht.

Schal-Spezial gegen Großbardorf

Die in der Saison 2007/08 zusammen mit der Viktoria kurzfristig in der Regionalliga Süd spielenden Gallier waren nach dem sofortigen sportlichen Wiederabstieg in die damals noch eingleisige Bayernliga dort längere Zeit zu keinen Spitzenleistungen mehr fähig. Dies änderte sich jedoch mit der Ligareform und der Einstufung der Grabfelder in die Bayernliga Nord zur Saison 2012/13. Seitdem näherte man sich dem Thema Aufstieg wieder an, unter dem seit der Saison 2013/14 beim TSV tätigen Coach Dominik Schönhöfer holte man zuletzt einen fünften und einen vierten Platz. In dieser Spielzeit steht der 46-jährige Übungsleiter mit seinem Team vor seiner bisher erfolgreichsten Saison. Angesichts der Umstände, dass vor Saisonbeginn tiefe personelle Einschnitte verkraftet werden mussten, die aufgrund der Finanzlage nicht kompensiert werden konnten, ist das Auftrumpfen der Gallier im ganzen Saisonverlauf eine ausgesprochene Überraschung. Die Verantwortlichen beim TSV hatten aufgrund der positiven sportlichen Entwicklung verständlicherweise kein Problem damit, den Vertrag mit Schönhöfer schon zur Winterpause um eine weitere Saison zu verlängern. Ihre schon damals sehr gute Tabellensituation haben die Gallier im neuen Jahr mit 24:3 Punkten (acht Siege, nur eine Niederlage in Amberg) noch ausbauen können. Bis vor zwei Wochen herrschte eitel Sonnenschein im Grabfeld, der TSV war stramm auf Aufstiegskurs. Die folgende 1:2-Niederlage beim Meister VfB Eichstätt konnte man noch mühelos schlucken, das gänzlich unerwartete 1:1 am letzten Spieltag gegen den 1. SC Feucht versetzte den Aufstiegsträumen allerdings einen empfindlichen Dämpfer. Mehr noch: Vor dem Saisonfinale bei der Viktoria stellt sich die Situation für die Schönhöfer-Elf so dar, dass sie mit einem Erfolg am Schönbusch ausgerechnet den ungeliebten Lokalrivalen (sind die jemals beliebt?) TSV Aubstadt zum Vizemeister und Relegationsteilnehmer küren könnte, womit der Kampf um die „Krone im Grabfeld“ wohl fürs erste zugunsten Aubstadts entschieden wäre. Auf der anderen Seite müssen die Gallier gewinnen und auf einen gleichzeitigen Ausrutscher der Aubstädter im Heimspiel gegen Amberg spekulieren, wenn sie ihre Aufstiegsambitionen nicht schon vorher ad acta legen wollen.

Viktoria-Trainer Jochen Seitz freut sich aufs Finale (© Moritz Hahn)

Jochen Seitz: „Der Druck liegt auf uns“

Es gilt noch die letzte Etappe zu nehmen, das i-Tüpfelchen auf eine rundum erfolgreiche Saison ist noch nicht gesetzt, desungeachtet reicht die Faktenlage vor dem letzten Spieltag zu einer positiven Saisonbilanz von Viktoria-Coach Jochen Seitz völlig aus: „Als wir als Trainerteam begonnen haben, war das ja gar nicht der Anspruch, dass wir noch so weit vorne mitmischen würden. Die Prämisse war, die Saison unter den ersten sechs, sieben ordentlich abzuschließen. Wenn du als Trainer die Verantwortung übernimmst, willst du natürlich so erfolgreich wie möglich sein. Das ist gelungen, wir waren in der Rückrunde die erfolgreichste Mannschaft. Der Erfolg war ein Produkt aus mehreren Faktoren: Wir hatten einen guten Lauf und – ganz wichtig – wir hatten kein Verletzungspech. Wir können vollauf zufrieden sein.“

Ihre eigenen Aufstiegschancen haben sie minimiert, die Gallier, und infolgedessen nicht mehr viel zu verlieren. Einen Vorteil allerdings haben sie dadurch nach Überzeugung von Jochen Seitz gewonnen: den, am Schönbusch locker und unverkrampft aufspielen zu können: „Großbardorf hat es nicht mehr in der eigenen Hand, so wie wir. Aber wenn wir vom TSV reden, reden wir von Qualität. Am Samstag steht Platz eins gegen Platz zwei der Rückrundentabelle auf dem Platz, das sagt schon alles. Wir haben einen Endspielcharakter, während Großbardorf die Chance hat, frisch, fromm, fröhlich, frei an die Aufgabe heranzugehen. Wir müssen im Endeffekt gewinnen, der Druck liegt gewissermaßen auf unseren Schultern. Wenn wir so agieren wie zuletzt, sind wir erfolgreich.“

Jochen Seitz zählt aufs Publikum

Auf die Stärken des Gegners adäquate Antworten zu finden und die Zuschauer mit ins Boot zu holen, darin sieht Jochen Seitz den Schlüssel zum Erfolg gegen das Topteam aus Großbardorf: „Wir spielen gegen das defensivstärkste Team der Liga. Wichtig ist, dass auch wir in der Defensive gut stehen. Das ist das A und O, denn der TSV verfügt auch über gute Offensivspieler, die spezialisiert auf Konterspiel und Standards sind. Gerade bei letzteren müssen wir extrem aufpassen, denn einmal mehr haben wir es mit einem Team zu tun, das groß gewachsene Spieler in seinen Reihen hat. Unsere Aufgabe wird sein, defensiv kompakt zu stehen und die nötige Geduld zu haben. Ich hoffe auch, dass die Zuschauer in diesem Sinne mitziehen und die Mannschaft die tolle Unterstützung bekommt, die sie braucht und verdient.“

Viktoria und Endspiel – eine in der Vergangenheit nicht immer glückliche Kombination, wovon sich Jochen Seitz allerdings unbeeindruckt zeigt und auf die belastungsresistente Psyche seiner Schützlinge verweist: „Nach dem Spiel in Weiden war uns doch allen klar: Wenn wir die Relegation noch schaffen wollen, müssen wir die letzten drei Spiele gewinnen. In den letzten beiden Spielen ging es also auch schon um alles, die Mannschaft hat sehr gut auf diesen Anspruch reagiert und alles umgesetzt. Das war die Voraussetzung, um überhaupt jetzt dieses Finale spielen zu können. Diese Problematik sehe ich persönlich jetzt nicht. Es macht allerdings ganz viel aus, wie das hoffentlich zahlreiche Publikum reagiert, wenn es mal nicht so läuft. Nur wenn man als Mannschaft nach vorne gepeitscht wird, kann man zusätzliche Kräfte freimachen, um gegebenenfalls ein Spiel auch mal zu drehen.“

Unverändert stellt sich die personelle Situation bei den Weiß-Blauen vor dem Schlagerspiel dar. Nach wie vor fehlen Marius Trippel (Sprunggelenksverletzung), Roberto Desch (Rotsperre) und Daniele Toch (erkrankt). „Wir wollen uns nicht beklagen, die Jungs, die im Kader stehen, sind gut genug, das Ding zu schaukeln“, sucht Jochen Seitz keine Alibis.

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