Auch schmutzige Siege sind im Abstiegskampf willkommen

Nach der „schönen Niederlage“ unter der Woche steht der Auftritt der Viktoria beim spielstarken Regionalliga-Dino FV Illertissen unter dem Motto „Punkten, egal wie“

Einen großen Fight hatte die Viktoria am vergangenen Dienstag dem Titelfavoriten Bayern München geliefert und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Moralisch aufrichten brauche er seine Mannschaft nach diesem Auftritt nicht, wie Jochen Seitz sagt. Eher müsse die Mannschaft in der kurzen Zeit wieder die nötige körperliche Frische erlangen, um am Samstag im Auswärtsspiel beim Tabellenachten FV Illertissen (Samstag, 14 Uhr, Vöhlin-Stadion) eine ähnliche Leistung abrufen zu können. Die Schwaben können befreit aufspielen, denn sie haben sechs Spieltage vor Saisonschluss 38 Punkte auf dem Konto und sind damit, wie man so schön sagt, jenseits von Gut und Böse.

Nachdem der FVI im Zuge der Ligareform zur Saison 2012/13 in die Regionalliga Bayern versetzt wurde, erlebte der Club unter Coach Holger Bachthaler eine sportliche Blütezeit und errang in den ersten beiden Spielzeiten auf den Plätzen drei bzw. zwei jeweils die bayrische Amateurmeisterschaft, verbunden mit der Qualifikation für den DFB-Pokal. Traumlose gegen die Bundesligisten Werder Bremen (2:3 n.V.) und Eintracht Frankfurt (0:2) beendeten das Abenteuer Pokal zwar schon nach der ersten Hauptrunde, sorgten aber für große Zahltage. Mangels des nötigen Umfelds trug man sich an der Iller nie mit Drittliga-Ambitionen. Mag sein, dass auch die von Erfolgscoach Holger Bachthaler bemängelte fehlende Perspektive nach oben dazu beitrug, dass man sich in den Folgejahren sportlich damit begnügte, eine gute Regionalligamannschaft zu stellen. Nach den Platzierungen 6, 5 und 9 lief man in der Vorsaison mit Rang 10 erstmals auf einem zweistelligen Tabellenplatz ein. Holger Bachthaler hatte zu diesem Zeitpunkt seine Zelte schon längst abgeschlagen. Er verließ den FVI im September 2016 in Richtung SSV Ulm. Mit dem derzeitigen Coach Marco Küntzel sitzt beim FVI seit dem Abgang von Bachthaler bereits der vierte Trainer auf der Bank. Küntzel hatte den Job erst Anfang Oktober letzten Jahres von dem sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehenden Stefan Anderl übernommen. In den fünfzehn Partien unter Küntzels Leitung holte das Team respektable 26 Punkte.

22. September 2018: Philipp Beinenz bejubelt seinen ersten Treffer in der Regionalliga Bayern gegend den FV Illertissen (© Florian Bauer)

Jochen Seitz: „Das schwerste Spiel“

Die Unterstützung von den Rängen während des Bayern-Spiels klingt Jochen Seitz noch gut in den Ohren „Für die Zuschauer war das natürlich schön, weil sicher kaum einer damit gerechnet hatte, dass wir so gut mithalten können. Es kommen natürlich jetzt wieder andere Gegner, diejenigen auf Augenhöhe, gegen die wir die Unterstützung genauso brauchen. Auch und gerade, wenn es mal nicht so läuft. Insbesondere für unsere jungen Spieler ist das in Drucksituationen befreiend.“ Nicht zuletzt habe die Mannschaft am Dienstag Werbung in eigener Sache gemacht und damit hoffentlich den einen oder anderen zusätzlich animiert, durch seinen Stadionbesuch der Viktoria in dieser wichtigen Saisonphase den Rücken zu stärken.

Drei Auswärts- und drei Heimspiele hat die Viktoria in dieser Saison noch vor der Brust, wobei Jochen Seitz die Partie am Samstag im Vöhlin-Stadion für die größte Herausforderung hält: „Wie schon im Hinspiel zu sehen war: Illertissen ist eine spielerisch ganz starke Truppe. Mit dem Abstieg hat sie faktisch nichts zu tun. Lediglich aufgrund von Verletzungspech ist der FVI zu Saisonbeginn einmal kurzfristig hinten reingerutscht.“ Für Illertissen, das Jochen Seitz in punkto Spielstärke fast auf dem Niveau des Bayern-Nachwuchses ansiedelt, sprechen zudem die Erfahrung und Burak und Schröter als Einzelkönner in der Offensive. „Wie schon gegen die Bayern werden wir an unsere läuferischen Grenzen gehen müssen“, sagt der Coach voraus.

Schlüsselszene im Hinspiel. Dr. Florian Kornblum schickt Volkan Celiktas nach Tätlichkeit mit roter Karte zum Duschen (© Moritz Hahn)

Dreimal gab die Viktoria bisher ihre Visitenkarte im Vöhlin-Stadion ab, ohne auch nur einen Punkt ergattern zu können. Das Hinspiel am Schönbusch konnte man immerhin mit 3:1 siegreich gestalten. Allerdings platzte der Knoten erst, nachdem sich die Gäste selbst dezimiert hatten.

Verkamp und Desch fehlen wegen Gelbsperre

Etwas angespannt ist derweil die Personalsituation. Roberto Desch und Pasqual Verkamp fehlen am Samstag wegen ihrer fünften gelben Karte. Noch fraglich sind die Personalien Clay Verkaj und Michél Harrer. Verkaj hat sich im Bayern-Spiel eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen und Harrer leidet immer noch unter seinen Kniebeschwerden, die sich am Dienstag beim Warmlaufen wieder gemeldet haben. Lukas Oppermann hat sich im Training wieder herangearbeitet und steht im Kader für Illertissen. „Für ein ganzes Spiel ist es aber noch zu früh“, urteilt Jochen Seitz.

Eines kann er garantieren: „Wir werden mit Sicherheit elf Leute auf den Platz bringen, die hoffentlich an die Leistung vom Dienstag anknüpfen werden.“

… mit hoffentlich glücklicherem Ende, möchte man hinzufügen. In einem können wir immerhin beruhigen: Wir haben uns den Kader von Illertissen angesehen und keinen Wriedt gefunden…

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