Die SpVgg. Bayreuth weist den „Geheimfavorit“ weit von sich

„Gut aus den Startlöchern kommen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben“: Coach Timo Rost hegt vergleichsweise bescheidene Altstadt-Fantasien

So schnell kann sich der Marktwert ändern: Nach dem katastrophalen Fehlstart in der vergangenen Saison noch als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, wird aus der SpVgg. Bayreuth nach dem durch einen Parforceritt realisierten Klassenerhalt in der Fachwelt schnurstracks der Geheimfavorit der neuen Runde. Diese Wandlung geht Altstadt-Coach Timo Rost dann doch entschieden zu schnell, weshalb er auch kräftig auf die Euphoriebremse tritt: „Das ist doch verrückt. Wir wissen, wo wir herkommen. Unser primäres Ziel ist es, die Mannschaft weiterzuentwickeln und nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.“

Am 12. Juli startet die Viktoria zuhause gegen die SpVgg. Bayreuth in die Saison 2019/20.

Die lange Durststrecke aus der vergangenen Saison soll sich daher auf keinen Fall wiederholen: „Dieses Mal wollen wir gleich vom Start weg Punkte sammeln.“ Dass sich die Altstadt in der Vorbereitungsphase in einer beachtlichen Frühform präsentierte, findet auch die Zustimmung von Timo Rost: „Ich habe bisher viele Dinge gesehen, die mir gefallen und mich optimistisch stimmen.“ Zu dieser Einschätzung verhalfen ihm natürlich in erster Linie die Eindrücke aus den vier absolvierten Testspielen, die allesamt gewonnen werden konnten. Highlight war sicherlich der verdiente 2:1-Sieg gegen den Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg im heimischen Hans-Walter-Wild-Stadion. Mit dem gleichen Ergebnis siegte man beim heimstarken Bayernliga-Nord-Vizemeister DJK Gebenbach. Mit 5:2 fertigte man den Bayernliga-Nord-Rückkehrer FC Eintracht Bamberg ab, Landesligist TSV Neudrossenfeld wurde mit 3:1 bezwungen. Außerdem konnte man noch ein hochkarätig besetztes Turnier in Erlangen souverän für sich entscheiden.

Die Schöne (Altstadt) und das „Biest“

„Das Biest“ – so wurde die neue überdachte Gegentribüne im Hans-Walter-Wild-Stadion von den Fans liebevoll getauft. Eingeweiht wurde das Bauwerk, in das die Stadt Bayreuth 1,4 Millionen Euro investiert hat, angelegentlich des ersten Heimspiels der Gelb-Schwarzen nach der Winterpause gegen die U23 des FC Bayern München am 10. März 2019. In einer wahren Wasserschlacht siegte die Altstadt mit 2:0 und die Fans konnten den Triumph im Trockenen voll auskosten. Als Weg weisend für die Zukunft des Vereins würdigte SpVgg.-Coach Timo Rost die bauliche Aufwertung des Stadions: „Die neue Tribüne ist enorm wichtig. Ein großer Dank hierfür gebührt der Stadt. Die Tribüne bringt die Stadt und den Verein auch weiter. Dann kann man in Zukunft auch mehr als nur um den Klassenerhalt spielen.“ Um den Klassenerhalt spielten die Bayreuther in der vergangenen Saison überhaupt nur, weil sie mit sechs Niederlagen in Folge einen krassen Fehlstart hingelegt hatten. Nach dem achten Spieltag wurde Coach Joe Albersinger entlassen und Timo Rost, der seinen Vertrag bei der SpVgg. Greuther Fürth (U23) vorzeitig aufgelöst hatte, als neuer Trainer vorgestellt. Mit dem Ex-Profi auf der Bank lief es wesentlich besser bei den Schwarz-Gelben, die in der Winterpause mit Christopher Kracun und Alexander Piller (beide 1. FC Schweinfurt 05) noch einmal personell nachlegten. Zum Happy-End kam es am drittletzten Spieltag, als man sich vorzeitig den Klassenerhalt sichern konnte. Die Runde beendete man dann sogar auf dem neunten Tabellenplatz.

Am 27. April 2019 (31. Spieltag 2018/19) trennten sich Viktoria Aschaffenburg und die SpVgg. Bayreuth im Hans-Walter-Wild-Stadion mit 0:0 (© Moritz Hahn)

Die Spielvereinigung bindet ihre Leistungsträger

Die SpVgg. Bayreuth befindet sich zweifellos wieder im Aufwind. Ein guter Indikator dafür sind jüngst erfolgte bauliche Maßnahmen wie die bereits erwähnte Gegentribüne und der neu angelegte eigene Trainingsplatz. Den Stellenwert des Letzteren betonte Timo Rost anlässlich der Übergabe: „Wir sprechen ja immer davon, dass wir uns mit anderen Vereinen in der Regionalliga messen müssen. Bayern München II, Greuther Fürth II, selbst Memmingen haben mittlerweile Topbedingungen. Wenn ein Regionalligist wie die SpVgg. Bayreuth den nächsten Schritt gehen will, ist ein eigener Trainingsplatz für die erste Mannschaft unabdingbar.“ Zudem hat das Durchschreiten des sportlichen Tals den Zusammenhalt der Spieler und deren Identikation mit dem Verein noch einmal verstärkt. Nicht zuletzt deshalb konnte der Vertrag mit Leistungsträgern wie Ivan Knezevic und Chris Wolf um ein weiteres Jahr verlängert werden. Außerdem holte man mit dem 26-Jährigen Defensivspezialist Philip Messingschlager (Schweinfurt 05) und dem 27-Jährigen Drittliga-Allrounder Kodjovi Kossou (TSV 1860 München) namhafte Verstärkungen. Auch Tim Sulmer (VfR Garching) und Nils Schätzle aus der U23 des 1. FC Kaiserslautern tragen in der neuen Saison das schwarz-gelbe Trikot. Timo Rost veranschaulichte bei der Vorstellung des Kaders für die neue Saison auch seine Personalpolitik: „Wir haben natürlich versucht, den Kader zusammen zu lassen. Ich bin kein Freund davon, jedes Jahr 15 oder 20 Spieler auszutauschen. Wir wollen uns punktuell verstärken, ohne den Kern anzutasten. Dieses behutsame Vorgehen trägt zum jetzigen frühen Zeitpunkt schon Früchte: Wir sind schon einigermasen eingespielt.“

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