Hot! Besuch aus der Beletage des deutschen Fußballs

Es fällt sehr schwer, unseren heutigen Gegner mit den gängigen Regionalliga-Maßstäben zu messen, so sehr ist er in unser aller Vorstellungen mit dem Mythos des internationalen Schwergewichts des deutschen Vereins-Fußballs unter weiß-blauer Raute, eben des legendären Hauptvereins Bayern München, untrennbar verwoben. Schaut man einmal über die personelle Besetzung der „kleinen“ Bayern – und hier sind die Gänsefüßchen angebracht wie nirgendwo sonst -, so gewinnt man schnell den Eindruck, dass von Seiten des Reserveteams auch nicht viel getan wird, um diese Assoziationen zu zerstreuen. Es wird von Mehmet Scholl trainiert, der in seiner aktiven Zeit als Profi achtmal deutscher Meister mit dem FC Bayern München wurde. Auch die Namen Gerd Müller (Co-Trainer) und Walter Junghans (Torwarttrainer) dürften jedem gestandenen Fußball-Fan geläufig sein. Fortsetzen lässt sich der Prominentenreigen auch in der Mannschaftsaufstellung mit Routiniers wie Altin Lala (früher Hannover 96), Stefan Buck (1860 München) und natürlich Goalgetter Tobias Schweinsteiger, die ein junges, erfolgshungriges Team aus Spielern, die wohl nicht von ungefähr in der U23 des derzeit erfolgreichsten deutschen Vereins kicken, in die 3. Liga führen soll. Denn berücksichtigt man den Etat, die Spielergehälter und die Aufmerksamkeit, mit der die Vereinsoberen wie Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge die Leistung des Nachwuchsteams beobachten und kommentieren, so kann eigentlich nichts anderes das ausgegebene Ziel sein, auch wenn das zuweilen beharrlich dementiert werden mag. Tiefstapelei passt einfach nicht zu den Kickern aus der bayerischen Landeshauptstadt und steht selbst den „kleinen“ Bayern schlecht zu Gesicht. Mal eben während der Saison die sportlichen Ziele zu korrigieren, ist nicht, da dieser  „Luxus“ eigentlich nur sportlichen Newcomern, die aus unteren Regionen kommend sich erst mit der Spielstärke der neuen Klasse vertraut machen müssen, eingeräumt wird. Insofern ließe sich das Match der ungleichen Kontrahenten im Volksmund auf die Aussage reduzieren: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe…

Die Viktoria aus Aschaffenburg, aus entgegengesetzter Richtung kommend, tut gut daran, nicht in Ehrfurcht zu erstarren, und kann heute unbeschwert aufspielen. Und da wir alle so furchtbar aufgeregt sind, flüchten wir uns in einen kleinen Scherz, den Mehmet Scholl, laut Wikipedia „als Spieler für seine markigen Sprüche bekannt“, uns bestimmt nicht übelnehmen wird: Wir wollen es nicht hoffen, aber sollte sich heute im Verlauf der Partie im Stadion am Schönbusch wider Erwarten jemand wundgelegen haben, so haben wir in Aschaffenburg drei Sanitätshäuser mit Anti-Dekubitus-Matratzen im Angebot…

Den vielen Fans, die nicht zuletzt des attraktiven Gegners wegen von nah und fern angereist sind, und eine Rekordkulisse im Schönbusch-Stadion bilden, wünschen wir, dass sie im Anschluss an das Spiel während der Pressekonferenz ihrem Idol Mehmet Scholl länger als 17 Sekunden nahe sein dürfen. Obwohl…vielleicht doch eher nicht…

 

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