0:0 – „Kevin allein zu Haus“ sicherte der Viktoria einen Punkt

Glücklich, aber nicht unverdient verteidigt die Seitz-Elf ihren Erfolgsnimbus an der Salzach / Bittere Wacker-Erkenntnis: Ohne Tor-Chemie bleibt jede Pille nur ein Placebo

Die Viktoria bleibt auch bei ihrem dritten Auftritt in der Wacker-Arena ungeschlagen und darf sich, nachdem sie zuletzt zweimal leer ausging, wieder über etwas Zählbares freuen. Weniger gefreut haben dürfte sich die „wackere“ Heimmannschaft: Das Chancenverhältnis für sich betrachtet ließ nicht gerade ein torloses Remis erwarten, aber so ist das halt, wenn der Gegner einen erstklassigen Keeper zwischen den Pfosten hat und man selbst einen Tag erwischt hat, an dem das Leder einfach nicht über die Linie will. Die Viktoria kann ein Lied davon singen: Fürth lässt grüßen…

Kevin Birk im Tor der Viktoria zeigte eine starke Leistung und sicherte der Seitz-Elf einen Punkt in Burghausen (© Archiv, Moritz Hahn)

Zu Beginn der Partie wurde zunächst einmal recht hemdsärmelig agiert. Beide Parteien versuchten ihr Glück mit hohen Bällen. Die erste wirkliche Chance des Spiels verzeichnete die Viktoria, als sich die Gastgeber im Mittelfeld einen Fehler leisteten und Björn Schnitzers Flachschuss aufs lange Eck vom Burghausener Keeper Weber per Fußabwehr geklärt wurde. In der Folge besannen sich die Burghausener mehr auf das spielerische Element und kamen zu einigen sehr guten Gelegenheiten. Die erste stammte aus der 15. Minute, als Kevin Birk nach einem Abwehrfehler den Schuss aufs linke Eck gleichfalls mit dem Fuß parierte. Auch in der 22. Minute war Birk auf dem Posten und fischte die Kugel aus dem linken Eck. Wacker agierte nun deutlich druckvoller als in der Anfangsphase und der Führungstreffer lag in der Luft. In einer Konterszene setzte sich Burghausens Julien Richter auf der rechten Abwehrseite durch und zog ab, sein aufs kurze Eck abgefeuerter Schuss klatschte ans Gebälk. Benjamin Baier handelte sich in der 37. Minute seine fünfte gelbe Karte im Saisonverlauf ein und darf im nächsten Heimspiel gegen Rain am Lech nur zuschauen. Kurze Zeit später stand Kevin Birk schon wieder im Mittelpunkt des Geschehens, als die Gastgeber mit einer langen Ballstafette à la Fürth ungehindert in den Strafraum eindringen konnten und der SVA-Keeper den abschließenden, aufs linke Eck gezogenen Schlenzer von Felix Bachschmidt sensationell aus dem Winkel holen konnte. Klar ersichtlich war die taktische Ausrichtung, die beide Teams nahezu während der ganzen Spielzeit auf den Platz brachten: hohes Anlaufen nur in den seltensten Fällen, man ließ den Gegner in dessen eigener Hälfte gewähren und zog sich bei fremdem Ballbesitz in die eigene Hälfte zurück. Nicht in gegnerische Konter laufen, hieß die Devise. In Anbetracht des Chancenverhältnisses konnte die Viktoria mit dem 0:0 zur Pause zufrieden sein.

Viktoria verschmähte die Möglichkeit zu einer „Strafaktion“

Auch die zweite Hälfte hatte zunächst nicht viel Neues zu bieten. Nach einer Maßflanke brachte ein Wacker-Akteur das Kunststück fertig, völlig frei vor dem Tor Keeper Kevin Birk in die Arme zu köpfen (46.). Nach einem noch geblockten Baier-Solo (48.) durfte sich Birk mit einem über die Latte gedrehten Schuss einmal mehr auszeichnen. Wacker wollte nun mehr und riskierte damit den einen oder anderen Konter. Zunächst lief Daniel Meßner nach einem Gegenstoß auf der rechten Seite völlig alleine auf Keeper zu, scheiterte aber mit seinem Torabschluss an diesem (54.). Der Wacker-Schlußmann blieb einfach stehen und vergrößerte im Stile eines Handballtorwarts etwas die Körperoberfläche. Eine Zeigerumdrehung später nahezu das identische Spiel auf der anderen Seite: Dieses Mal parierte Birk nach einem feinen Anspiel in die Zentrale reaktionsschnell. Die etwas nachlässiger agierenden Hausherren liefen nun Gefahr, die Quittung für den sorglosen Umgang mit ihren Torchancen zu erhalten. Zunächst flog ein schlitzohriger Heber aus 60 Metern von Björn Schnitzer knapp über das Wacker-Tor (63.). Der zu weit vor dem Tor postierte Wacker-Keeper hätte mit Sicherheit das Nachsehen gehabt. Einer Kontersituation entsprang auch die letzte große Chance des SVA im Spiel. In der 64. Minute standen drei Viktorianern zwei Burghausener gegenüber. Schnitzer entschied sich, es alleine zu machen und scheiterte mit seinem Schuss aus spitzem Winkel an Keeper Weber. Der Rest der Partie war ein permanentes Anrennen der Schellenberg-Elf auf das Tor von Kevin Birk, wobei sich zusehends die aus weiß-blauer Sicht beruhigende Gewissheit einstellte, dass die Gastgeber an diesem Tag kein Tor mehr schießen werden. Am Boden ließ sich die dicht gestaffelte Viktoria-Defensive spielerisch nicht ausmanövrieren, hohe Bälle führten zu einigen Kopfballchancen, von denen Wacker aber keine nutzen konnte.

Jochen Seitz: „Gerechtes Unentschieden“

Viktoria-Coach Jochen Seitz hatte mit dem Remis naturgemäß kein Problem, spiegelte es doch in seinen Augen das Geschehen auf dem Rasen: „Wir hatten die erste klare Chance des Spiels durch Björn Schnitzer. Danach habe ich ein ausgeglichenes Spiel gesehen, Burghausen vielleicht mit einem Tick mehr Feldvorteilen. Kevin Birk hielt uns in einigen brenzligen Situationen im Spiel. Die zweite Halbzeit war fast spiegelbildlich zur ersten. Die erste Hundertprozentige hatten wir durch Daniel Meßner, unser Keeper bzw. die Abwehr waren bei den Chancen der Burghausener auf dem Posten. Im Grunde genommen ein gerechtes Unentschieden. Es hätte auch 2:2 ausgehen können, aber die Torhüter auf beiden Seiten hatten einen sehr guten Tag. Was bei uns mittlerweile ein großes Thema ist, ist die Chancenverwertung. Aber ich werde jetzt nicht die jungen Leute verteufeln. Da werden wir im Training weiter daran arbeiten.“

6. Spieltag Regionalliga Bayern 2019/20, am Samstag, 10. August 2019, um 14:00 Uhr in Burghausen (Wacker-Arena // Franz-Alexander-Str. 7, 84489 Burghausen)

SV Wacker Burghausen – Viktoria Aschaffenburg 0:0 (0:0)

Burghausen: Egon Weber – Lukas Aigner, Felix Bachschmid, Muhamed Subasic, Kevin Hingerl, Andreas Scheidl, Julien Richter (65. Sammy Ammari), Matthias Stingl (65. Alexander Makowski), Christopher Schulz, Eymen Brahim (87. Christoph Maier), Andrija Bosnjak (Trainer: Wolfgang Schellenberger) Aschaffenburg: Kevin Birk – Daniel Cheron, Luca Dähn, Simon Schmidt, Hamza Boutakhrit – Benjamin Baier, Max Grünewald – Pasqual Verkamp, Björn Schnitzer (88. Kevin Wittke), Philipp Beinenz (59. Clay Verkaj) – Daniel Meßner (70. Egson Gashi) (Trainer: Jochen Seitz) Im Kader: Ricardo Döbert (TW), Zaki Ech-Chad, Tom Schulz, Silas Zehner Tore: keine Gelbe Karten: Matthias Stingl (59.), Felix Bachschmid (90.) / Benjamin Baier (37.), Luca Dähn (80.), Kevin Wittke (90.+3) Schiedsrichter: Thomas Ehrnsperger – Benjamin Mignon, Felix Scharf Zuschauer: 777 (Wacker-Arena)

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