Hot! Das hätte sich Wriedt wirklich sparen können…

Bei der unglücklichen 2:3-Niederlage der Viktoria im Heimspiel gegen den Topfavoriten FC Bayern München gab er den Last-Second-Spielverderber

Gerade einmal drei Tage nach der enttäuschenden 0:1-Heimniederlage gegen den Tabellenletzten Pipinsried zeigte die Viktoria gegen den Bundesliga-Nachwuchs der Münchner Bayern ein völlig anderes Gesicht und versöhnte die über 3.000 Besucher im Stadion am Schönbusch mit einer vor allem in kämpferischer Hinsicht tadellosen Leistung. Hätte der kommende Torschützenkönig sich seinen 20. Saisontreffer für eines der nächsten Spiele aufgehoben, dann wäre die Viktoria an diesem diesigen Frühlingsabend völlig verdient als „Punktsieger“ vom Platz gegangen.

Bayern-Coach Holger Seitz brachte es nachher in der PK auf den Punkt: „Meine Erfahrung ist, dass Mannschaften, die vorne stehen, in irgendeiner Form das entscheidende Tor machen, während umgekehrt Mannschaften, die hinten stehen, dann halt noch so ein `Dreckstor´ bekommen.“

Nachholspiel am 9. April 2019: Viktoria Aschaffenburg gegen Bayern München II (© Moritz Hahn)

Am Anfang sah es allerdings nicht so aus, als würde Bayern das Glück des Spitzenreiters überhaupt benötigen, denn die Roten gingen programmgemäß mit 1:0 in Führung. Bereits in der 3. Spielminute knallte Mai einen auf dem nassen Rasen tückisch aufsetzenden Eckball in die Maschen. Die Viktoria, an frühe Rückstände nun wahrlich schon gewohnt, ließ sich dadurch keinesfalls irritieren. Indem man die Räume eng machte, konnte man in der Folge den Spielfluss des Favoriten empfindlich stören und nach und nach die Partie völlig ausgeglichen gestalten. In der 22. Spielminute – die Bayern hatten bis dahin keine Torchance mehr – bekam die Viktoria einen Freistoß 20 Meter vor dem Tor zugesprochen, doch FCB-Keeper Hoffmann lenkte den auf das rechte Eck gezirkelten Ball von Björn Schnitzer über die Latte. In der 31. Minute sollte sich der enorme kämpferische Aufwand der Weiß-Blauen schließlich auszahlen.

31. Spielminute: Jubel bei der Viktoria. Roberto Desch hat den 1:1-Ausgleich erzielt (© Moritz Hahn)

Nach einer Ecke von rechts von Clay Verkaj nahm der stark spielende Roberto Desch den zu kurz abgewehrten Ball direkt und traf von der Strafraumgrenze flach ins rechte Eck. Für die erneute Führung der Bayern musste eine Standardsituation unmittelbar vor dem Pausenpfiff herhalten. Nach einer Ecke von rechts brachte Kapitän Nikolas Feldhahn sein Gardemaß zur Geltung und nickte zum 2:1 ein.

45. Spielminute: Nicolas Feldhahn erzielt die erneute Bayern-Führung (© Moritz Hahn)

Luca Dähn Akteur in drei Schlüsselszenen

Es blieb auch in der zweiten Hälfte ein intensives Spiel. Die Viktoria-Defensive arbeitete weiterhin hoch konzentriert und vorne half erneut ein Eckball. Dieser wurde zwar abgewehrt, doch im zweiten Versuch fand Clay Verkaj Kevin Wittke, dessen Verlängerung Hoffmann noch parieren konnte, allerdings direkt vor die Füße von Luca Dähn, der aus kurzer Distanz zum 2:2-Ausgleich eindrückte (65.). Als sich dann Gästespieler Zirkzee wenige Minuten später wegen einer Tätlichkeit gegen den ihn haltenden Hamza Boutakhrit vom gut leitenden Schiedsrichter Dietz den roten Karton abholte, witterten nicht wenige im Stadion schon eine kleine Sensation. Aber gerade jetzt zeigte sich die Klasse der Gäste, die dieses Handicap nicht nur mühelos wegsteckten, sondern gegen die infolge ihres laufintensiven Spiels kräftemäßig stark abbauende Viktoria jetzt deutlich dominierten. So scheiterte in der 72. Spielminute der schön freigespielte Wriedt zunächst an Keeper Birk, den Nachschuss von Nollenberger klärte Luca Dähn mit langem Bein vor der Linie. Nachdem Birk auch in der 80. Minute gegen den eingewechselten Rochelt noch einmal zupacken musste, schien es, als könne sich die Viktoria für ihre engagierte Leistung mit einem hoch verdienten Zähler belohnen. Dass man sich letztlich nur in die Herzen der Fans zurück spielte und ansonsten leer ausging, hatte Bayerns Topstürmer Kwasi Okyre Wriedt zu verantworten, der mit seinem Siegtreffer in der dritten Minute der Nachspielzeit seinen Trainer zu obigem Zitat inspirierte (nicht zu verwechseln mit dem sprichwörtlichen „Bayern-Dusel“ übrigens). Zum Hergang noch: Wriedt setzte den tödlichen Stich unten rechts, nachdem er mittels eines langen Balles aus dem Mittelfeld angespielt wurde und trotz hautenger Bewachung im Strafraum durch Luca Dähn einen Schuss absetzen konnte.

68. Spielminute. Die Bayern nach roter Karte in Unterzahl. (© Moritz Hahn)

„Man kann nur den Hut vor der Mannschaft ziehen, wie sie auf die vielen Nackenschläge der letzten Zeit reagiert hat. Viele sind sicher ins Stadion gekommen und haben gedacht, es ginge heute nur um die Höhe des Ergebnisses. So hat sich die Mannschaft nicht präsentiert. Sie hat heute in einem sehr guten Regionalliga-Spiel alles in die Waagschale geworfen. Wir wollten die Bayern ärgern und das ist uns gelungen“, lobte Jochen Seitz sein wegen des späten Knockouts verständlicherweise konsterniertes Team. Erste Seelenmassage hat der Coach schon in der Kabine betrieben: „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie sich mit so einer Leistung am Samstag in Illertissen nicht zu verstecken braucht.“

26. Spieltag, 9. April 2019, um 18:00 Uhr in Aschaffenburg (Stadion am Schönbusch // Kleine Schönbuschallee, 63741 Aschaffenburg)

Viktoria Aschaffenburg – FC Bayern München II 2:3 (1:2)

Aschaffenburg: Kevin Birk – Daniel Cheron, Luca Dähn, Simon Schmidt, Hamza Boutakhrit – Kevin Wittke, Roberto Desch, Clay Verkaj (88. Max Grünewald), Björn Schnitzer (90.+1Lucas Oppermann), Jonas Fritsch – Pasqual Verkamp (74. Philipp Beinenz) (Trainer: Jochen Seitz) München: Ron Thorben Hoffmann – Mert Yilmaz (75. Resul Türkkalesi), Nicolas Feldhahn, Kwasi Okyere Wriedt, Lars Lukas Mai, Meritan Shabani (90. Maximilian Franzke), Maxime Aglago Awoudja, Maximilian Welzmüller, Alexander Nollenberger (75. Jannik Rochelt), Derrick Köhn, Joshua Orobosa Zirkzee (Trainer: Holger Seitz) Tore: 0:1 Lars Lukas Mai (3.), 1:1 Roberto Desch (31., Clay Verkaj), 1:2 Nicolas Feldhahn (45.), 2:2 Luca Dähn (65., Kevin Wittke), 2:3 Kwasi Okyere Wriedt (90.+3) Besondere Vorkommnisse: Joshua Orobosa Zirkzee (68., rote Karte) Gelbe Karten: Pasqual Verkamp (17.), Roberto Desch (63.), Hamza Boutakhrit (68.) / Maximilian Welzmüller (35.), Mert Yilmaz (36.), Lars Lukas Mai (62.), Kwasi Okyere Wriedt (90.+3) Schiedsrichter: Christian Dietz – Jonathan Bähr, André Denzlein Zuschauer: 3.061 (Stadion am Schönbusch)

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