Diagnose „Erfolg“: Das Serienfieber steigt und steigt…

Auch ältere Fans dürften sich kaum erinnern, wann die Körpertemperatur beim SVA das letzte Mal so hoch war

Acht Siege in Folge – in welcher Liga auch immer – dürfen schon einen gewissen Seltenheitswert für sich in Anspruch nehmen. Sagen wir mal, um eine feste Größe zu nennen, sie sind mindestens so rar, wie wenn man das 90. Lebensjahr vollendet hat und der Bürgermeister kommt zum Gratulieren vorbei, den unvermeidlichen Bocksbeutel im Schlepptau. Grund genug, dem Phänomen Serie aus Viktoria-Sicht einmal auf den Zahn zu fühlen.

8 Siege in Folge und ungeschlagen seit Oktober 2014 - der Viktoria-Express rollt in Richtung Aufstieg

8 Siege in Folge und ungeschlagen seit Oktober 2014 – der Viktoria-Express rollt in Richtung Aufstieg

In der Regionalliga Bayern zum Beispiel gab es auch manche Serie, aber bedauerlicherweise von der Sorte, die man nicht geschenkt haben möchte. Diese schwarzen Serien fallen bekanntlich gerne der raschen Vergessenheit anheim, während große sportliche Erfolge einen ganz besonderen Pakt mit dem menschlichen Erinnerungsvermögen haben.

Eine positive sportliche Serie wie die aktuelle wird dennoch keiner aus dem Stegreif aufsagen können, auch wir haben umfangreiche Recherchen tätigen müssen, um Pendants in der sportlichen Vergangenheit aufzuspüren. Vorneweg: Zurückgehend bis in die Spielzeit 1984/85 konnte die Statistik keine derartige Serie der Viktoria ausweisen. Legt man die Maßstäbe nicht ganz so streng an, wird man allerdings fündig: Siebenmal in Serie als Sieger vom Platz gingen die Weiß-Blauen zuletzt in der Saison 2010/2011 in der Verbandsliga Hessen Süd, zudem noch in den Spielzeiten 2006/2007 und  (mit Bart) 1987/1988 in der Oberliga Hessen.

Ungeschlagen ist die Komljenovic-Elf allerdings noch eine ganze Strecke länger, nämlich seit dem 25. Oktober vergangenen Jahres in 13 Spielen. Den besten Lauf hatte ein Viktoria-Team in der Landesliga-Saison 2003/2004, als man mit Coach Nenad Salov in 18 Spielen ohne Niederlage blieb. Sollte – wovon insgeheim jeder träumt – die Siegesserie der Viktoria in den verbleibenden vier Spielen bis zum Saisonende nicht reißen, dann hätte man nicht nur die Meisterschaft errungen, sondern auch mit dann 12 Siegen einen Rekord „für die Ewigkeit“ aufgestellt.

Selbstredend besteht der Sport wie das Leben nicht nur aus Erfolgen und bezieht seine größten Impulse aus dem Spannungsfeld von Sieg und Niederlage. Wenn der Erfolg zur Normalität wird (Stichwort: Serie), so ist manch Überflieger unbewusst versucht, im Sinne der Spannung wieder zu einer Balance zu finden. Dies mag erklären, warum auch große Teams nach großen Strecken auf der eingefahrenen Erfolgsautobahn unwillkürlich auf die Nebenstrecke einer „nicht  einkalkulierten“ Niederlage abbiegen und damit die Weisheit, nach der jede Serie einmal reißt, bestätigen.

Nichtsdestotrotz ist der Viktoria in der aktuellen Lage nur zu wünschen, dass sie vier weitere Spieltage dem Spannungsabfall die Stirn bietet und weiter ihrer lieb gewordenen Gewohnheit „Siegen“ frönt. Mit neuen Impulsen wird sich der SVA dann in der weit weniger serienaffinen Regionalliga Bayern noch früh genug konfrontiert sehen.

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