Den alten Auswärtskampfgeist wiederbelebt

Beim 3:3 im Ingolstadter ESV-Stadion ging die Viktoria durch ein Wechselbad der Gefühle / Elfmeterkiller Kevin Birk hielt den Punkt fest

Dreimal in Folge hatte die Viktoria zuletzt auswärts verloren, die in der ersten Halbserie gezeigte Stärke auf fremden Plätzen schien abhanden gekommen zu sein. Beim 3:3 in Ingolstadt hat man mal wieder an alte Zeiten angeknüpft. An das damalige Erfolgsmodell hat man sich auch im Gastspiel bei den Schanzern strikt gehalten: früher Rückstand als Initialzündung, um sich mit zunehmender Spieldauer in die Partie zurück zu kämpfen.

„Ein langer Einwurf, wir bekommen den Ball nicht aus dem Sechzehner, Philipp Beinenz will ihn wegschlagen und trifft einen Ingolstadter“, beschreibt Jochen Seitz die Szene, die dem Deja-vu-Erlebnis des frühen Rückstands vorausging. Den besorgte Marvin Matip, der den fälligen Foulelfmeter souverän verwandelte. Das fußballerisch bessere Team stellten die Weiß-Blauen, die das Spiel machten, während die Gastgeber vornehmlich mit langen Bällen operierten. Nach einem eben solchen behinderten sich in der 32. Minute zwei Viktoria-Spieler gegenseitig, wovon Michael Senger profitierte, der frei vor Keeper Kevin Birk diesem keine Chance ließ. Die Viktoria zeigte sich durch das 0:2 nur kurz irritiert, fing sich wieder und drückte in den letzten Minuten des ersten Durchgangs vehement auf den Anschlusstreffer. Bereits in der Nachspielzeit besorgte dann Luca Dähn, als er nach einer Ecke von Clay Verkaj das Gewühl im Strafraum nutzte und aus kurzer Distanz einschob. „Der Anschlusstreffer zum strategisch wichtigen Zeitpunkt kurz vor der Pause hat uns Auftrieb gegeben“, konstatierte denn auch Jochen Seitz.

Michél Harrer leitete in Ingolstadt die Aufholjagd ein (Archiv, © Moritz Hahn)

Michél Harrer auf den Spuren von Klaus Fischer

Mitten in eine gute Phase der Viktoria nach der Halbzeit platzte das 3:1 der Schanzer, als aus einer Kontersituation heraus ein langer Ball über die Abwehr gespielt wurde und der eingewechselte Kosuch wiederum in einer Eins-gegen-eins-Situation gegen Kevin Birk die Oberhand behielt. „Das haben wir schlecht verteidigt“, ärgerte sich Jochen Seitz, der in der Folge noch mit der Einwechslung von Michél Harrer auf komplette Offensive umstellte. Michél Harrer erinnerte sich wohl an sein Tor des Monats aus dem Jahre 2015 im Trikot des VfR Neumünster und dachte, es wäre mal wieder an der Zeit, einen rauszuhauen. Nach Vorarbeit von Jonas Fritsch brachte er mit einem schönen Fallrückzieher vor leider nur 200 Augenzeugen im ESV-Stadion (aber wofür gibt es BFV.tv) die Viktoria wieder auf 2:3 heran (66.). Die Weiß-Blauen drückten nun auf den Ausgleich, der nicht lange auf sich warten ließ. Diesmal war es Pasqual Verkamp, der in der 71. Spielminute auf Vorarbeit von Michél Harrer einen schönen Spielzug der Weiß-Blauen mit dem 3:3-Ausgleich krönte. Das war der Auftakt zu einem Finale furioso mit Chancen hüben wie drüben, denn es schwante wohl beiden Teams, dass ein Punkt im Abstiegskampf zwar besser als nichts, aber keinesfalls das Gelbe vom Ei ist. Obwohl das Team von Jochen Seitz in der Schlussphase am Drücker war, hätte es an diesem Tag sogar noch gänzlich leer ausgehen können. In der 80. Minute zeigte Schiri Elias Wörz nach einem Zweikampf zwischen Daniel Cheron und dem Ingolstadter Weiß zum Entsetzen des Viktoria-Anhangs – Jochen Seitz: „ein Witz“ – zum zweiten Mal auf den Punkt. Diesen „Anschlag auf das Leben“ vereitelte glücklicherweise Keeper Kevin Birk, der den erneut zum Strafstoß angetretenen Ex-Profi Marvin Matip per sehenswerter Fußabwehr abblitzen ließ.

Jochen Seitz: „Eigentlich sollten drei Tore reichen…“

„Wir wollten heute Fußball spielen, während Ingolstadt vornehmlich gegen den Ball spielte. Wenn wir die entscheidenden Situationen besser verteidigt hätten, hätten wir heute auch als Sieger vom Platz gehen können. Aber im Endeffekt würde ich das Ergebnis als gerecht bezeichnen“, bilanzierte Jochen Seitz. In sein Lob der an diesem Tag effizienten Offensive mit dem erneut „belebenden Element“ Michél Harrer mischte sich freilich auch ein kleiner Wermutstropfen: „Eigentlich sollten drei Tore auswärts ja reichen, aber aufgrund individueller Fehler war das diesmal leider nicht der Fall.“

Harte Arbeit, karger Lohn: Trotz des erkämpften Punktgewinns ist der Vorsprung der Viktoria auf die Abstiegszone auf drei Punkte zusammengeschmolzen, da an diesem Spieltag gleich vier abstiegsbedrohte Teams mit Auswärtssiegen (zum Teil bei Topteams) überraschten. Eigentlich ist in der Liga auf kein Team Verlass, am ehesten vielleicht noch auf den nächsten Gegner der Viktoria, Schlusslicht Pipinsried, das immerhin vier seiner letzten fünf Spiele verlor. Schalding-Heining sollte man zu dieser Angelegenheit freilich nicht befragen…

27. Spieltag, 30. März 2019, um 14:00 Uhr in Ingolstadt (BSA Ingolstadt Süd-Ost // Geisenfelder Str. 1, 85053 Ingolstadt)

FC Ingolstadt 04 II – Viktoria Aschaffenburg 2:1 (3:3)

Ingolstadt: Florian Rauh – Lukas Gerlspeck, Paul Grauschopf, Nico Ingo Rinderknecht (46. Marcel Kosuch), Thomas Keller, Marcus Pöllner, Serhat Imsak (68. Amar Suljic), Gabriel Weiß (82. Thomas Kurz), Michael Senger, Patrick Sussek, Marvin Matip (Trainer: Tobias Strobl) Aschaffenburg: Kevin Birk – Philipp Beinenz (46. Jonas Fritsch), Luca Dähn, Simon Schmidt, Hamza Boutakhrit, Ugurtan Kizilyar (46. Zaki Ech-Chad) – Daniel Cheron, Kevin Wittke (57. Michél Harrer), Clay Verkaj – Pasqual Verkamp (Trainer: Jochen Seitz) Tore: 1:0 Marvin Matip (10., FE), 2:0 Michael Senger (32.), 2:1 Luca Dähn (45.+1, Clay Verkaj), 3:1 Marcel Kosuch (53.), 3:2 Michél Harrer (66., Simon Schmidt), 3:3 Pasqual Verkamp (71., Michél Harrer) Besondere Vorkommnisse: Kevin Birk pariert Elfmeter von Marvin Matip (80.) Gelbe Karten: Gabriel Weiß (13.), Serhat Imsak (68.), Paul Grauschopf (73.), Lukas Gerlspeck (88.) / Kevin Wittke (29.), 59. Björn Schnitzer (59.), Zaki Ech-Chad (78.) Schiedsrichter: Elias Wörz – Florian Heilgemeir, Patrick Höpfler Zuschauer: 200 (BSA Ingolstadt Süd-Ost)

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