Hot! „Ein dreckiges 1:0 wäre ideal…“

Ein alter Hase, ein Viktoria-Küken und das Saison-Highlight gegen die Amateure des FC Bayern

Am 22. März gibt das Liga-Schwergewicht, die Amateure des FC Bayern München, im Stadion am Schönbusch seine Visitenkarte ab und wird ungeachtet der brisanten Tabellensituation der Hausherren den Ticketverkauf wieder in die Höhe schnellen lassen.

Wir haben das zum Anlass genommen, im Vorfeld der Partie einmal zwei Spieler zu Wort kommen zu lassen, deren SVA-Vita sich unterschiedlicher nicht lesen könnte: zum einen den 30-jährigen Viktoria-Kapitän Simon Schmidt, der am 4. August 2006 sein Debüt im Trikot der Weiß-Blauen gab und über alle Höhen und Tiefen der jüngeren Viktoria-Geschichte aus erster Hand zu berichten weiß, zum anderen den 27-jährigen Salvatore Bari, der als in der Winterpause getätigter Last-minute-Transfer mit seinen Toren die Viktoria aus dem Tabellenkeller schießen soll. Eine Interview-„Versuchsanordnung“ zweifellos, die dazu angetan ist, den (nicht nur) um das Thema „Bayern-Gastspiel“ kreisenden Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu begegnen.

 

Vor einer großen Kulisse zu spielen, das ist sowohl in der Regionalliga Bayern als auch in Oberliga Hessen (Anm. Bari kam vom 1. FC Eschborn) eher die Ausnahme denn die Regel. Was überwiegt bei Euch: die Vorfreude oder das Lampenfieber?
Simon: Bei mir eindeutig die Vorfreude. Wenn was los ist im Stadion, herrscht gleich eine ganz andere Atmosphäre. Letztes Jahr war gegen die Bayern auch die Hölle los (Anm. 4.030 Zuschauer). Insofern ganz wichtig, dass wir da ein gescheites Spiel abliefern.
Salvatore: Die Vorfreude, gegen so eine Mannschaft spielen zu dürfen, ganz klar. Es wird schwer für uns, aber wir werden auf jeden Fall unser Bestes geben.

Respekt vor dem großen Namen oder geht Ihr mit der Aufmüpfigkeit eines Underdogs in die Partie?
Simon: Ich habe ja jetzt schon dreimal gegen diese Mannschaft gespielt und von daher muss ich gestehen: Ich habe großen Respekt. Die sind richtig gut, haben eine eingespielte Mannschaft und sind gespickt mit Junioren-Nationalspielern.
Salvatore: Auch ohne gegen sie schon gespielt zu haben, bin ich von deren Klasse überzeugt. Für uns muss gelten: Mehr als verlieren können wir nicht, einfach frei aufspielen und dann sehen, was dabei herauskommt.

Simon, eine Frage an Dich als erfahrenen Spieler, der die gesamte Regionalliga-Bayern-Historie des SVA hautnah miterlebt hat: Wie erklärst Du Dir, dass der SVA in den direkten Vergleichen mit diesem Gegner von allen Teams der Liga mit am schlechtesten ausgesehen hat? Inwiefern beeinflusst das auch Eure mentale Vorbereitung und welche Lehren habt Ihr aus der Vergangenheit gezogen?
Ich denke, dass wir keine Mannschaft sind, die gut mauern kann. Wenn wir uns hinten rein stellten und versuchten, Tore zu vermeiden, war das selten von Erfolg gekrönt. Wir sind bekanntlich eine junge Mannschaft und haben in der Vergangenheit immer versucht, nach vorne zu spielen. Das öffnet den Gegnern Räume, ein Team der Klasse des FC Bayern weiß diese effizient zu nutzen und kontert uns eiskalt aus – so wie letztes Jahr, als wir zu Hause phasenweise versuchten, das Spiel zu machen. Daraus lässt sich ableiten, dass Ligakonkurrenten, die sich gegen den hohen Favoriten von vornherein auf Zerstörung des gegnerischen Spiels beschränkten, bei diesem „Kontakt mit den Galaktischen“ glimpflicher davonkamen oder in Ausnahmefällen sogar einen glücklichen  Sieg davontrugen.

Salvatore Bari erzielte 3 Tore in 2 Spielen

Salvatore Bari erzielte 3 Tore in 2 Spielen

Salvatore, Du genießt ja noch den Newcomer-Status. Zweigeteilte Frage: Wie erlebst Du Deinen neuen Arbeitsplatz (Mitspieler, Trainer, Verein, Stadion, Umfeld) und erzeugt ein Regionalliga-Tor (da für gewöhnlich seltener) größere Glücksgefühle als ein Treffer in der Oberliga?
Ich fühle mich hier sehr wohl und bin im Verein gut angenommen worden. Das gilt auch auf dem Spielfeld, soweit ich das jetzt bei erst einem absolvierten Pflichtspiel beurteilen kann. Zur zweiten Frage: Das Tor gegen Hof war ja nicht mein erstes Regionalliga-Tor, ich kenne dieses Gefühl schon bestens von früheren Stationen meiner Spielerkarriere her, als ich für den VfL Bochum II in der Regionalliga West und zuletzt für den 1. FC Eschborn in der Regionalliga Südwest auf Torejagd ging. Ich freue mich über jedes Tor, umso mehr, wenn ich damit der Mannschaft im Abstiegskampf helfen kann.

Nach der 1:2-Heimniederlage im richtungsweisenden Spiel gegen die SpVgg. Bayern Hof wurde mancherorts schon das Wort „Abstieg in die Bayernliga Nord“ im Mund geführt. Welche Reaktion löst das bei Euch aus: Gefühl der Befreiung vom Erwartungsdruck verbunden mit einer Trotzreaktion oder doch eher ein resignatives „Die Saison anständig zu Ende spielen“?
Simon: Die Niederlage gegen Hof war zweifellos eine bittere Pille, da wir uns für dieses Spiel viel vorgenommen hatten. Es soll keine Ausrede sein, aber wenn unserer jungen Mannschaft in einem wichtigen Spiel mit Giulio Fiordellisi, Daniel Cheron, Denis Talijan (Gelbsperre) und Marcus Schmitt (nach 20 Minuten verletzt vom Feld) gleich vier Routiniers fehlen, dann tut das schon richtig weh. Natürlich ist es kein Wunder, dass wir mit dem Abstieg in Verbindung gebracht werden, bei mittlerweile acht Punkten Rückstand. Dennoch: Dass wir den Kopf hängen lassen, würde ich mal grundsätzlich verneinen. Auf der anderen Seite: Vollkommen befreit aufspielen kann man eigentlich nur, wenn einen nichts mehr interessiert. Das ist bei uns nicht der Fall: Wir sehen die Chance noch und solange dies der Fall ist, bereiten wir uns konzentriert auf jedes Spiel vor, versuchen Punkte zu holen und ziehen erst zum Schluss Bilanz.
Salvatore: Ich stimme Simon in der Beurteilung des Spieles gegen Hof zu. Gleichwohl müssen wir jetzt von Spiel zu Spiel denken (Anm. Kommentar des anwesenden Giulio Fiordellisi: „Drei Euro ins Phrasenschwein“). Es wird schwer, aber das Team wird alles daran setzen, den drohenden Abstieg noch zu verhindern. Ich bin sicher, kein Spieler möchte absteigen, von mir kann ich das mit Gewissheit sagen. Die Mannschaft muss den Kampf jetzt annehmen.

Jetzt mal unabhängig von Sieg und Niederlage: Welche Verhaltensweisen machen für Euch grundsätzlich den idealen Fan aus und was möchtet Ihr ihnen diesbezüglich auf den Weg geben?
Salvatore: Auch die Fans machen momentan eine schwere Phase durch. Sie kommen mit der Hoffnung ins Stadion, Siege zu sehen und zu guter Letzt mit uns den Klassenerhalt feiern zu können. Wenn wir dann – wie im Spiel gegen Hof geschehen – uns viel zu früh in unser Schicksal fügen, dann kann ich ihren Unmut schon nachvollziehen.
Simon: (lacht) Muss ich auch was sagen, gell? Also formulieren wir es so: Ich kann schon verstehen, dass der Unmut zuweilen groß ist, nur bei „uns“ (Anm. in Aschaffenburg) ist meiner Meinung nach der Unmut sehr schnell sehr groß. Das ist der Sache auf dem Rasen wenig dienlich, denn wir geben alle unser Bestes, niemand spielt absichtlich schlecht. Gerade die jüngeren Spieler können negatives Feedback von den Rängen noch nicht so gut ausblenden und reagieren entsprechend verunsichert. Ich bin aber generell der Meinung, dass Beschimpfungen keinen Spieler kaltlassen. Ich weiß nicht, wie Ihr das wahrnehmt als Zuschauer, aber mein Eindruck ist: Die Stimmung kippt schnell. Aschaffenburg wandelt da auf einem schmalen Grad. Die organisierte Fanszene würde ich davon allerdings ausdrücklich ausnehmen.

Ihr dürft Eurer Phantasie freien Lauf lassen, niemand wird Euch darauf festnageln: der optimale Spielverlauf gegen die Bayern, wie sähe der für Euch aus?
Beide unisono: Ein ganz dreckiges 1:0! Wir versuchen hinten dichtzuhalten, solange es geht, und vorne stolpern wir einen rein… Fußball ist zu 50% Kopfsache, insofern wir uns in Schweinfurt optimal auf dieses Spiel vorbereitet.

 

Herzlichen Dank, Simon und Salvatore, wir wünschen Euch und Eurem Team einen schmutzstarrenden Sieg gegen die Bayern und dann im Sinne des Klassenerhaltes eine möglichst blütenweiße Weste in den restlichen Partien der Saison.

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