Am Endspurt werdet ihr sie erkennen…

Lage der Liga: Will der SVA nicht durch das Fegefeuer der Relegation, muss Kontrahent FC Amberg auf Distanz gehalten werden

Bei noch ausstehenden sechs Spieltagen in der Saison 2014/15 der Bayernliga Nord mag es etwas voreilig erscheinen, schon so etwas wie ein Resümee zu ziehen, allerdings dürften nach aktuellem Stand nur noch geringe Zweifel bestehen, dass der SVA nach dem letzten Spieltag einen der zwei begehrten Plätze belegen wird, die unmittelbar oder mittelbar mit dem Aufstieg in die uns wohlbekannte Regionalliga Bayern in Verbindung zu bringen sind.

Viktoria Aschaffenburg will zurück in die Regionalliga Bayern

Die Viktoria will zurück in die Regionalliga Bayern

Dass hätten nach dem frischen Abstieg in der Vorsaison sich selbst die kühnsten Optimisten nicht erträumt, und schon gar nicht war es en vogue, dergleichen Verstiegenheiten öffentlich kundzutun. Das Augenmerk war darauf gerichtet, sich schnellstmöglich in der neuen Liga zu akklimatisieren, eine Mission, die man mit dem Erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes vollauf erfüllt sah. Nach mäßigem Start zeichnete es sich ab dem fünften Spieltag ab, dass weitaus mehr drin sein könnte für das Team von Slobodan Komljenovic. Seither war es festes Mitglied des Spitzenquartetts und bewegte sich die überwiegende Zeit im Windschatten der Langzeit-Tabellenführer SpVgg. SV Weiden (acht Spieltage), vor allem aber Jahn Forchheim (vom Saisonbeginn weg 15 Spieltage ununterbrochen an der Spitze). Die Viktoria befand sich vergleichsweise extrem bescheidene vier Spieltage am Platz an der Sonne, dies aber zum entscheidenden Zeitpunkt in der Schlussphase der Meisterschaft. Der genannten Konkurrenz ging in eben jener Phase die Luft aus, wie die mittlerweile fünf Punkte Rückstand (bei einem Spiel mehr) von Weiden bzw. sieben Punkte von Jahn Forchheim auf den SVA eindrucksvoll dokumentieren. Da auch der TSV Großbardorf seine hauptsächlich auf dem Spielerückstand beruhenden Vorschusslorbeeren letztlich nicht einheimsen konnte, ist der einzig verbliebene Rivale um die Meisterschaftskrone und den damit verbundenen Direktaufstieg der FC Amberg, der schon seit längerem die Viertklassigkeit anstrebt und dieses Projekt von langer Hand vorbereitet hat. Die zwei Punkte Vorsprung auf den ambitionierten Rivalen am letzten Spieltag über die Ziellinie zu bringen, ist noch einmal eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die auf Slobodan Komljenovic und seine Mannen wartet. Das Polster ist insofern hauchdünn, als die Weiß-Blauen in sieben ausstehenden Spielen noch viermal auswärts antreten müssen. In Weiden, Forchheim und nicht zuletzt zum Saisonausklang im Prestigederby bei der Alemannia aus Haibach warten äußerst knifflige Aufgaben, hinzu kommt die Nachholpartie beim VfL Frohnlach. Zu Hause hat man die dicksten Bretter schon gesägt und dürfte in den ausstehenden drei Heimspielen gegen relative Leichtgewichte eigentlich keine Probleme bekommen. Kontrahent FC Amberg hat seine schwerste Aufgabe gleich an diesem Spieltag im Oberpfälzer Derby beim drittplatzierten Jahn aus Regensburg zu bewältigen, das Restprogramm von sechs Spielen liest sich mit Ausnahme der Nachholpartie in Großbardorf auf dem Papier vergleichsweise leicht.

Nicht der Königsweg: Nadelöhr Relegation

Eines versteht sich von selbst: Wenn man die Saison auf dem zweiten Tabellenplatz abschließt, ist damit der Anspruch auf einen Startplatz in der Regionalliga zwar noch nicht verwirkt, doch muss man zuvor durch das Fegefeuer der Relegation gehen. Wer die Spielstärke der Regionalliga kennt (tun wir das nicht alle?), wird bestätigen, dass es sehr heiß wird… Zur Abschreckung vorneweg schon mal ein Blick auf die potentiellen „Kandidaten“. In der Regionalliga Bayern steigen die beiden Letzten direkt ab, die zwei davor platzierten Teams müssen in die Relegation. Dies sind aktuell namentlich der SV Seligenporten als Schlusslicht, der SV Heimstetten (17.), der letztjährige Bayernliga-Süd-Aufsteiger VfR Garching (16.) und der FC Eintracht Bamberg (15.). Da die akute Abstiegszone sich äußerst komprimiert darstellt – Seligenporten und Bamberg trennen lediglich drei Punkte –, ist noch gar nichts entschieden und es kann innerhalb dieses Blocks noch jederzeit zu „Umbesetzungen“ kommen. Der erste designierte Nichtabsteiger, der 1. FC Schweinfurt 05 auf Platz 14, hat allerdings schon komfortable sechs Punkte Vorsprung auf die akute Abstiegszone. Wie es auch sei: Für den SVA bleibt im Falle einer Relegation festzuhalten: Mit Ausnahme des VfR Garching kennt er alle aus jüngerer Zeit und hat dabei so manche Lehrstunde erteilt bekommen. Es wird daher, so nicht unmöglich, doch extrem schwer werden, nach einer anstrengenden Runde auf den Punkt Topleistungen abzurufen und  sich gegen zwei bis in die Haarspitzen motivierte Regionalligisten und den Zweitplatzierten der Bayernliga-Süd-Staffel den einzigen freien Platz in der Regionalliga zu sichern. Spielmodus: Jeweils einem Regionalligist wird ein Bayernligist zugelost, die Sieger spielen dann den Aufstieg aus. Als Bayernliga-Süd-Vertreter kommen nach dem Verzicht des SV Pullach nach Lage der Dinge entweder der gleichfalls regionalligaerfahrene TSV Rain am Lech oder der FC Pipinsried in Frage.

Lehrbeispiel geglückter Integration: SpVgg. Bayreuth

Der weitaus elegantere Weg – da dürften sich wohl alle einig sein – ist ohnehin der Direktaufstieg ohne Umwege,  wie es uns die Altstädter der SpVgg. Bayreuth in der letzten Saison vorgemacht haben. Diese hatten – wie vielleicht manch einem Insider erinnerlich ist – in der Saison 2013/14 die Bayernliga Nord nahezu nach Belieben dominiert und mit 16 Punkten Vorsprung in FC-Bayern-Manier die Meisterschaft und den Aufstieg schon frühzeitig klargemacht. Die Konkurrenz in der Regionalliga zeigte sich von dem fünftklassigen Husarenstück freilich wenig beeindruckt und reichte in der neuen Saison den kecken Aufsteiger zunächst einmal nach hinten durch. Sechs Spieltage zierten die Schwarz-Gelben in der Anfangsphase sogar das Tabellenende und noch am 17. Spieltag befanden sie sich letztmalig auf einem Relegationsplatz, ehe sie dann ein Leistungsaufschwung auf Platz acht ins gesicherte Mittelfeld führte und dafür sorgte, dass die Wagnerstädter mittlerweile aller Abstiegssorgen ledig sind. Ein Lehrstück, wie man sich als Aufsteiger auch in einer feindlichen Lebenswelt wie der Regionalliga etablieren kann, vorausgesetzt solch unabdingbare Tugenden wie Krisenfestigkeit, Frust-Resistenz und Beharrlichkeit sind vorhanden.

Besserer Fußball heißt weniger jubeln

Auch die Viktoria samt ihrer Anhängerschaft wird sich im Aufstiegsfalle mit der Tatsache anfreunden müssen, dass in der neuen Liga die Zeit der Kantersiege und der Leichtigkeit des Seins vorbei sein wird. Mit der zunehmenden Schwierigkeit der Aufgaben werden die Erfolgserlebnisse naturgemäß rarer. Auf der anderen Seite wäre der SVA wieder dort angekommen, wo er – nicht nur nach eigenem Dafürhalten – sportlich und auch von seiner Historie her mindestens hingehört. Dass am Schönbusch wieder Regionalliga-Fußball geboten wird, sollten die Fans mit ihrem Stadionbesuch unbedingt honorieren, auch, besser gerade wenn die Eingewöhnungsphase aller Voraussicht nach nicht ohne Rückschläge ablaufen wird. Ein Zuschauerschnitt von gut 1.200, wie ihn derzeit die SpVgg. als Aufsteiger in der Regionalliga Bayern aufzuweisen hat, sollte doch auch am Schönbusch nicht illusorisch sein.

„Ungebrochene Attraktivität“

Trotz des faktisch noch nicht vollzogenen Aufstiegs darf schon jetzt darauf hingewiesen werden, dass sich Bayerns Amateur-Eliteliga in der nächsten Saison und damit im vierten Jahr ihres Bestehens so attraktiv wie noch nie präsentieren wird, unabhängig davon, ob Lokalrivale Würzburger Kickers sein Projekt 3×3 (in drei Jahren in die dritte Liga) schon im ersten Jahr mit dem Aufstieg zur Produktreife führen wird. Die „Chancen“ stehen gut, dass mit Wacker Burghausen (letztjähriger Absteiger) und den stark abstiegsgefährdeten Drittligisten SpVgg. Unterhaching und Jahn Regensburg gleich drei klangvolle Namen aus dem Profibereich im Teilnehmerfeld der Regionalliga Bayern vertreten sein werden. Die aus der Bayernliga bekannte eigenwillige Interpretation des Begriffs „ Derby“ durch das Messen mit Vorort-Vereinen bei Anlegen eines Bezirksliga-Radius von unter 25 Kilometern wäre freilich Geschichte. Spiele gegen den 1. FC Schweinfurt 05, die SpVgg. Bayreuth und (evtl.) den FC Eintracht Bamberg sowie Kickers Würzburg können sich dagegen wieder guten Gewissens als „Derbys“ bezeichnen lassen. Hinzu kommen die spielerisch starken Zweitvertretungen der Proficlubs, allen voran natürlich das Zugpferd FC Bayern München. Kein Wunder also, dass neben den beiden Drittligisten SpVgg. Unterhaching und Jahn Regensburg (prophylaktisch für den Fall eines Abstiegs) auch sieben Bayernliga-Mannschaften die Lizenz für die Regionalliga Bayern beantragt haben: aus der Nordstaffel der FC Amberg, die SpVgg. SV Weiden, der TSV Großbardorf, die SpVgg. Bayern Hof und unsere Viktoria, aus dem Süden der TSV Rain am Lech und der klangvolle FC Pipinsried. Der souveräne Tabellenführer aus der Südstaffel, der SV Pullach, hätte gerne, musste aber aus logistischen Gründen passen. In diesem Zusammenhang ein Zitat des Verbands-Spielleiters Josef Janker, der sich im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens zur Regionalliga Bayern wie folgt äußerte: „Dass sich wieder nahezu alle Bayernligisten mit Aufstiegschancen für die Regionalliga Bayern beworben haben, zeigt die ungebrochene Attraktivität der Liga. … Welche Vereine in der Saison 2015/16 auch an den Start gehen: Die Fußballfans können sich wieder auf eine Spielklasse freuen, die das Prädikat Amateurspitzenliga absolut verdient hat.“ Ein Blick auf das vorläufige Teilnehmerfeld korrespondiert durchaus mit dieser Einschätzung.

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