Erlenbach „attraktiver“ als die kleinen Bayern…

Statistisches Zahlenmaterial zur Hinrunde der Bayernliga Nord birgt so manche Überraschung

Am vergangenen Wochenende fand die Hinrunde der Bayernliga Nord mit dem 17. Spieltag ihren Abschluss. Da lohnt allemal eine kleine Zwischenbilanz, um herauszustellen, wie die Viktoria nach ihrem letztjährigen Abstieg aus der Regionalliga Bayern die neue Spielklasse angenommen hat. Ein Vergleich mit der Situation vor einem Jahr bietet sich da auch an, denn wer sagt denn, dass bei dem berüchtigten Äpfel-und-Birnen-Vergleich nicht etwas Substantielles herauskommen soll?

Werfen wir also zunächst einmal einen Blick auf die sportliche Situation, die sich einerseits am klarsten darstellt, andererseits in der Wahrnehmung von Verantwortlichen wie Fans am präsentesten ist. Ein zweiter Platz mit lediglich zwei Punkten Rückstand (bei einem Spiel weniger) auf Spitzenreiter SpVgg. SV Weiden darf schon als Plädoyer für die neue sportliche Heimat gelesen werden, setzt er doch bei den Fans endlich wieder die Endorphine frei, über die sich während der zwei Regionalliga-Jahre am Abgrund allenfalls die nicht Schwindelfreien „freuen“ durften. Verständlich, dass da manch Erfolgssüchtiger – und deren gibt es gerade in Aschaffenburg viele – aus diesem schönen Traum gar nicht mehr aufwachen möchte und die mögliche Konsequenz aus diesem sportlichen Höhenflug – das an sich doch so schöne Wort „Aufstieg“ – scheut wie der Teufel das Weihwasser.

Zu sehr haften noch die Schreckensszenarien aus der vergangenen Spielzeit in Erinnerung, als die Weiß-Blauen in der gleichen Saisonphase – zum Ende der Hinrunde – in der Regionalliga Bayern mit 14 Punkten aus 18 Partien auf dem vorletzten Tabellenplatz dümpelten. Zwar konnte man sich damals bei lediglich vier Punkten Rückstand auf den rettenden 14. Tabellenplatz noch reelle Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen, die jedoch durch eine desolate Rückrunde zunichte gemacht wurde, nach deren Beendigung man einen satten Abstand von 18 Punkten auf den ersten Nichtabstiegsplatz aufwies. Wie man die Klatschen in der Bayernliga heute verteilt (5:0 in Ansbach, 5:0 gegen Haibach, 7:0 in Ammerthal), so musste man sie seinerzeit in der Regionalliga einstecken (0:7 in Fürth, 0:6 bei den kleinen Bayern, 0:5 bei den Junglöwen). Zwischen einer Tordifferenz von – 20 (Regionalliga) und +28 (aktuell Bayernliga Nord) liegen Welten, freilich auch – das soll nicht verschwiegen werden – zwischen der Spielstärke der Gegner in beiden Ligen.

Primäreffekt „zieht“

Dem Publikum gefällt’s, wie auch die aktuellen Zuschauerzahlen am Schönbusch zeigen. 7.820 Zuschauer sahen die bisherigen neun Heimspiele am Schönbusch, was einem Zuschauerschnitt von 868 entspricht. Die Viktoria ist damit nicht nur mit weitem Abstand Zuschauerkrösus der Bayernliga Nord, sondern liegt signifikant höher in der Zuschauergunst als noch in der Vorsaison. In den ersten neun Heimspielen der Regionalliga-Bayern-Saison 2013/14 passierten 5.466 zahlende Zuschauer die Stadiontore, das entspricht 607 Zuschauern pro Spiel. Sehr unbefriedigend, vor allem wenn man bedenkt, dass die Viktoria in dieser Saisonphase gegen Lokalrivalen (Schweinfurt, Bamberg) und  andere Zugnummern (Nürnberg II, 1860 München II) ihre besten Heimspiele ablieferte. Zur richtigen Einordnung sei noch hinzugefügt, dass Publikumsmagnet FC Bayern München II erst in der Rückrunde seine Visitenkarte am Schönbusch abgab und infolgedessen in diese Momentaufnahme nicht mit einfloss. Apropos FC Bayern München: Das zweite Regionalliga-Gastspiel der Rot-Weißen lockte nur 1.888 „Feinschmecker“ an den Schönbusch und damit weniger als das Untermain-Derby gegen den SV Erlenbach, das mit 2.165 Premierenteilnehmern bis dato den Besucherrekord in dieser Bayernliga-Saison aufgestellt hat. Hierin bestätigt sich einmal mehr die Wichtigkeit des Primäreffekts, die die subjektiv empfundene Attraktivität eines Spiels maßgeblich mitbestimmt. „Grenzenlos“ hin, Mehmet Scholl her, den zweiten Auftritt der Bayern wollten nur noch ein Drittel der Zuschauer aus dem Premierenjahr sehen. Man hofft es nicht, aber es steht zu befürchten, dass dieser „Abnutzungseffekt“ künftig auch in Bezug auf die Wiederauflage der Derbys eintreten könnte.

Das nach Expertenmeinung „spielstärkste Team der Liga“ zeigt in der Bayernliga ohne Zweifel attraktiven Fußball, der mit ligabesten 45 Toren (16 Spiele) gleichwohl ergebnisorientiert ist. Nach der Verpflichtung von Daniele Toch (bislang 10 Tore) und Björn Schnitzer (6) verfügt man nunmehr über das torgefährlichste Mittelfeld der Bayernliga, das Spiel des SVA gestaltet sich mit diesen Aktivposten variabler und ist schwerer auszurechnen.

45 Tore, aber nur vier gegen Topteams

Doch nicht alle Teams der Bayernliga stehen dem Spielwitz der neuen Viktoria so ohnmächtig gegenüber, dass sie sich mit Kantersiegen abkanzeln lassen. Einem halben Dutzend Mannschaften lässt sich zumindest gehobenes Bayernliga-Format attestieren, womit sie sich deutlich vom Rest des Feldes absetzen. Gegen diese Kandidaten (inklusive des SVA die aktuellen Tabellenplätze 1 bis 7), in deren Kreis sich voraussichtlich der zukünftige Meister und Aufsteiger befindet, liest sich die Bilanz der Weiß-Blauen schon etwas anders: Gegen die sechs Topteams holte die Komljenovic-Truppe in der Hinrunde lediglich 6 von möglichen 18 Punkten und 4:9 Tore. Diese Bilanz unterstreicht: Obwohl derzeit die Viktoria bei zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Weiden unter Einbezug des  Nachholspiels in Neudrossenfeld von allen Teams (relativ) die beste Ausgangssituation hat, ist sie weit davon entfernt, die Liga zu dominieren, ein Eindruck, der sich zuletzt vielleicht aufgrund von Kantersiegen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte aufgedrängt hat.

1 Kommentar

  1. Hättet ihr das Spiel der Bayern Amateure auf Sonntag verlegt, wären auch mehr Fans, sei es Bayern, SVA oder einfach nur Fußballbegeisterte sicher gewesen. Somit haben sich viele Bayernfans teils schwerenherzens für die fast zeitgleichen Profis in Mainz entschieden. Bzw. der bequeme Aschaffenburger hat sich lieber Liga im Bezahlfernsehn angeschaut, statt seinen Hintern ins Stadion zu bewegen.

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