Hot! Erst Höhenflug, dann Turbulenzen: Die Kickers plagt ein „Flyeralarm“

Gediegenes Mittelmaß zu wenig für Würzburger Ansprüche

Bereits zwei Tage, nachdem es im bayerischen Totopokal die Haibacher Alemannen mit fünf Hammerschlägen ans Hohe Kreuz genagelt hat, muss das Team von Dieter Wirsching in der heimischen flyeralarm Arena gegen unsere Viktoria im Ligabetrieb schon wieder ran (Samstag, 5. Oktober, 14 Uhr).

FC Würzburger Kickers – Viktoria Aschaffenburg (Samstag, 5. Oktober um 14 Uhr)

Eigentlich müsste es heißen „will wieder ran“, denn den aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit vorgeschlagenen Spieltermin erst am Sonntag schlugen die Mainfranken freizügig aus und beharrten auf der ursprünglichen Spielansetzung am Samstagnachmittag. Über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren: Haben die Kicker vom Dallenberg das Konzept des beschleunigten, automatisierten Produktionsverfahrens ihrem Hauptsponsor, einem Hersteller für Drucksachen, abgelauscht oder ist der freimütige Verzicht auf eine angemessene Regenerationsphase der Ausdruck ihrer bisberigen Rendezvous mit der weiß-blauen Diva, bei denen sie noch nie einen Korb bekommen haben? Wie dem auch sei, es schwingt, ob nun gewollt oder nicht, eine untergründige Bagatellisierung dieses als großes Unterfranken-Derby apostrophierten Gefechts am Dallenberg mit, die die Komljenovic-Schützlinge bei gesunder mentaler Einstellung eigentlich ärgern und zu äußerster Kampfbereitschaft anspornen könnte, um nicht zu sagen: müsste. Es ist ja nicht so, dass die Diva High-Heels bräuchte, um mit der Wirsching-Truppe auf Augenhöhe zu sein. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass die Residenzstädter über eine Wetterlage verfügen, die es in hiesigen Breiten schon seit längerem nicht mehr gibt: Es regnet Sterntaler. Kein Wunder also, dass der Kader der Kickers in der Breite so ausgeglichen ist, dass man mal so nebenbei mit einem besseren Reserveteam unsere Viktoria in der letzten Runde aus dem Toto-Pokal werfen konnte. So geschehen beim 5:3-Triumph am Dallenberg.

Der aktuell in der Liga gehaltene 10. Rang mit ausgeglichener Punktebilanz entspricht exakt der Abschlussplatzierung der Kickers in der Vorsaison, reflektiert allerdings mitnichten den Selbstanspruch, mit dem die Rothosen zu Beginn der 2. Saison Regionalliga Bayern angetreten sind. „Wir stehen völlig zu Recht dort oben“, mit diesen Worten wurde Kickers-Torwart Daniel Tsiflidis zitiert, nachdem sein Team nach Abschluss des 9. Spieltages Ende August den 4. Tabellenplatz erobert hatte und in einer Momentaufnahme nach dem FC Bamberg (3.) das zweitbeste Amateurteam Bayerns stellte. Den damals gehegten Traum, die bayerische Amateurmeisterschaft nach Unterfranken holen zu können, musste die Wirsching-Elf nach den zuletzt gezeigten Leistungen einstweilen ad acta legen. Zu unbeständig ist das Auftreten der Rothosen in dieser Saison, um sich a la longue zur ersten Garde der Liga zählen zu können. Vor allem ist die Heimbilanz für eine Festungsstadt ausgesprochen dürftig, bei acht Punkten aus sieben Heimspielen kann da sogar unser weltoffenes bayerisches Nizza annähernd mitreizen. Die Wirsching-Truppe konnte allerdings im Vergleich zur Vorsaison die Zahl der gegnerischen Einschläge merklich reduzieren und hat somit das böse Wort von der „Schießbude der Liga“ gegenstandslos werden lassen. Insbesondere im Defensivverhalten hat man sich deutlich verbessert, was durch eine positive Trefferbilanz (+5) zum Ausdruck kommt. Die Abteilung Attacke betreffend gab es ohnehin noch nie einen Grund, sich zu beschweren. Christopher Bieber, Ricardo Borba oder Manuel Duhnke sind Spieler, die in jedem Regionalliga-Verein zu ihren Einsätzen kommen würden.

Trotzdem: Kein Grund zu verzagen für die Komljenovic-Jungs denen nach dem unnötigen Punktverlust vom vergangenen Wochenende gegen Heimstetten ein Remis wie in der Vorsaison (1:1) sehr zupass käme. Hinten dichtmachen – eventuell wieder unter Mitwirkung des von seinem USA-Aufenthalt zurückgekehrten Innenverteidigers Markus Brüdigam – und vorne darauf vertrauen, dass einer reingeht. Mit diesem Rezept entführte vor wenigen Wochen unser neuer Lieblingsgegner FC Memmingen mit einem 1:0 alle drei Punkte aus der flyeralarm Arena.

1 Kommentar

  1. Ich bin Kickers-Fan und zunächst beeindruckt, einen sprachlich gut ausgearbeiteten Artikel auf der Homepage eines Fußballvereins zu sehen. Das ist auch bei Bundesligavereinen kaum der Fall.

    Bei näherer Betrachtung wirken Ausdrücke wie (das falsch geschriebene) à la longue aber angeberisch und es finden sich inhaltliche Schwächen. Christopher Bieber mag ein guter Spieler sein, aufgrund seiner fünften gelben Karte kann er nicht auflaufen.

    Zitate sagen immer auch etwas über den aus, der sie äußert. Aus der ausgeschlagenen Spielansetzung eine „Bagatellisierung“ herbeizureden, mag bei einzelnen Aschaffenburgern das Blut kochen lassen und ist eine legitime Motivation. Angesichts einer noch direkt nach dem Schlusspfiff des Pokalspiels (Alemannia Haibach) angesetzten Trainingseinheit scheint mir dies jedoch ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

    Bei den Kickers nehmen alle den SVA ernst, da sie vor der RL By in anderen Ligen unterwegs waren, kennt man sich eigentlich nicht so gut, so dass ein „Derby“ auch meiner Ansicht nach von Medien herbeigeschrieben wird.

    Ich persönlich freue mich auf die Aschaffenburger Fans, die schon bei der Pokalniederlage am Dallenberg ihren Humor nicht verloren haben.

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