Hot! In Eichstätt ist die Favoritenrolle nicht vergeben

Am Ostermontag kann die Viktoria im West Park Stadion nicht ihr Meisterstück machen, wohl aber ihre Anwartschaft auf den Titel sportlich begründen

Nach dem 1:0-Sieg beim Würzburger FV bietet sich der Elf von Jochen Seitz die Gelegenheit, mit einem Sieg im Nachholspiel beim die Liga lange Zeit dominierenden VfB Eichstätt (Ostermontag, 15 Uhr) einen der größten Rivalen um die Aufstiegsplätze auf dann sieben Punkte zu distanzieren. Dann wäre die Viktoria, selbst die maximale Punktausbeute des VfB aus seinen zwei Nachholspielen eingerechnet, nicht nur faktisch, sondern auch unter rechnerischen Aspekten unwiderlegbar Tabellenführer.

Viktoria gegen Eichstätt heißt auch, dass die besten Angriffsreihen direkt aufeinander treffen… (© Moritz Hahn)

Das Team von Coach Klaus Mattes, der die Oberbayern im März 2015 damals noch in der Bayernliga Süd übernahm, sorgt seit seinem Staffelwechsel zur Saison 2015/16 in der Bayernliga Nord auf Anhieb für Furore. Schon in der letzten Saison verbrachten die Grünen acht Spieltage auf Platz eins, um kurz vor Toresschluss noch um Haaresbreite (ein Punkt) vom Meister und Aufsteiger SV Seligenporten abgefangen zu werden. Zur Teilnahme an der Relegationsrunde hätte der zweite Platz gleichwohl berechtigt, doch verzichtete man im Altmühltal zugunsten des nachrückenden (Noch-) Regionalligisten Bayern Hof mit der plausiblen Erklärung, dass die Regionalliga finanziell nicht zu stemmen sei. Mittlerweile denkt man bei den Oberbayern anders, denn zusammen mit zehn Mitbewerbern hat man die Bewerbungsunterlagen für die Regionalliga Bayern fristgerecht eingereicht. Man wäre auch allmählich sich selbst und seinen Anhängern gegenüber in Erklärungsnot geraten, denn auch im zweiten Jahr liefert die Mannschaft bisher ein nicht minder überzeugendes sportliches Plädoyer für den Aufstieg in die Regionalliga Bayern. Von den ersten 14 Partien konnte man zwölf gewinnen und war vom 2. bis zum 19. Spieltag ununterbrochen an der Tabellenspitze. Erste kleine Wölkchen schoben sich dann in den strahlend blauen Himmel und sorgten dafür, dass man seither nur noch einmal Gipfelluft schnuppern konnte. In die Winterpause ging man mit zwei Punkten Vorsprung und zusätzlich zwei Nachholspielen in petto.

Viktoria mit Klärungsbedarf

„Es wird darauf ankommen, wie wir aus den Startlöchern kommen, dann ist alles möglich. Nur durch eiserne Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit können wir unseren Traum von der Regionalliga erfüllen“, so VfB-Coach Klaus Mattes noch aus der Winterpause. Die Bilanz aus den bisherigen Auftritten in 2017 sind zwei Siege und vier Unentschieden. Obwohl sich manch Verein nach so einem Zahlenwerk alle Finger ablecken würde, hat das Team den komfortablen Vorsprung auf das Verfolgerfeld   peu à peu eingebüßt. Nach dem Karfreitagsspiel in Weiden, in dem ihm durch den Last-minute-Ausgleichstreffer der SpVgg. zum 1:1, zwei der drei schon sicher geglaubten Punkte entrissen wurde, geht der VfB „nur“ als Tabellenvierter in das absolute Topspiel gegen die Viktoria. Nur Spötter würden in diesem Fall von einem „Tiefpunkt der Saison“ sprechen… Der VfB hat neben dem TSV Großbardorf als einziger Verein der Liga zu Hause erst einmal verloren (am 15. Oktober vergangenen Jahres mit 0:1 gegen den ASV Neumarkt), hat dank seines Knipser-Duos Fabian Eberle (19) und Florian Grau (16) nach der Viktoria mit 66 Treffern den durchschlagskräftigsten Sturm der Liga. Im Hinspiel am Schönbusch, dem bisher einzigen Liga-Vergleich der beiden Aufstiegskonkurrenten, führte die Viktoria zur Pause durch ein Tor von Aydin mit 1:0, musste aber in der zweiten Halbzeit vier Treffer von Panknin (FE), Eberle (2) und Grau zum 1:4-Endstand schlucken. „Klärungsbedarf“ am Ostermontag im West Park Stadion ist also reichlich vorhanden…

Jochen Seitz: Topspiel, aber keinesfalls Meisterstück

Seitz erwartet enge Partie (© Moritz Hahn)

Jochen Seitz, der voll des Lobes ist, wie sein Team bisher die Strapazen der englischen Wochen verarbeitet hat, kann ihm in Anbetracht des bevorstehenden Liga-Blockbusters gleichwohl keine österliche Muße gönnen. „Wir werden am Samstag und Sonntag trainieren“, stellt er unmissverständlich klar und stellt dem päpstlichen „urbi et orbi“ das Motto jedes gewissenhaften Trainers „ora et labora“ entgegen. Besondere Umstände erfordern halt auch besondere Maßnahmen: „Das wird ein Topspiel wird, das war uns von Anfang an bewusst. Anders als zuletzt noch in Würzburg gehe ich davon aus, dass der VfB deutlich offensiver agieren wird. Es wird also vom Charakter her ein anderes Spiel werden. Vom Ergebnis her wird es sehr eng zugehen. Die Mannschaft, die am wenigsten Fehler macht, wird das Spiel wahrscheinlich auch gewinnen.“ „Wir wollen jedes Spiel gewinnen“, ist für gewöhnlich Jochen Seitz` Arbeitshypothese, könnte man sich da in Anbetracht der unbestreitbar schweren Aufgabe ausnahmsweise etwas flexibel zeigen? „Wir sind jetzt nicht unbedingt der Favorit, um da auf alle Fälle gewinnen zu müssen. Aber natürlich fahren wir da trotzdem hin und spielen auf Sieg. Wenn dann am Ende ein Unentschieden herauskommen sollte, nehmen wir das natürlich auch mit“, so Jochen Seitz pragmatisch, der auch von einer vorentscheidenden Bedeutung des Ausgangs dieser Partie nicht sprechen will: „Egal ob wir dort gewinnen oder verlieren, es gibt noch so viele Konstellationen bis zum Ende der Runde. Da treffen noch Mitbewerber direkt aufeinander, von daher kann von einer Vorentscheidung unter keinen Umständen die Rede sein.“ Ein weitsichtiger Appell für maßvolle Emotionen, egal in welche Richtung diese nach den 90 Minuten von Eichstätt auch ausschlagen mögen.

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