FC Memmingen 1907 propagiert den „Abstiegskampf de luxe“

SVA am Samstag, 7. September, 14 Uhr zu Gast in der Memminger Arena

„Beim FC Memmingen ist erst mal Abstiegskampf angesagt“, titelte die Lokalpresse nach der knappen 0:1-Auswärtsniederlage der Allgäuer beim TSV Buchbach unter der Woche. Eine Serie von sechs sieglosen Spielen mit 3:15 Punkten hatte im Allgäu die Kuh(alarm)glocken schrillen lassen.

13. Spieltag: FC Memmingen – Viktoria Aschaffenburg

Alles halb so schlimm: Aufgrund seines gelungenen Rundenstarts hat das Team von Esad Karic mit 13 Punkten auf Platz 12 immer noch vier Punkte Vorsprung auf den ersten Relegationsplatz und sogar deren acht auf das Team von Slobodan Komljenovic, das am morgigen Samstag um 14 Uhr in der Memminger Arena die neue Erfahrung machen darf, wie sich so eine Luxusvariante des Abstiegskampfes anfühlt. „Die Situation, dass es gegen Aschaffenburg nicht mit einem Dreier klappen könnte, mag sich im FCM-Lager gar niemand ausmalen“, heißt es da weiter pathetisch. „Ja habt ihr denn gar keine Phantasie“, möchte man aus weiß-blauer Sicht antworten, „das wäre ungefähr so, wie wenn die CSU in Bayern die absolute Mehrheit verfehlte.“ Sprengt die Grenzen der Wahrscheinlichkeitslehre, passiert gerade darum in der Realität vergleichsweise oft… Aber mal ganz ehrlich, so ganz unschuldig sind die SVA-Youngster an der gegnerischen „Phantasielosigkeit“ nicht. Immerhin haben sie sich ihren Ruf hart erarbeitet, wonach bei allen Teilnehmern der Regionalliga Bayern eine Heimniederlage gegen den SVA so ziemlich den GAU (größten anzunehmenden Unfall) darstellen würde. Psychologisch gesehen lastet auf den Heimmannschaften gegen den  SVA ein enormer Druck, den Nutzen daraus ziehen müssten die Weiß-Blauen allerdings schon selber.

Der FC Memmingen hat die Gnade der großen Heimkulisse (Zweiter in der Zuschauertabelle 2012/13 hinter Buchbach) nur selten zu goutieren verstanden, sondern war im Gegenteil auf fremden Plätzen immer eine Spur erfolgreicher. Man ist von jeher spezialisiert auf die wenigen Plätze im Niemandsland der Tabelle, außerhalb des Sogbereichs von Spitzengruppe und Abstiegszone. Bei der Heimbilanz von lediglich fünf Punkten aus fünf Spielen ist freilich zu berücksichtigen, dass mit Ausnahme der Münchner Bayern schon alle Profireserven in der Memminger Arena zu Gast waren. Aus der Rolle fiel streng genommen nur die überraschende 0:2-Heimniederlage gegen den schwach gestarteten SV Heimstetten. Aktuell muss Coach Esad Karic verletzungsbedingt auf seine gefährlichsten Offensivkräfte verzichten: auf den Mittelfeldspieler Burak Tastan, in der letzten Saison neunfacher Torschütze und auch in dieser Runde schon zweimal erfolgreich, und Stürmer Ümüt Somnez, mit vier erzielten Treffern derzeit bester Memminger Torschütze. Der SVA auf der anderen Seite muss neben den psychischen auch die personellen Nachwehen aus der 0:4-Heimpleite gegen Illertissen verdauen. Christian Eckerlin fehlt wegen der fünften gelben Karte, Florian Pieper laboriert an einer Knieverletzung und wird genauso fehlen wie Abwehrrecke Florian Haith, der sich eine Zerrung zugezogen hat. Wieder im Team ist Gökhan Öztas nach verbüßter Gelbsperre. Coach Slobodan Komljenovich vertraut darauf, dass seine jungen Wilden die Begegnung mit dem größten „Blender“ der Liga, „Monsieur 100 Watt“ Vitalij Lux, in Rekordzeit verarbeitet haben und „am Samstag von der 1. Minute an ein anderes Spiel zeigen und mindestens einen Punkt in Memmingen erspielen und erkämpfen“.

Natürlich wäre eine sportliche Rehabilitierung wünschenswert, aber auf Seiten des externen Beobachters ist die Erwartungshaltung in letzter Zeit stark gesunken, was freilich auch seine guten Seiten hat. Egal welche Elf letztlich im weiß-blauen Trikot auf dem sattgrünen Allgäuer Rasen steht: Sie hat wie der Gastgeber ein Luxusproblem, wenn auch in einem gänzlich anderen Sinne. Das Umfeld erwartet, noch vom Mittwochspiel paralysiert, zum ersten Mal in der Saison nichts. Was für unsere Jungs bedeutet: Sie können befreit aufspielen und prinzipiell nur positiv überraschen.

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