Hot! 0:1 gegen Fürth: Pillers verheerende Wirkung

Kampfstarker SVA, doch die Sense gegen spielerisch dreiblättrige Kleeblätter blieb stumpf

Die ersten drei der bis zur Winterpause noch zu vergebenden 12 Punkte hat das Team von Slobodan Komljenovic durch eine knappe 0:1-Heimniederlage gegen die U23 der SpVgg. Greuther Fürth liegen lassen. Mit der Bewertung des Auftritts der Weiß-Blauen tut man sich schwerer als gewohnt. Einerseits zeigte man eine tadellose kämpferische Einstellung und eine lobenswerte Moral, andererseits hatten die an diesem Tage nicht mal sonderlich taufrischen Kleeblätter eine Fülle glasklarer Torchancen, die unangenehme Erinnerungen an das Schützenfest der Hinrunde wachriefen. Einzig der große Rückhalt der Viktoria, Stefan Steigerwald, legte da sein Veto ein und ließ sich nur einmal durch den pfeilschnellen Gästeakteur Alexander Piller überwinden (47.).

21. Spieltag: Viktoria Aschaffenburg – SpVgg. Greuther Fürth II 0:1 (0:0)

Den 380 Zuschauern, die an diesem trüben Herbsttag zum Schönbusch gepilgert waren, blieb bereits in der 4. Minute schier das Herz stehen, als Soheyl Ali Pour Rafi im eigenen Strafraum auf dem seifigen Geläuf ausrutschte und der darob völlig überraschte Daniel Steininger frei vor Stefan Steigerwald verzog. Über weite Strecken der ersten Halbzeit sparte das kampfbetonte Geschehen auf dem nach einiger Zeit „nicht mehr schönen Rasen“ (O-Ton Fürth-Coach Ludwig Preis) die Strafräume aus, unzählige Standards der Einheimischen wurden von der kopfballstarken Defensive der Kleeblätter geschluckt. Einzig Giulio Fiordellisi unterbrach in der 12. Minute durch eine schöne Einzelleistung die Angriffsbemühungen der Gastgeber, scheiterte aber im Abschluss. Auf der Gegenseite setzte Akbulut das Leder im Anschluss an einen Konter den Nachschuss über die Latte, nachdem zuvor Stefan Lex an Steigerwald gescheitert war. Kurz vor der Pause eine Riesenchance für den SVA, als sich Zino Zampach auf der linken Seite schön durchspielte und zu dem im Strafraum postierten Daniel Cheron passte, der das Leder nicht über die Linie brachte.

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Die zweite Halbzeit war gerade einmal zwei Minuten alt, als sich die Szene ereignete, die sich im Nachhinein als die spielentscheidende herausstellen sollte. Fnan Tewelde unterlief ein Fehler in der Vorwärtsbewegung, wodurch die Fürther urplötzlich in Überzahl vor dem Viktoria-Gehäuse auftauchten, was Alexander Piller durch einen trockenen Schuss ins lange Eck zu bestrafen wusste. Die Viktoria machte auf und Turbo Piller konterte: Anders kann man nicht formulieren, was sich vier Minuten später abspielte. Konter von der Mittellinie, die Fürther schwärmten aus, alles rechnete mit einem Abspiel, doch der Ball führende Piller zog das Tempo an, überlief mit spielerischer Leichtigkeit die Viktoria-Abwehr, ließ Torwart Steigerwald aussteigen und überließ Sturmkollege Steininger das Leder zum Einschieben. Kurzum: Es ist schon wegen weit weniger jemandem die Freundschaft gekündigt worden als wegen der unglaublichen Art, mit der Daniel Steininger die exzellente Vorarbeit seines Kollegen buchstäblich mit Füßen trat. Der vergebene „goldene Schuss“ muss Daniel Steininger unglaublich gewurmt haben, so dass er sich in der 65. Minute dachte: „Schinde ich halt einen Elfmeter.“ Seine flügellahme Schwalbe war noch 70 Meter weiter auf der Gegengerade deutlich zu erkennen, nur einer war diesbezüglich mit Blindheit geschlagen. Der (leider) maßgebliche  Schiedsrichter Florian Kornblum, der sich an diesem Tage besser ein Bett im Kornfeld gesucht hätte. Aber die Hand Gottes in Person von Stefan Steigerwald hatte an diesem Tag etwas gegen üppige Gagen für schlechte Schauspielleistungen. Das bekam Stefan Lex zu spüren, der mit dem erschlichenen Elfer am glänzend parierenden Aschaffenburger Keeper scheiterte. Den Nachschuss jagte Rifat Akbulut in den trüben Novemberhimmel. Nachdem sich Justitia also für die Viktoria stark gemacht hatte, sah diese sich genötigt, auch noch etwas für das Spiel zu tun und sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen. Gegen die durch Konter weiter gefährlich bleibenden Gäste hielt Stefan Steigerwald sein Team bis in die Schlussphase im Spiel, ehe es der SVA in den letzten zehn Minuten in der Hand hatte, seinerseits die Kleeblätter für ihre nachlässige Chancenverwertung mit dem Ausgleich zu bestrafen. Der eingewechselte Petrit Topic mit seiner ersten Aktion (80.) und Simon Schmidt (85.) forderten mit Distanzschüssen dem weitgehend beschäftigungslosen Fürther Keeper Mark Flekken endlich einmal einen Leistungsnachweis ab, bei Denis Talijans etwas zu hoch justiertem Kopfball (84.) bzw. Schuss (90.) musste er hingegen nicht eingreifen. Und da war noch das Ding von Giulio Fiordellisi, mit einem herrlichen raumgreifenden Pass so auf dem rechten Flügel angespielt, dass er auf direktem Wege auf das Tor zulaufen konnte, ohne dass ein gegnerischer Spieler die Chance zum Eingreifen hatte. Wenige Meter vor dem Tor aus leicht spitzem Winkel sah er sich vor die Wahl gestellt, es selbst zu versuchen oder in die Mitte zu spielen – und entschied sich für die letztere, in diesem Fall nicht zielführende Option. Was seine Leistung an diesem Tag nicht schmälert: Immer anspielbar, mit sehr gutem Zweikampfverhalten (auch in der Luft) und aufgrund technischer Versiertheit ein Garant für Ballbesitz machte er über die gesamte Spieldauer ohne erkennbaren Kräfteverschleiß ein sehr gutes Spiel und verdient es, neben Stefan Steigerwald als auffälligster Akteur der Weiß-Blauen an diesem Tag genannt zu werden, der mit dem 0:1-Endstand ein eher betrübliches Ende fand.

Als Fazit muss daher festgehalten werden, dass wieder einmal eine Mannschaft am Schönbusch die drei Punkte abgeschöpft hat, ohne irgendeine Form von Brillanz zu verströmen. Warum auch, wenn es biederes Handwerk genauso tut? Fürth-Coach Ludwig Preis räumte denn auch in der Pressekonferenz unumwunden ein, dass im Spiel seiner Mannen vornehmlich in der ersten Hälfte so manches im Argen lag. Diese spielerischen Defizite, von denen keine der bisher am Schönbusch gastierenden Profi-Reserven gänzlich frei war, hat die Komljenovic-Truppe bisher nicht hinreichend zu nutzen verstanden. Auch der nächste Auswärtsgegner am kommenden Wochenende, die Reserve der kleinen Schanzer, weist eine solche Achillesferse auf, was Anlass genug sein sollte, die Partie nicht schon im Voraus gedanklich abzuschenken im Vertrauen auf die beiden noch ausstehenden Partien zu Hause gegen Buchbach und in Bamberg.

 

Viktoria Aschaffenburg – SpVgg Greuther Fürth II 0:1 (0:0)

Aschaffenburg: Stefan Steigerwald – Deniz Topcu, Denis Talijan, Soheyl Alipour-Rafi (80. Petrit Topic), Markus Brüdigam – Fnan Tewelde (54. Christian Eckerlin), Semir Duljevic (63. Florian Pieper), Simon Schmidt, Daniel Cheron, Zino Zampach – Giulio Fiordellisi

Fürth: Mark Flekken – Kevin Schulze, Peter Szilvasi, Julian Kolbeck, Florian Bauer – Herbert Paul, Jann George, Rifat Akbulut, Kai Hufnagel (19. Alexander Piller / 89. Lino D’Adamo) – Daniel Steininger (92. Aykut Civelek), Stefan Lex

Tore: 0:1 Alexander Piller (48.)

Besondere Vorkommnisse: Stefan Steigerwald hält Strafstoß von Stefan Lex (68.)

Gelbe Karten: Fnan Tewelde, Markus Brüdigam, Daniel Cheron, Deniz Topcu, Zino Zampach / Florian Bauer, Alexander Piller, Mark Flekken

Schiedsrichter: Florian Kornblum (Chieming) – Vinzenz Pfister, Ben-Erik Salb

Zuschauer: 380

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