2:3: „Gallenbittere Pille“ für die Viktoria

Starke Viktoria in Unterzahl verteidigt Führung bis in die Schlussminuten / Zuviel „Tamtam“ am Reuthinger Weg: Da sah „Grüne“ rot

„Pille“, „Galle“ und ihre Anhängerschaft hatten gut lachen nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Dr. Markus Huber in der Schaldinger Sportanlage Am Reuthinger Weg. Während der gesamten zweiten Hälfte hatten die durch eine gelb-rote Karte für Max Grünewald (34.) gehandicapten Weiß-Blauen unter tatkräftiger Mitwirkung ihres überragenden Keepers Kevin Birk ihre 2:1-Führung aufopferungsvoll verteidigt, ehe sie durch einen verwandelten Handelfmeter von Markus Gallmaier und ein Tor in der Nachspielzeit einmal mehr den späten Knock-out erleiden mussten.

Diesig und regnerisch war es in der Sportanlage am Reuthinger Weg. Die Pyrotechnik war allerdings trocken geblieben und so fackelte die ohne ihren Regisseur Björn Schnitzer (Magen-Darm-Grippe) und den gelb-rot gesperrten Benjamin Baier angetretene Viktoria erst mal eine Wunderkerze – Brenndauer 30 Sekunden – ab. So lange dauerte es, bis das Leder im Netz des Schaldinger Tores zappelte, nachdem sich Daniel Cheron schön am rechten Flügel durchgesetzt hatte und seine Flanke von einem Schaldinger Abwehrspieler per Kopf vor die Füße von Clay Verkaj abgewehrt wurde. Dieser zimmerte die Kugel an die Unterkante der Latte, von wo sie zur 1:0-Führung hinter die Linie sprang.

1:0 durch Clay Verkaj nach gut und gerne 30 Sekunden (© Moritz Hahn)

Nach diesem Blitzstart kehrte schnell Normalität ein, die sich am ehesten als ein „Spiel mit Haken und Ösen“ bezeichnen lässt. Trinkpausen brauchte man bei diesem Wetter ja keine mehr, also einigte man sich beiderseits auf zahlreiche Unterbrechungen, wenn sich mal wieder ein Spieler auf dem Boden krümmte. Fußball gespielt wurde aber auch und das von den Weiß-Blauen durchaus geschickt. Die nach dem Rückstand selbstverständlich um Dominanz bemühten Niederbayern hatte man eigentlich gut im Griff, hielt kämpferisch dagegen und ließ sich vor allem nicht hinten reindrängen. Ein paar Aktionen sprangen für die Hausherren dennoch heraus. In der siebten Minute parierte Kevin Birk einen Freistoß und in der 18. Minute verlängerte Burmberger eine Flanke per Kopf an die Querlatte. Die Ausgleichsbemühungen der Köck-Truppe führten in der 26. Minute zum Erfolg, als Pillmeier eine Flanke von Rockinger aus fünf Metern zum Ausgleich ins lange Eck köpfte. Die Wirkdauer dieser Pille betrug exakt zwei Minuten. Dann markierte Clay Verkaj nach einem Foul am agilen Silas Zehnder vom Elfmeterpunkt die neuerliche Führung des SVA. Als wäre das zuviel des Guten, betrieb die Viktoria umgehend Selbstdemontage Max Grünewald sicherte sich in der 34. Minute einen Ehrenplatz an niederbayerischen Stammtischen, ließ er doch die Passauer Zukunft urplötzlich wieder rosiger erscheinen. Mit Gelb vorbelastet fuhr er seinem Gegenspieler an der Mittellinie einigermaßen rüde in die Parade. Empörung allenthalben, die übliche Spielertraube und ein paar ausgetauschte „Zärtlichkeiten“. Das Ende vom Lied: „Grüne“ musste mit Gelb-Rot vom Platz. Die Viktoria tat indes, als wäre nichts geschehen, und spulte ihr Programm bis zum Pausentee weitestgehend unbehelligt herunter.

In der 34. Minute musste Max Grünewald mit gelb-roter-Karte den Platz verlassen (© Moritz Hahn)

Überragender Kevin Birk lässt Viktoria lange vom ersten Auswärtssieg träumen

Zur zweiten Halbzeit nahm Jochen Seitz im Hinblick auf das bevorstehende 45-minütige Unterzahlspiel seiner Truppe mit Pasquale Verkamp einen Stürmer aus dem Spiel und brachte Roberto Desch. Aber noch ehe die Hausherren so richtig zur Belagerung ansetzen konnten, hätte diese auch schon wieder abgeblasen werden können, wenn nicht müssen. Nach einem Ballverlust der weit aufgerückten Hausherren war Silas Zehnder auf und davon und wurde von Nico Dantscher als letztem Mann am Trikot gehalten.

Nico Dantscher reißt als letzter Mann den durchgebrochenen Silas Zehnder von den Beinen und bekommt „nur“ die gelbe Karte (© Moritz Hahn)

Eigentlich glatt Rot, doch Schiedsrichter Dr. Markus Huber beließ es bei Gelb, vermutlich weil er einem Grün-Weißen, der sich in beträchtlichem Abstand seitlich versetzt und nicht einmal auf gleicher Höhe befand, die (theoretische) Möglichkeit des Eingreifens nicht absprechen wollte. Damit war das Thema Chancengleichheit erledigt und die Einheimischen konnten ihre Angriffsmaschinerie anwerfen. Sie taten sich aber richtig schwer, denn die Weiß-Blauen standen vor dem eigenen Sechzehner sehr stabil und machten die Räume eng. Da durch die Mitte kein Durchkommen war, wich die Köck-Elf auf die Flügel aus und versuchte das Spiel auseinanderzuziehen. Anfangs war auch das nicht von Erfolg gekrönt und die Viktoria konnte über Clay Verkaj immer wieder für Entlastung sorgen. „Clay hat unabhängig von seinen zwei Toren ein sehr gutes Spiel gemacht“, zollte Jochen Seitz dem Taktgeber nachher Anerkennung.

Kevin Birk präsentierte sich in Schalding erneut in Top-Form und hielt die Viktoria lange im Spiel (© Moritz Hahn)

Zur Mitte der zweiten Halbzeit – zwischenzeitlich war bei den Gastgebern Markus Gallmaier im Spiel – wurde es dann plötzlich doch konkret und Kevin Birk rückte mehr und mehr in den Blickpunkt des Geschehens. Hatte er zuvor schon bei einer Vielzahl von Flanken seine Strafraumbeherrschung dokumentiert, so durfte er jetzt bei drei Topgelegenheiten der Hausherren binnen weniger Minuten auch sein Können auf der Linie beweisen. Einen Kopfball von Pillmeier aus der Nahdistanz lenkte er reaktionsschnell über die Latte (64.) und war wenig später bei einem Volleyschuss von Schnabel im Anschluss an einen Eckball zur Stelle (65.). In der 68. Minute passierte ein scharfer Ball von rechts den Viktoria-Strafraum. Am langen Pfosten stand Alexander Kurz und knallte das Leder aus wenigen Metern aufs kurze Eck. Doch Kevin Birk war auf der Torlinie mitgelaufen und machte die Hundertprozentige zunichte. Viktorias Turm in der Schlacht tat alles, was in seiner Macht stand, und holte auch noch einen Kopfball des eingewechselten Spielertrainers Köck aus dem unteren rechten Eck (84.).

Jochen Seitz zum Handelfmeter: „Da bin ich richtig sauer“

In der 87. Minute ereignete sich eine äußerst umstrittene Szene. Hamza Boutakhrit bekam im Strafraum einen aus der Nahdistanz geschossenen Ball an den Arm und Schiedsrichter pfiff zum Entsetzen des Viktoria-Anhangs Elfmeter. Jochen Seitz fand nachher klare Worte: „Es gab erst kürzlich eine Regelschulung zum Thema Handspiel. Für diese Entscheidung habe ich kein Verständnis. Da bin ich auch richtig sauer.“

Zu diesem galligen Moment passte sehr gut, dass Markus Gallmaier aka Galle den fälligen Elfmeter über den Umweg des Innenpfostens zum Ausgleich verwandelte. Ein Punkt wäre auch noch eine würdige Entlohnung für die an diesem Tag von den Weiß-Blauen erbrachte Energieleistung gewesen, doch nicht einmal der war der Viktoria an diesem Tag vergönnt. In der zweiten Minute der Nachspielzeit fiel im Viktoria-Strafraum das Leder Köck vor die Füße, der auf Schnabel zurücklegte. Gegen dessen straffen Flachschuss ins rechte Eck war auch ein Kevin Birk machtlos.

Die Nachspielzeit läuft. Schaldings Schuss ins Glück! (© Moritz Hahn)

Mehrere Komponenten, so Jochen Seitz, waren schlussendlich daran beteiligt, dass man an diesem Tag nicht einmal einen Punkt aus der Dreiflüssestadt mitnehmen konnte: „Die haben alles nach vorne geworfen. Wir hatten – lange in Unterzahl – die ganze Spielzeit extrem viel investiert. Da kann es natürlich vorkommen, dass ein Ball im Sechzehner runterfällt und man einen Moment lang nicht präsent ist. Und aus Schaldinger Sicht hat beim 3:2 in der Entstehung eben alles gepasst.“

An eines lässt der Viktoria-Coach in seiner Nachbetrachtung des Spiels allerdings nicht rühren: „Wir sind heute als Mannschaft aufgetreten, das war die Vorgabe. Die ersten 30 Minuten haben wir das offensiv gut gemacht und haben in dieser Phase ja auch zwei Tore geschossen. Defensiv kann man der Mannschaft auch nichts vorwerfen. Wir haben leidenschaftlich verteidigt, bis der Schiedsrichter ins Spiel eingegriffen hat und uns um den Lohn gebracht hat.“

Wer das Spiel live – ob vor Ort oder am Bildschirm – mit offenen Augen gesehen hat, wird ihm zustimmen.

10. Spieltag Regionalliga Bayern 2019/20, am Samstag, 7. September 2019, um 14:00 Uhr in Schalding (Sportanlage Schalding-Heining // Reuthinger Weg 8, 94036 Passau)

SV Schalding-Heining – Viktoria Aschaffenburg 3:2 (1:2)

Schalding: Markus Schöller – Andreas Jünger, Rene Huber, Michael Pillmeier, Christian Brückl (61. Martin Tiefenbrunner), Fabian Schnabel, Nico Dantscher, Fabian Burmberger (83. Stefan Köck), Stefan Rockinger, Johannes Pex (61. Markus Gallmeier), Alexander Kurz (Spieler-Trainer: Stefan Köck) Aschaffenburg: Kevin Birk – Silas Zehnder, Luca Dähn, Simon Schmidt, Hamza Boutakhrit – Max Grünewald, Roberto Desch – Pasqual Verkamp (46. Roberto Desch), Clay Verkaj (83. Lucas Oppermann), Daniel Cheron – Egson Gashi (72. Philipp Beinenz) (Trainer: Jochen Seitz) Im Kader: Peter Neuberger (TW), Michél Harrer, Jonas Fritsch, Zaki Ech-Chad Tore: 0:1 Clay Verkaj (1., Daniel Cheron), 1:1 Michael Pillmeier (26.), 1:2 Clay Verkaj (32., FE, Silas Zehnder), 2:2 Markus Gallmaier (87., HE), 3:2 Fabian Schnabel (90.+1) Besondere Vorkommnisse: Max Grünewald (34., gelb-rote Karte), Tom Schulz (90.+2., gelb-rote Karte) Gelbe Karten: Christian Brückl (10.), Fabian Schnabel (23.), Rene Huber (34.), Nico Dantscher (55.), Martin Tiefenbrunner (80.) / Max Grünewald (7.), Egson Gashi (28.), Roberto Desch (64.), Daniel Cheron (69.), Tom Schulz (89.) Schiedsrichter: Dr. Markus Huber – Alexander Schkarlat, Michael Hochrinner Zuschauer: 622 (Sportanlage Schalding-Heining)

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