Hot! Rückblick: „Geile Saison“ in nackten Tatsachen

Die angeblich so kalte Statistik weiß von einigen Höhepunkten der Viktoria in der abgelaufenen Bayernliga-Saison 2014/2015 zu berichten

Die Bayernliga-Saison 2014/2015 liegt gerade einmal zwei Wochen hinter uns, und in dieser Windstille nach bzw. vor dem Sturm bietet sich die Gelegenheit, einmal die jetzt in ihrer vollen Gänze vorliegenden Statistiken auszuwerten, um den genauen Saisonverlauf, der immerhin zum ersten Direktaufstieg der Viktoria nach der gefühlten Ewigkeit von elf Jahren führte, noch einmal en detail zu rekonstruieren.

Wie vielleicht manch einem noch in Erinnerung ist, ließen die Auftritte der neu formierten Viktoria anfänglich befürchten, dass sich die Assimilation an Bayernliga-Niveau in einer Glätte vollziehen würde, die trotz der bescheiden formulierten Saisonziele so ganz und gar nicht im Sinne der Viktoria-Verantwortlichen sein konnte. Erst viel später sollte es möglich sein, das 1:1 zum Saisonauftakt zu Hause gegen den FC Amberg sowie die nachfolgende 0:3-Schlappe beim TSV Großbardorf richtig einzuordnen, spielten diese Mannschaften doch erwiesenermaßen im ganzen Saisonverlauf im ersten Orchester der Liga. Erst am dritten Spieltag waren im Heimspiel gegen den hoch eingeschätzten TSV Aubstadt (3:0) die ersten drei Punkte fällig. Bis zum Ende der Hinrunde verlor die Komljenovic-Elf nur noch einmal, das aber ausgerechnet im Spitzenspiel gegen den Abonnement-Tabellenführer Jahn Forchheim im heimischen Schönbusch-Stadion (0:3). So reichte es in der abschließenden Hinrunden-Tabelle nicht ganz zum Platz an der Sonne, hinter der stark aufgekommenen SpVgg. SV Weiden rangierten die Weiß-Blauen mit lediglich einem Punkt Rückstand auf Platz zwei, wobei sich die Tabellenkonstellation insbesondere in der Spitzengruppe zu diesem Saisonzeitpunkt nicht zuletzt aufgrund von Spielrückständen als noch sehr labil und von wenig Aussagewert präsentierte.

Viel Grund zum Jubeln hatten die Viktoria-Kicker in der Bayernliga Nord Saison 2014/2015

Viel Grund zum Jubeln hatten die Viktoria-Kicker in der Bayernliga Nord Saison 2014/2015

Zum Rückrundenauftakt ging man in Amberg an der Vils mit 0:3 baden, was bis zur Winterpause die einzige Niederlage bleiben sollte. Allerdings büßte man zu Hause gegen die SpVgg. Bayern Hof (0:0), vor allem aber im abschließenden Nachholspiel beim Vorletzten Neudrossenfeld (3:3) weitere im Titelkampf einkalkulierte Punkte ein. Auch vor diesem Hintergrund war die Korrektur des Saisonziels in der Mitgliederversammlung durch den Vorstand Sport, Peter Löhr, in sich schlüssig, denn obschon nur noch Tabellenvierter, war hinsichtlich von nach wie vor nur zwei Punkten Rückstand auf den Primus Weiden in Sachen Meisterschaft noch alles drin. Das Team beseitigte ja dann auch mit einer Jubelkater erzeugenden Serie von zwölf siegreichen Spielen alle Zweifel an seiner Regionalliga-Tauglichkeit. Viel schlechter – auch das sei angemerkt – hätte die sportliche Performance allerdings auch nicht sein dürfen, setzte doch der letzte verbliebene hartnäckige Konkurrent FC Amberg sehr hohe Maßstäbe. Dieser legte gleichfalls eine beeindruckende Serie hin, indem er seit dem 3. Oktober vergangenen Jahres in 19 Ligaspielen bei 49:4 Punkten ungeschlagen blieb. So ist zu erklären, dass diese beiden Teams in der Rückrunden-Tabelle mit 44 (SVA) respektive 43 Punkten ihre Ausnahmestellung in der Bayernliga bestätigten. In der Summe der Halbserien (Abschluss-Tabelle) war die Viktoria allerdings um sechs Punkte besser, da die Vilsstädter in 2015 dreimal gegen Spitzenteams auf des Gegners Platz trotz starker Auftritte „nur“ remisieren konnten, was letztendlich über Direktaufstieg oder Relegation entschied.

Weiß-blaue Himmelsstürmer mit astronomischer Torquote

Bei der statistischen Auswertung aus Sicht des SVA fällt zuvorderst die üppige Torausbeute von 98 Toren ins Auge, was einem Durchschnittswert von 2,88 Toren pro Spiel entspricht. Kein anderes Team kam an diesen Wert auch nur annähernd heran, selbst der FC Amberg begnügte sich mit 76 Toren (2,23 pro Spiel). Interessant in diesem Zusammenhang auch ein saisonübergreifender Vergleich. In der Bayernliga-Spielzeit 2013/2014 (Abschluss-Tabelle) hatte die SpVgg. Bayreuth sich mit 16(!) Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz den Meistertitel und den Aufstieg in die Regionalliga Bayern gesichert. Eine Dominanz, die – in Relation zur Torquote des SVA in 2014/2015 – in der vergleichsweise bescheidenen Ausbeute von 69 Treffern (Topwert in dieser Saison) nicht ihren adäquaten Ausdruck fand.

Was hierbei die wohl entscheidende Rolle spielte: Die SpVgg. hatte damals einen Toptorschützen, der 14-mal ins Schwarze traf (Torschützen 2014/2015), während die Viktoria in dieser Saison mit einer „Bomber“-Flotte vor dem gegnerischen Tor aufkreuzte, die sich zusammensetzte aus dem Torschützen-König der Bayernliga Nord 2014/2015, Florian Pieper (25 Tore) und seinen kongenialen Mittelfeldadjutanten Björn Schnitzer (22) und Daniele Toch (17) – Torschützen 2015/2016. Dieses Dreigestirn brachte es allein auf 64 Tore und löschte damit die Fracht der Altstädter aus dem Vorjahr fast schon alleine. Fast jedes Tor braucht einen, der es auflegt. Die effektivsten Torvorbereiter hatten in dieser Bayernliga-Saison ein weiß-blaues Dress an: Das Duo Daniele Toch (20) und Björn Schnitzer (15) bediente nicht nur Goalgetter Florian Pieper, sondern legte sich darüber hinaus die Tore vorzugsweise gegenseitig auf.

Was auf der Gegenseite die Anzahl der geschluckten Gegentore angeht, so ist nach 20 Gegentoren in der Hinrunde eine signifikante Steigerung der Defensivleistung in der Rückrunde festzustellen, in der man auf 13 Gegentore abspecken konnte. Mit 33 Einschlägen braucht man sich nicht zu verstecken, lediglich vier Teams waren geringfügig geiziger. Erwähnenswert auch, dass die in der Hinrunde als Defensivkünstler gehandelte SpVgg. SV Weiden (acht Gegentore) in der Endabrechnung mit 34 Gegentreffern hinter dem SVA landete.

Dass sich in der abgelaufenen Saison schnell eine Stamm-Elf gebildet hat, die von Verletzungen weitgehend verschont geblieben ist, ist an den gleichmäßigen Einsätzen der Spieler ersichtlich. Für elf Spieler sind 30 Einsätze und mehr verzeichnet, Daniele Toch wirkte in allen 34 Partien mit, auf die mannschaftsintern meiste Einsatzzeit brachte es aber Abassin Alikhil mit 2.945 Minuten, der in seinen 33 Einsätzen bis auf 25 Minuten komplett durchspielte – Einzelspieler-Statistik 2014/2015.

„Nett“ und erfolgreich…

Wenn man wie in dieser Spielzeit erfolgreich technischen Fußball zelebriert, dann ist es auch ein Leichtes, die fußballerische Netiquette einzuhalten. Dies wird deutlich beim Blick auf die Fairplay-Tabelle, in der die Viktoria in der abgelaufenen Saison mit 53 gelben und einer roten Karte sich die wenigsten Strafpunkte einhandelte (58), mit dem ersten Platz glänzte, ohne gleich das Image des kreuzbraven Klassenstrebers zu bedienen. Nicht von ungefähr folgen auf den Plätzen mit dem FC Amberg (66) und der SpVgg. SV Weiden (69) weitere spielstarke Mannschaften. Unter letzteren waren allerdings auch regelrechte Rüpel, namentlich die beiden „bad Jahns“ aus Regensburg und Forchheim sowie die SpVgg. Bayern Hof, die sämtlich die 100er-Marke knackten und sich infolgedessen auf den hinteren Plätzen die Anwartschaft auf einen Benimmkurs sicherten. Mit der Fairness ist das beim Fußball wie im Leben: Im Falle des Erfolges ist sie das Sahnehäubchen obendrauf, im Falle des Scheiterns ein leicht mit Bitterkeit vermengter Trostpreis. In der Regionalliga-Saison 2013/2014 löste der SVA letzteren Widerspruch in einer stimmigen Weise auf: Man stieg sang- und klanglos ab, durfte aber wenigstens als Genugtuung für sich in Anspruch nehmen, sich so richtig als Rowdy präsentiert zu haben. Mit 87 gelben und zwei roten Karten (entspricht 97 Strafpunkten) protzte man damals mit der Zugehörigkeit zum Klassen-Prekariat und knüppelte sich auf einen stolzen vorletzten Platz in der Fairplay-Tabelle. Einzig am Würzburger Dallenberg (100) wurde mit noch härteren Bandagen gekämpft. Seitdem das Projekt „3×3“ ruchbar geworden ist, haben die Residenzstädter allerdings Kreide gefressen. In der vergangenen Meistersaison konnte man die Anzahl der gelben und roten „Flyer“ signifikant reduzieren.

Mit Spannung darf man daher erwarten, ob die Viktoria in der kommenden Regionalliga-Saison sich weiter erlauben kann, so „nett“  zu sein wie in der hinter ihr liegenden Bayernliga-Spielzeit…

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