Hot! Giulio sagt „arrivederci“ – Fiordellisi verlässt seine Viktoria

Der 31-jährige Stürmer verlässt die Viktoria in Richtung SV Erlenbach – Abschiedsspiel gegen Ammerthal

Nach den in der jüngeren Vergangenheit vermeldeten erfolgreichen Vertragsabschlüssen lässt eine Personalie am Schönbusch Wehmut aufkommen. Giulio Fiordellisi bricht seine Zelte am Schönbusch ab und wird in der kommenden Spielzeit die Kickschuhe für den Nachbarn SV Erlenbach in der Bayernliga Nord schnüren. Der 31-jährige Angreifer und Publikumsliebling verkörpert wie kaum ein anderer Spieler die jüngere Viktoria-Geschichte.

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SVA-Legende Giulio Fiordellisi verlässt seine große Liebe zum Saisonende

Giulio startete seine Spielerlaufbahn bei den C-Junioren des SVA. Sein Debut bei den Aktiven gab er am 5. Oktober 2002 beim 1:5 in Bernbach, als er in der 88. Minute vom damaligen Coach Antonio Abbruzzese eingewechselt wurde. In seiner mittlerweile 11. Spielzeit trägt er das Trikot der Weiß-Blauen und erzielte bis zum heutigen Tag in 247 (Pokalspiele eingerechnet) Partien 80 Tore. Mit diesem Datenmaterial präsentiert sich Giulio als Viktoria-Akteur des noch jungen Millenniums. Diesbezüglich führt er vor Jochen Höfler (79) die „ewige“ Torschützenliste an und hat mit die meisten Einsätze auf dem Konto. Nur sein Weggefährte Simon Schmidt kann ihm in letzterem Punkt das Wasser reichen.

Giulio leistete Aufbauarbeit

So kann es kaum verwundern, dass Giulio auf der Basis dieser Fakten die Kapitel der bewegten Viktoria-Geschichte der letzten Dekade mitgeschrieben hat wie kein anderer. Nach dem langsamen Herantasten an das Team schaffte er in der Spielzeit 2005/2006 den Durchbruch, als er unter Trainer Nenad Šalov an der Seite von Jochen Höfler und Florian Ettl in der Oberliga Hessen stürmte. Zum Schlüsselspieler avancierte Giulio aber, als er nach einem zweijährigen Auswärtsspiel bei den Sportfreunden Seligenstadt in der Saison 2010/11 an den Schönbusch zurückkehrte, zu einem Zeitpunkt, als am Schönbusch nach dem Zwangsabstieg aus der Regionalliga Süd das Leben komplett darnieder lag. Mit seinen in dieser Runde erzielten 32 Toren (27 in der Liga, 5 in der Relegation) hauchte der in der Fremde gereifte Stürmer dem siechen Patienten erst einmal wieder Leben ein, so dass er an seine altbekannte Wirkungsstätte Oberliga Hessen zurückkehren konnte. Der Erfolgsweg des SVA war damit allerdings noch nicht zu Ende. Im Jahr darauf konnte man sich durch einen vierten Platz in der Oberliga Hessen für die im Zuge der Ligareform neu eingerichtete Regionalliga Bayern qualifizieren, woran Giulio mit neun Toren in 32 Einsätzen maßgeblichen Anteil hatte. In den Regionalliga-Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 stellte er mit insgesamt 16 Treffern unter Beweis, dass er auch in der merklich dünneren Luft der Viertklassigkeit nichts von seinen Torjägerqualitäten eingebüßt hatte. Es sollte hervorgehoben werden, dass kein Weiß-Blauer in dieser Zeit öfter traf.

Nach dem bitteren Abstieg in die Bayernliga Nord sah sich die Viktoria vor einen personellen Neuanfang gestellt. Als eine der wenigen Konstanten sorgte Giulio gerade in der schwierigen Findungsphase des Teams mit seinen sieben Treffern für Stabilität und einen geglückten Start, ehe die Torfabrik „Pieper, Toch, Schnitzer und Söhne“ ansprang. Die Rolle des Reservisten, in der er sich im weiteren Saisonverlauf wiederfand, hat er als einer, der das Rampenlicht gewohnt ist, selbstredend nicht begrüßt, aber klaglos akzeptiert und damit mit menschlicher Reife eigene Befindlichkeiten dem großen gemeinsamen Ziel Aufstieg untergeordnet.

„Kein endgültiger Abschied“

Einem Aufstieg, den der scheidende Stürmer seinem SVA von Herzen wünscht, nicht nur, aber auch weil er als „ewiger“ Viktorianer mit Leib und Seele nicht in die emotionale Zwickmühle geraten möchte, mit seinem neuen Arbeitgeber SV Erlenbach „in einem Pflichtspiel gegen den SVA antreten zu müssen“. Wobei der Abschied, wie in den abschießenden, sehr persönlichen Gesprächen zum Ausdruck kam, keinesfalls ein endgültiger sein muss. Beide Seiten können sich sehr gut vorstellen, dass das Viktoria-Urgestein, in welcher Funktion auch immer, wieder an den Schönbusch zurückkehren wird.

Wenn im letzten Heimspiel der Saison am 23. Mai gegen die DJK Ammerthal ein letztes Mal der Ruf „Giuuulio“ durchs weite Stadionrund hallt und – was wir alle sehr hoffen – der so Angesprochene nach vollendeter (Tor-)Arbeit dem Publikum den Rücken zudrehen kann, mit großer Geste auf die 10 deutend, dann werden wir alle Zeugen des Abgangs eines charismatischen Darstellers von der Fußballbühne Schönbusch.

Sportlicher Erfolg ist nur eine Komponente der Identifikation mit einem Verein, ebenso wichtig sind Spielerpersönlichkeiten, die der Mannschaft ein Gesicht geben. In diesem Sinne täte nach dem Weggang des Spielers mit der zweifellos größten Fanbindung der Viktoria ein kleines Facelifting ganz gut…

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