Die launische Diva zum Lächeln gebracht

Karikaturen-Ausstellung „Das ist ja wohl ein Witz“ von Greser & Lenz bis 31. Mai im Hanauer Schloss Philippsruhe zu sehen

Sportler und in engerem Sinne Fußballer sind selten witzig. Wer jemals eine „Gaudi“ (oder was sie dafür halten) von Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger (idealerweise im Duett) erleiden musste, kann ein Lied davon singen. Und mal ganz im Vertrauen: Von kraftstrotzenden Gladiatoren erwartet man als letztes hintersinnigen Humor, denn der ginge sicher zu Lasten des Kampfgeistes, für den sie ja schließlich gefeiert werden.

Greser & Lenz Ausstellung "Das ist ja wohl ein Witz" in Hanau

Greser & Lenz Ausstellung „Das ist ja wohl ein Witz“ in Hanau

Die alte Dame Viktoria ist auch erst im hohen Alter auf den Trichter gekommen, dass etwas Sport für die grauen Zellen ihrer Vitalität keinesfalls abträglich wäre. Trotzdem wären aus dieser Erkenntnis vermutlich keine Fakten geschaffen worden, hätten sich nicht vor einigen Jahren einen Steinwurf vom Stadion entfernt im Aschaffenburger Stadtteil Leider Achim Greser und Heribert Lenz niedergelassen. Die beiden zählen zu den renommiertesten Karikaturisten Deutschlands und sind als solche seit den 80er Jahren feste Redaktionsmitglieder beim Satireblatt „Titanic“, veröffentlichen ihre humoristischen Zeichnungen aber auch bei anderen Presseerzeugnissen wie der FAZ, dem Focus und dem Frankfurter Allgemeinen Sonntagsblatt.

Diese Koryphäen nun konnte die schlaue Diva vor einiger Zeit um den Finger winkeln, was sie natürlich  – bescheiden wie immer – ihren Verführungskünsten zu Gute hält. Wir meinen: Nicht die Fliegenfischerei mit einigen V.I.P.-Karten hat die beiden dicken Fische veranlasst, anzubeißen und in jeder Ausgabe unseres Stadionheftes HEIMSPIEL mit einer eigens dafür angefertigten Karikatur ihren Beitrag zum Thema „feinsinnige Attacke“ zu leisten, sondern eine gewisse Verspieltheit, die ja auch ihren Zeichnungen innewohnt und die durchaus in Korrelation mit einem technisch versierten Ballspiel – von der Viktoria ja neuerdings betrieben – steht. Man nimmt den beiden schon daher das Geholze mit der eher plakativen Selbstbeschreibung „Witze für Deutschland“ allenfalls als Selbstironie ab.

Bezogen auf die Vereins-Außendarstellung hat die Viktoria ihr „Witz-Image“ längst abgelegt, gleichzeitig weiß sie nun mit wohltuendem Humor zu punkten. Den Wert dieser bundesweit wohl einzigartigen Kooperation zu würdigen, legt darum gerade für Viktoria-Fans einen Besuch der derzeit laufenden Karikaturen-Ausstellung von Greser & Lenz unter dem Titel „Das ist ja wohl ein Witz“ dringend nahe. Eine Absage dieser Ausstellung stand lange im Raum, da man befürchtete, dass sie wegen einiger weniger Mohammed-Karikaturen ins Visier islamistischer Extremisten geraten könnte. Sie findet nun unter verschärften Sicherheitsbedingungen doch statt, worauf wohl auch der doppelbödige Titel Bezug nimmt. Den kulturbeflissenen Viktoria-Fans sei versichert, dass sich das Gefahrenpotential unter dem einer Auswärtsfahrt bewegt. Und wie es sich gehört: Ein bisschen Nervenkitzel muss sein.

Von Politik, Religion über Kultur bis zu Sport ist die Thematik der etwa hundert Zeichnungen weit gefächert und gibt einen Ausblick auf das sich über drei Jahrzehnte erstreckende Werk des Karikaturisten-Duos, das aus der so genannten Neuen Frankfurter Schule hervorgegangen ist. Dessen Motto „Jeder Krieg hat seine Opfer, das Gleiche gilt für den guten Witz“ muss gerade unter dem Eindruck des jüngsten Charlie-Hebdo-Attentats auf beklemmende Weise völlig neu interpretiert werden.

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