Hot! Jochen Seitz: „Große Geschenke gibt’s erst bei Aufstieg“

„Urbi et orbi“ – kleines Weihnachtsinterview mit Viktorias sympathischem Erfolgstrainer

Weihnachten naht und still und starr ruhen wenigstens die Trainingsplätze der Viktoria an der Kleinen Schönbuschallee. Wir indes waren nicht träge und haben Viktoria-Coach Jochen Seitz in seiner „Chill-out-Zone“ aufgesucht. Obgleich gesundheitlich gehandicapt, zeigte sich der medienerfahrene Profi einem gemütlichen Plausch nicht abgeneigt und bediente die Frage-Antwort-Klaviatur so perfekt, dass – so hoffen wir wenigstens – ein Interview zustande kam, das trotz vorangegangener Zahn-OP keinesfalls „anästhesiert“.

Jochen Seitz im Interview (© Moritz Hahn)

Jochen Seitz im Interview (© Moritz Hahn)

Seit zwei Wochen ist Winterpause in der Bayernliga Nord, wobei ihr aufgrund zweier ausgefallener Spiele schon zuvor phasenweise im Stand-by-Modus wart. Seid ihr jetzt eigentlich schon in der Tiefenregenerationsphase?

Wir haben noch eine Woche weitertrainiert, weil ich noch einmal mit jedem Spieler ein Einzelgespräch führen wollte, über die vergangene Zeit bzw. um Perspektiven aufzuzeigen, was jetzt noch in der Rückrunde auf jeden Einzelnen zukommen wird. Aber wir sind jetzt seit einer Woche in der Winterpause.

Auf Tabellenplatz fünf mit lediglich noch sechs Punkten auf Tabellenführer Eichstätt, nach dem man – um es mit Uli Hoeneß zu sagen – lange Zeit mit dem Fernglas suchen musste. Ist die Viktoria zur Winterpause nicht eigentlich schon weiter, als Du es Dir beim Antritt Deines Trainerjobs erträumt hattest?

Beim Antritt war natürlich oberste Prämisse, wieder einen attraktiven Fußball zu spielen, gerade in den Heimspielen, die zuvor nicht so erfolgreich verliefen. Im Endeffekt wollten wir irgendwo im oberen Drittel landen, um dann darauf aufzubauen. Durch die jüngsten Erfolge haben wir freilich wieder Begehrlichkeiten geweckt, dahin gehend, an die Regionalliga ran zu schnuppern. Das ist jetzt nicht unser primäres Ziel, doch wenn es wirklich dahin kommen sollte, würden wir das natürlich gerne mitnehmen.

Was ist nach den Festtagen geplant, um den Spannungsbogen wieder aufzubauen?

Die Spieler haben einen Trainingsplan mit nach Hause bekommen, demzufolge sie auch ab Anfang Januar zu Hause im läuferischen Bereich wieder etwas machen sollten. Am 16. Januar fangen wir dann auch wieder offiziell mit dem Training an.

Du hast in einem Interview angekündigt, dass die Viktoria nach der Winterpause noch einmal ganz oben angreifen wolle. Das Restprogramm spricht zumindest nicht dagegen, denn es hält – vom schweren Nachholspiel in Eichstätt einmal abgesehen – für die Viktoria durchweg lösbare Aufgaben bereit. Wie siehst Du das?

Wir müssen nicht nach anderen Mannschaften schauen, denn wir haben es tatsächlich noch in der eigenen Hand. Nach einer guten Vorbereitung müssen wir sofort bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs hellwach sein, denn es sind ja nur noch 13 Spiele zu absolvieren. Wenn wir wirklich oben angreifen wollen, dürfen wir keine Punkte mehr herschenken. Alles ist möglich und nicht zuletzt das macht den Saison-Endspurt so interessant.

In der Winterpause werden aller Voraussicht nach keine weiteren Transfers getätigt. Nach der Saison wünschst Du Dir allerdings schon personelle Verstärkungen. Gilt das unabhängig von der Liga und wo siehst Du speziellen Handlungsbedarf?

Steigerwalds Leidenszeit hat ein Ende

Steigerwalds Leidenszeit hat ein Ende

Zunächst mal denke ich, dass wir momentan gut aufgestellt sind. Lediglich Jakob Traut , der für drei, vier Monate nach Australien geht, wird uns in der Rückrunde nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir haben keinen akuten Handlungsbedarf, aber wenn es irgendwo einen interessanten Spieler gäbe, müsste man sich das natürlich sehr gut überlegen. Auf der Torhüter-Position sind wir nun noch breiter aufgestellt, da Stefan Steigerwald ab Januar wieder zum Kader stößt. In der Sommerpause wird es Veränderungen geben, keine Frage. Die restliche Runde wird uns auch dazu dienen, einige Spieler zu beobachten, bei denen wir noch im Unklaren sind, ob es über die Saison hinaus reicht. Ich habe schon drei, vier Gedankengänge bezüglich Neuzugängen, beziehungsweise auf welchen Positionen ich diese möchte. Darüber hinaus werden wir uns natürlich auch umschauen.

Am kommenden Samstag steigt die Weihnachtsfeier der ersten Mannschaft im „Stengers 1901“. Kennst Du Dein Team schon gut genug, um zu ahnen, was für Dich als Geschenk unter dem Baum liegen wird?

(Lacht) Ich hatte gestern erst eine Zahn-OP und liege mit einer dicken Backe zu Hause. Von daher bin ich noch gar nicht sicher, ob ich am Samstag dabei sein kann. Was Geschenke betrifft, so lasse ich mich da überraschen, erwarte allerdings auch nichts Großes. Eine kleine Anerkennung wird es mit Sicherheit geben für unsere geleistete Arbeit in diesem Jahr. Große Sprünge kann der Verein ja auch nicht machen. Er soll lieber das Geld sparen für die Spieler, aber auch für die Jugend, wo Geld immer benötigt wird. Eine kleine Anerkennung ist gut, aber große Geschenke erst dann, wenn wir vielleicht den Aufstieg geschafft haben.

Weihnachten und Jahreswende ist die Zeit der Grußbotschaften. Deine ganz persönliche an Fans, Mitarbeiter und Sponsoren der Viktoria?

Ich hoffe, dass es bei der Viktoria sportlich aufwärts geht. Dazu brauchen wir viele helfende Hände. Die Leute, die momentan dabei sind, tun ihr Möglichstes. Damit kann man sehr zufrieden sein. Für die Fans gilt es natürlich andere Leute zu animieren, ins Stadion zu kommen, um uns zu unterstützen. Die Leute, die aktuell im Stadion sind, machen das schon super, aber es wäre natürlich schön, wenn wir mal wieder vierstellige Zuschauerzahlen am Schönbusch hätten. Dann wären wir wieder auf dem richtigen Weg, um eventuell eine Klasse höher spielen zu können.

Herzlichen Dank, Jochen, für das Interview. Dir und Deinem Team besinnliche Feiertage, einen guten Rutsch und viel Erfolg im neuen Jahr. Dir speziell wünschen wir im neuen Jahr den „alten Biss“!

Schreibe einen Kommentar

*

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *