Hot! Gut gebrüllt, Viktoria

Die lange Anfahrt zur Münchner Grünwalder Straße mit Ankunft eine halbe Stunde vor Spielbeginn hinderten das von Werner Dreßel sehr gut eingestellte Team nicht daran, den Hausherren zu dokumentieren, dass der geographisch gesehen am „Schwanz des bayerischen Löwen“ situierte Fußball-Standort Aschaffenburg über all jene Eigenschaften verfügt, die dem majestätischen Wappentier des Bayernlandes so nachgesagt werden. Zwar ging man nach 90 intensiv geführten Minuten als 0:1-Verlierer ergebnistechnisch leer aus, doch fühlt sich dieses Resultat gegen den hohen Favoriten nachgerade wie ein Sieg an, auch und vor allem, weil die Mannschaft gegenüber den teils desaströsen Auswärtsauftritten der Hinrunde nicht wiederzuerkennen war.

Dabei dürfte sich bei den Weiß-Blauen mit einiger Verzögerung verständlicher Ärger einstellen, da ein Remis den Spielanteilen nach durchaus vertretbar gewesen wäre. Durch eine  von Beginn an konzentrierte, engagierte Abwehrarbeit fügte man sich nicht in das Löwen-typische Beuteschema und setzte seinerseits Nadelstiche. Ein als Flanke gedachter Freistoß von Simon Schmidt (16.) fand keinen Abnehmer, irritierte Freund wie Feind und strich um Zentimeter am Tor vorbei. Nachdem Löwen-Stürmer Bobby Wood im Viktoria-Strafraum  fiel und der Schiedsrichter einen Strafstoß verweigerte, reagierte die „Bestie“ zusehends gereizt mit wütenden Angriffen. Doch mit der Fintenhaftigkeit eines fliehenden Gnus überstand die SVA-Defensive die Drangphase der Gastgeber, wobei ihr auch das Glück des Tüchtigen zur Seite stand. So in der 24. Minute, als Philipp Steinhardt frei vor Maximilian Hinterkopf auftauchte und vergab. Dieses Glück hätte man dem SVA auch in der 49. Minute gewünscht, als SVA-Keeper Hinterkopf eine scharfe Hereingabe von Wood nicht festhalten konnte, doch beim aktuellen Liga-Topscorer Markus Ziereis war man mit diesem Ansinnen an der denkbar schlechtesten Adresse. Ein vernehmliches Krachen im Gebälk des Viktoria-Gebäudes war zu hören, man halluzinierte schon das große Getöse und die Staubwolke des nun folgenden, unvermeidlichen Zusammensturzes, und es geschah – nichts! Statt mit drei weiteren Gegentoren in Unterwürfigkeitshaltung zu gehen, trat man den Löwen mit drei gelben Karten gehörig ans Schienbein, die das im Schmerzgedächtnis abspeicherten und merklich auf die (Angriffs-)Euphoriebremse traten. Auf diese Weise legte die Dreßel-Elf den Grundstein für die große Schlussoffensive, die sie noch einmal dem gerechten Lohn für ihr  couragiertes Auftreten ganz nahe bringen sollte. In der 78. Minute parierte Löwen-Torwart einen Freistoß von Schmidt mit Müh und Not. Nach der anschließenden Ecke wurde ein Fiorentini-Kopfball von Chris Schindler auf der Linie geklärt. Natürlich machten die Dreßel-Mannen nun auf, was auch den Hausherren zu einigen hochkarätigen Chancen in der Schlussphase verhalf. Am Spielstand änderte sich allerdings nichts mehr. Die ungewohnt zerrupften Löwen durften sich im Anschluss an ihren schmutzigen Sieg noch über die an diesem Tage eroberte Tabellenführung der Regionalliga Bayern freuen.

Die Moral, mit der man in der Landeshauptstadt auftrat, gilt es auf Seiten des SVA in das samstägliche Heimspiel gegen Ingolstadt zu transportieren, neben den Löwen die Mannschaft der Stunde in der Liga. Dass sie „bella figura“ machen kann, hat die Mannschaft von Werner Dreßel heute bewiesen, ob sie auch die Effizienz hat, in den Schlüsselspielen im Kampf um den Klassenerhalt zu punkten, das kann sie am Samstag zeigen. Dabei sollte sich auch das Aschaffenburger Publikum wieder als Regionalliga-tauglich erweisen, denn diese Mannschaft  hat eine bessere Unterstützung verdient, als ihr im Auftaktspiel zuteil wurde.

 

TSV 1860 München II – SV Viktoria 01 Aschaffenburg 1:0 (0:0)

München: Eicher − Schindler, Wolf, Rech, Steinhart − Killer, Wannenwetsch (C), Vollmann (92. Bühler) − Kamara (65. Koussou), Ziereis, Wood (82. Jais)

Aschaffenburg: Hinterkopf – Tewelde, Kaesler (70. Löhr), Brüdigam, Ulbricht – Sternheimer, Cheron, Schmidt (C), Bachmann – Murtic (54. Fiorentini), Fiordellisi

Tore: 1:0 Markus Ziereis (49.)

Gelbe Karten: – / Kaesler, Ulbricht, Löhr

Zuschauer: 200 (Platz 1, Sportzentrum Grünwalderstraße)

Schiedsrichter: Felix Hoffmann (Pfarrweisach)

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