Hot! Habemus Giulio

Es raucht wieder mal beim SVA, aber diesmal in Weiß

Noch vor kurzem, beim Testspiel gegen den TSV Pflaumheim, deutete er gegenüber einem wissbegierigen Fan durch eine vage Handbewegung an, dass es sich hinsichtlich seiner Vertragsverlängerung um ein schwebendes Verfahren handele. Das Urteil ist nunmehr gefallen: Giulio Fiordellisi bleibt und mit ihm ein Stück Kontinuität am Schönbusch.

Gerade in Zeiten eines radikalen Umbruchs ist es wichtig, in Spielern wie Max Hinterkopf, Markus Brüdigam, Simon Schmidt und eben Giulio der Mannschaft ein Rückgrat zu geben, das gewissenmaßen das Scharnier zwischen „Tradition und Moderne“ darstellt. Auf diese Identifikationsfiguren mit dem zusätzlichen Bonus Regionalligaerfahrung gänzlich zu verzichten, das hieße – zumindest in den Augen der Fans – eine Mannschaft der Beliebigkeit auszuliefern. Das ist wiederum nicht im Sinne des sportlichen Leiters Peter Löhr, selbst ein Stück fleischgewordene weiß-blaue Tradition.

Was die Vereinszugehörigkeit der aktuellen SVA-Spieler anbelangt, ist der Begriff „Tradition“ ohnehin ein relativer, denn die bewegte jüngere Historie des unterfränkischen Traditionsclubs war nicht gerade ein Nährboden für Kontinuität. Genau gesagt reicht jene „Tradition“ bis zur so genannten „Stunde Null“ zurück, als die Viktoria in der Saison 2010/2011 im Zuge des laufenden Insolvenzverfahrens in die Verbandsliga Hessen Süd herabgestuft wurde. Wenn es auch mancherorts in Vergessenheit geraten zu sein scheint: Damals war es Giulio, der mit fabelhaften 28 Saisontreffern maßgeblich zum direkten Wiederaufstieg in die Oberliga Hessen beitrug. Auch dort wollte der des Öfteren von den Fans mit lautstarken Sprechchören gefeierte Ur-Viktorianer, der lediglich einmal in seiner sportlichen Laufbahn den heimischen Schönbusch in Richtung des benachbarten Seligenstadt verließ, nicht kleinlich sein und tat mit neun Gastgeschenken alles dafür,  dem HFV zum Liga-Abschied in nachdrücklicher Erinnerung zu bleiben. Wenngleich das Toreschießen mit jeder nächsthöheren Liga sicherlich nicht leichter wird, knüpfte unsere Nummer 10 in der abgelaufenen Regionalliga-Bayern-Saison genau da an, wo sie in der Oberliga aufgehört hatte. Die Regionalliga Bayern als Eldorado der Torjäger hatte in Giulio bald einen ihrer Protagonisten. Ehe er am 27. Oktober 2012 mit jenem denkwürdigen Treffer zum 4:1 gegen den seinerzeitigen Tabellenführer Illertissen das Sahnehäubchen auf seine bis dato gezeigten Torjäger-Qualitäten setzte, hatte er es bereits neunmal in bayerischen Stadeln klingeln lassen. In dem Bewusstsein, dass diesem auch vom BFV zum „Tor des Monats“ gekürten Treffer ästhetisch nichts mehr hinzuzufügen ist, legte der Maestro nach diesem Finale den Taktstock nieder und verkündete das Ende der Fußball-Oper. Fortan war Winter-Neuzugang Peter Sprung für die Tor-Musik zuständig, mit nicht so wohltönender klassischer Komplexität, dafür aber mit dem ungeheuren, das sportliche Überleben sichernden Pragmatismus eines professionellen Hit-Schreibers.

Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass Giulio schon immer ein „spielender Stürmer“ war, den man nicht nur an seinen Toren messen sollte. Allzu oft leistete er in torabstinenten Zeiten gerade auf der Position der hängenden Spitze wertvolle Assists. Zum anderen: Vielleicht ist Giulio mit seinen neapolitanischen Wurzeln wie die meisten Südländer ein Wechselblüter, der für das Erreichen der optimalen Betriebstemperatur ideale klimatische und atmosphärische Bedingungen benötigt? Wenn dem so ist, dann könnte in Anbetracht des gerade beginnenden Sommers wie auch der zwischenzeitlich bereinigten atmosphärischen Trübungen für die nächste Saison wieder mit einem Ausbruch des lange Zeit vor sich hin köchelnden Vesuv zu rechnen sein. Gegen den breiten, rotglühenden Lavastrom, der sich dann über die bayerische Fußball-Landkarte ergießt, ist noch kein Kraut gewachsen bzw. keine Elementarschadenversicherung erfunden.

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