Hot! Weit mehr als ein „Oldie-Idol“: Viktoria-Ikone Heinz Budion wird 90

In den Nachkriegsjahren federführend am ruhmreichsten Kapitel der Viktoria-Historie mitgeschrieben

Mit anderen Zeiten kommen auch neue Fan-Generationen, und so dürfte das Erinnerungsvermögen der allermeisten Viktoria-Fans kaum weiter als zu der legendären  Pokalschlacht gegen den 1. FC Köln im Jahre 1987 zurückreichen. Oft wird darüber vergessen, dass die Viktoria ihre Glanzzeit in den fünfziger und sechziger Jahren hatte, als sie lange Jahre der Oberliga Süd angehörte und vor großer Kulisse u. a. gegen die damaligen Topadressen des deutschen Fußballs, 1. FC Nürnberg und 1860 München, antreten durfte. Spielführer Heinz Budion, dessen Name wie kein anderer für diese goldene Zeit steht, feiert heute, am 18. Dezember 2014, seinen 90. Geburtstag.

Vorsitzender Martin ehrt Budion vor dem Spiel gegen Kickers Offenbach

Vorsitzender Hans Martin ehrt Heinz Budion vor dem Spiel gegen Kickers Offenbach

Nach seinen Anfängen als Straßenfußballer schloss sich der Jubilar als 14-Jähriger der Viktoria an. Nach seiner Rückkehr aus französischer Kriegsgefangenschaft in 1946 realisierte er zunächst mit seinem Team den Aufstieg aus der Hessenliga in die Oberliga Süd, wo man dann zehn Jahre mitmischte. Heinz Budion absolvierte in der 1. und 2. Liga insgesamt 394 Pflichtspiele und traf für seinen SVA 109-mal ins Schwarze. Der torgefährliche Linksaußen mit der Trikotnummer 11 weckte aufgrund seines herausragenden Talents nicht nur bundesweit Begehrlichkeiten, Viktoria-Coach Ludwig Janda versuchte ihn – in dieser Zeit absolut ungewöhnlich – sogar nach Italien zu lotsen. Der Jubilar blieb standfest und widersetzte sich allen Abwerbungsversuchen, auch als Vertreter von Eintracht Braunschweig mit einem Geldkoffer mit der damals unmoralischen Summe von „ca. 10- bis 20.000 Mark“ in seiner Heimatstadt auftauchten. Kickers Offenbach versuchte es „auf die gediegene“ und stellte dem weiß-blauen Fußballgott kurzerhand über Nacht ein Sofa in seinen Dämmer Garten. Obwohl er beim hessischen Nachbarn bedeutend mehr verdient hätte, so Budion, „bin ich immer Viktorianer geblieben“.

Ehrenspielführer Heinz Budion stand zwischen 1946 und 1962 in 394 Pflichtspielen in der 1. und 2. Liga Süd für die Viktoria aktiv

Ehrenspielführer Heinz Budion stand zwischen 1946 und 1962 in 394 Pflichtspielen in der 1. und 2. Liga Süd für die Viktoria aktiv

Im Übrigen dürfte Heinz Budion bis heute der einzige waschechte Viktorianer sein, der jemals als Weltmeisterschaftskandidat im Notizbuch eines Nationaltrainers stand. Kein Geringerer als der legendäre Sepp Herberger hatte ihn auf seiner Liste für die Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern, welche später als das „Wunder von Bern“ Fußballgeschichte schreiben sollte. Dass Budion nicht als WM-Held von 54 in die „Hall of Fame“ eingegangen ist, ist auf einen die Turnierteilnahme unmöglich machenden Muskelriss im Oberschenkel zurückzuführen, den er sich in einem Vorbereitungsspiel – dem B-Länderspiel gegen die Schweiz – zugezogen hatte. So blieb es bei einer einmaligen Berufung ins A-Nationalteam.

Auch nachdem er im Alter von 36 Jahren seine Karriere beendet hatte, blieb Budion seiner Viktoria stets verbunden. In diesem Jahr machte das Ehrenmitglied 75 Jahre Vereinszugehörigkeit voll. Die ganze Viktoria-Familie wünscht Heinz Budion zu seinem Ehrentag alles Gute, Gesundheit und nicht zuletzt, dass er seine humorvolle Art, mit der er stets abseits des Spielfeldes brillierte, bewahren möge. Nicht nur die immer weniger werdenden Zeitzeugen, die bei der Nennung des Namens „Budion“ auch heute noch glänzende Augen bekommen, würden sicher eine „Vermächtnispflege Pfälzer Art“ begrüßen, wenn – Vorbild 1. FC Kaiserslautern – das Schönbusch-Stadion eines schönen Tages in Heinz-Budion-Stadion umbenannt werden würde.

1 Kommentar

  1. ich gratuliere Dir, Heinz Budion, ich erinnere mich gerne an diese wunderbare Zeit, wir haben auch schon zusammen gesessen (mit Deiner Frau) bei einem guten Schoppen. Ich wuensche Dir noch viel Gesundheit und weiterhin einen schoenen Lebensabend, alles Gute fuer Dich. Ich lebe jetzt in Chicago, denke aber immer noch als Ascheberscher-Viktorianer. Danke fuer all das, was Du fuer die Viktoria und Aschaffenburg getan hast.
    herischobert@yahoo.com

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