Hot! Heinz Stenger erinnert sich an seine bisherigen 67 Jahre beim SVA

Wer kennt ihn nicht, den Mann mit dem weißen Haar und der Pfeife oder der Zigarre? Es mag viele Menschen geben, die mit der Viktoria gedanklich verbunden werden. Aber wenige Menschen haben den Verein so geprägt und wurden gleichzeitig von ihm so geprägt wie Heinz Stenger, der über Jahrzehnte hinweg seine Freizeit vor allem für die Jugend der Viktoria geopfert hat. Und noch heute verbringt er fast jede freie Minute auf dem Vereinsgelände. Wenn die Heimspiele der ersten Mannschaft angepfiffen werden, nimmt er selbstverständlich seinen Stammplatz auf der alten Tribüne rechts neben der Sprecherkabine ein. Heinz Stenger im Gespräch mit Markus Kammann über Vergangenheit, Zukunft, aber vor allem über das, was ihm im Club am meisten am Herzen liegt.

Heinz, jeder, der das Stadion am Schönbusch besucht, kennt Dich. Man kann schon sagen, dass Du hier zum Inventar gehörst. Aber keiner weiß wohl genau, wie Du zu diesem Verein gekommen bist. Möchtest Du mir verraten, wann und wie es dazu kam?

Zur Viktoria bin ich 1945 als junger Bub gekommen. Ich wechselte damals von Rot-Weiss Aschaffenburg zur Viktoria. In meinem letzten Spiel bei Rot-Weiss verloren wir gegen die Viktoria 3:2. Helmut Dorn, ein guter Freund von mir und späterer Jugendnationalspieler, schoss drei Tore für die Viktoria und ich zwei für Rot-Weiss. Und nach dem Spiel wechselte ich eben zur Viktoria.

Für einen Verein zu spielen und die Knochen hin zu halten ist das eine. In die Funktionärsrolle zu schlüpfen und die Nase in den Wind zu halten ist aber etwas ganz anderes. Kannst Du mir sagen, wie Du in diese Rolle geschlüpft bist?

H.V. Schneider, der damalige Jugendleiter des Vereins, schleppte mich sozusagen zu jedem Clubabend. Er war beinamputiert und ich half ihm eben so gut, wie ich das konnte. Auf diese Weise schnupperte ich ein wenig in die Vereins- und Verbandsarbeit hinein. Auch Rudi Osé, bis 1971 selbst Jugendleiter und vor allem für lange Zeit ein grandioser Stadionsprecher, hat mich damals sehr in diese Richtung beeinflusst.

In den Jahren, seit Du zum Verein gestoßen bist, ist ja vieles passiert – gibt es für Dich einen Augenblick, den Du als schönsten bezeichnen würdest?

Ich hatte sehr viele schöne Momente in meinem Verein. Sportlich waren sicher die Jugendturniere in Veendendaal (Holland) große Highlights für mich. Als Funktionär fand ich es sehr beeindruckend, bei der 100-Jahr-Feier der Viktoria neben dem damaligen DFB Präsidenten, Gerhard Mayer-Vorfelder, sitzen zu dürfen.

Die Viktoria hat aber nicht nur erfolgreiche Augenblicke hinter sich, sondern ist in den letzten Jahrzehnten durch viele Wellentäler gegangen. Gibt es einen Augenblick, der für Dich am schmerzhaftesten war?

Es gab sicherlich den einen oder anderen Moment, der mir wehgetan hat. Egal, ob es jetzt ein Abstieg in letzter Sekunde war oder ein unglücklich verlorenes Spiel. Auch in manchen Vorstandssitzungen lief sicher nicht alles in meinem Sinn, aber an eine bestimmte Situation kann ich mich gar nicht erinnern und das möchte ich auch nicht wirklich. Meine Liebe zur Viktoria war immer da und daran konnten auch Rückschläge nichts ändern.

Jeder weiß, dass Du Dein Geld mit Tabakwaren verdient hast. Dein Sohn führt den Laden weiter, Deine Frau steht noch manchmal im Laden. Wie hast Du es geschafft, Deine Rolle als Funktionär, Deinen Job und Deine Familie mit immerhin 4 Kindern unter einen Hut zu bekommen?

Ich glaube, in erster Linie müsste diese Frage meine Frau beantworten. Aber ich hatte in den „wilden Zeiten“ einen guten Freund namens Manfred Horlemann, der mich beruflich sehr unterstützte und mir viel Arbeit abnahm. Zu Hause führte meine Frau Regie und durch unseren Zusammenhalt konnten wir manches Problem meistern. Aber ohne gute Freunde und Hilfe in der Familie wäre das nicht gegangen. Ohne die Hilfe meiner Frau Gerda hätte es schon gar nicht funktionieren können.

Wenn Du zurückschaust: Gibt es etwas, was Dich an Deiner Arbeit besonders stolz macht?

Es gibt viele Dinge, auf die ich stolz bin. Ganz besonders stolz bin ich darauf, dass ich vielen Spielern helfen konnte, ihren Weg in die Bundesliga zu finden. Und natürlich bin ich sehr stolz auf meine Familie, die es all die Jahre mit mir ausgehalten hat.

Wir sind ja hier ja unter uns: Gibt es auch etwas, was Du nach all den Jahren bei der Viktoria bereust und heute anders machen würdest?

 Ehrlich gesagt würde ich vermutlich alles wieder genauso machen. Sicher gibt es das ein oder andere, bei dem ich heute ins Grübeln komme, aber wenn ich wieder vor diesen Aufgaben stehen würde, befürchte ich, ich würde alles wieder genauso entscheiden.

Wenn man so lange bei einem Verein wie der Viktoria ist, hat man viele Spieler kommen und gehen sehen. Gab es Spieler, die Du ganz besonders gemocht hast?

Hans Neuschäfer und das Duo Heinz Budion und Hubert Staab. Alle drei spielten ja auch in der Nationalmannschaft und mit Hubert Staab verband mich eine lange und intensive Freundschaft.

Der Fußball hat sich in den letzten 60 Jahren sicher verändert. Was ist heute ganz anders als früher?

Das Spiel hat sich grundsätzlich geändert. Die Spielweise heutzutage ist viel härter und schneller. Natürlich gibt es auch spielerisch heute mehr zu „bewundern“. Ein Fußballer heute muss einfach sportlich topfit sein, um mithalten zu können. Auch läuferisch sind die Anforderungen heute viel höher als damals.

Ich verrate ja nicht zu viel, wenn ich sage, dass Du in diesem Jahr 80 Jahre alt wirst. Was versprichst Du Dir für die Zukunft von Deiner Viktoria?

Ich würde mir wünschen, dass die Mannschaft die Regionalliga halten kann und mittelfristig wünsche ich mir einen Aufstieg in die dritte Liga. Wünschen darf man sich ja bekanntlich, was man will.

Wenn Du dem jetzigen Präsidium etwas mit auf den Weg geben könntest – was würde Dein Tipp für uns sein?

Ich würde mir mehr Engagement im Jugendbereich wünschen und ganz besonders der A-Jugend. Denn nur mit eigenen Jugendspielern in der ersten Mannschaft haben wir eine Zukunft.

Dein letzter Gedanke?

Ich habe ja auf dem Vereinsgelände das Jugendheim und auch das Vereinsheim maßgeblich mitgeprägt und darauf bin ich auch sehr stolz. Ich würde mir wünschen, dass unser Präsidium diese Dinge hegt und pflegt. Denn unser Vereinsgelände kann sich mit jedem anderen messen. Wenn die verantwortlichen Leute auch in der Zukunft darauf achten, ist mir um diese Zukunft nicht bange.

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