Hot! Hektische Betriebsamkeit in der REM-Phase

Die Regionalliga Bayern befindet sich ja momentan noch im Winterschlaf, allerdings befindet man sich schon unmittelbar in der Aufwachphase. Da tut es Not, die Gedanken zu sortieren, beginnend am besten damit, zu rekonstruieren, was den Vereinen unmittelbar zuvor in der REM-Phase widerfuhr. Trotz der Energiedrosselung waren die Gehirne der Vereinsverantwortlichen sehr aktiv und vollzogen unter schnellem Wimpernschlag eine Reihe personeller Transfers, die mit Bestimmtheit ihre Auswirkungen auf die Spielstärke der jeweils betroffenen Teams in der verbleibenden Spielzeit haben werden. Wenn es in der neu eingeführten Regionalliga Bayern ein Synonym für Torgefahr gibt, dann ist das Ingolstadts Angreifer Karl-Heinz Lappe, der mit 21 Treffern aktuell an der Spitze der Torjägertabelle der RL Bayern steht. Diese unbestrittenen Qualitäten waren auch der Anlass dafür, dass Lappe jüngst seinen Einstand im Profiteam des FC Ingolstadt 04 geben durfte, und sich prompt mit einem sehenswerten Tor bedankte. Man darf sicher sein, dass den Donaustädtern bei der Meldung „Lappe weg“ ein ganz ähnlicher Schreck in die Glieder fahren würde wie jedem x-beliebigen motorisierten Verkehrsteilnehmer auf Deutschlands Straßen. Zumindest dürfte es sich im Fall Lappe als Pattex erweisen, dass der eigene Verein dem Stürmer die Möglichkeit bietet, seine Profi-Ambitionen in der ersten Mannschaft zu realisieren. Eine Möglichkeit, die seine härtesten Rivalen um die Torjägerkrone Bernd Rosinger vom SV Seligenporten (16 Tore) und Stefan Lex (15 Tore) vom TSV Buchbach in ihren Heimatvereinen so nicht finden. Das dürfte der Grund dafür sein, dass es die beiden jungen Torjäger in der Winterpause zu Vereinen zog, wo es diese (Profi-)Luft zu schnuppern gibt: Bernd Rosinger zu 1. FC Nürnberg II und Stefan Lex zur SpVgg Greuther Fürth II. Zumindest für Rosinger soll die U23 des Clubs nach eigenem Bekunden „nur Durchgangsstation“ sein. Man darf gespannt sein, ob es den Youngsters wirklich gelingt, die Regionalliga Bayern als Sprungbrett in die Welt des Profi-Fußballs zu nutzen. Vor allem für die konkurrierenden Vereine dürfte es indes von Interesse sein, welche Folgen diese Personalveränderungen für die Spielstärke der unmittelbar betroffenen Vereine haben. Konkret: Was bleibt, wenn der Alleinunterhalter im Sturm fehlt?

Diese Probleme dürfte die Reserve des derzeitigen Bundesliga-Alleinunterhalters Bayern München kaum haben, verfügt sie doch wie die Heynckes-Truppe über eine Kompaktheit, die sie fast jeden Ausfall kompensieren lässt. Die winterlichen Abgänge der Stürmer Mitchell Weiser, der künftig mithelfen soll, die roten Teufel von ihrer Zweitliga-Hölle zu erlösen, und Tobias Schweinsteiger, der sich dem Drittligisten SpVgg Unterhaching anschließt, wiegen zwar nominell schwer, sind andererseits nicht dafür geeignet, als Rechtfertigung für ein weiteres Absacken in der Tabelle herangezogen zu werden. So oder so blieb man bislang hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Unser unterfränkischer Lokalrivale Kickers Würzburg hat mit der Vertragsverlängerung seines Top-Torjägers Christopher Bieber (11 Tore) ein deutliches Zeichen gesetzt, dass man den unvermuteten Aufstieg in die höchste bayerische Amateurklasse dazu nutzen will, das Oberzentrum Würzburg, mit 133.000 Einwohnern immerhin fünftgrößte Stadt Bayerns, nach langen Jahren fußballerischer Bedeutungslosigkeit wieder als erste Adresse in der Region bayerischer Untermain zu etablieren. Diese Entwicklung gilt es im Auge zu halten, da hier offensichtlich der weiß-blauen Diva vom Main eine ganz starke Konkurrenz vor der eigenen Haustür erwächst, was die Vormachtstellung in der Region angeht. Augenscheinlich ist man auf Seiten der Residenzstädter bereit, einiges an Mitteln in dieses Vorhaben zu investieren.

Eine Personalie, die in der überregionalen Sportpresse die Runde machte, war zum 1. Januar 2013 die Beförderung des bisherigen U23-Coach Michael Wiesinger auf den Cheftrainerposten der Clubberer. Der frühere Mittelfeldspieler, der es als Aktiver beim Club in den Jahren von 1993 bis 1999 auf 186 Erst- und Zweitligaeinsätze brachte und dabei 25 Tore erzielte, löste den nach Wolfsburg abgewanderten Dieter Hecking als Chefcoach ab. Seit seinem Amtsantritt wurde in sechs Spielen nur einmal verloren (0:3 in Dortmund) und mit 7:7 Punkten eine ausgeglichene Bilanz vorgelegt. Als neuer Trainer der U23 fungiert nun Dieter Nüssing. Wo wir schon bei den bayerischen Traditionsvereinen sind: Mehmet Scholl gab in der Winterpause bekannt, dass er seinen bis 2014 laufenden Vertrag bei der Bayern-Reserve nicht erfüllen, sondern mit Ablauf der RL-Saison 2012/2013 vorzeitig aussteigen wird. Als Grund nannte er „Interessenskonflikte zwischen seiner Funktion als Angestellter des FC Bayern München und seiner Anstellung als Kommentator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen („Dekubitus-Affäre“). Jedoch könnte man durchaus darüber spekulieren, ob sich der um den Verein verdiente Scholl gerade auch im Hinblick auf die Wiesinger-Beförderung als Trainer der 2. Mannschaft trotz eines sicherlich üppigen Salärs nicht genügend wertgeschätzt fühlt. Sollte er Hoffnungen auf einen ähnlichen Karrieresprung gehabt haben, so hätte ihn ein Blick auf die vergangenen Trainerposten-Besetzungen des ehrwürdigen FC Bayern München eigentlich eines Besseren belehren müssen. Ob Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes oder jetzt Pep Guardiola: Man muss schon arrivierter Grandseigneur und gleichzeitig steinernes Fußball-Monument sein, um auf dieser Bank Platz nehmen zu dürfen. Da passt „Scholli“ mit seiner (durchaus sympathischen) Jungenhaftigkeit schlecht rein. Zwar  schillert er nicht wie Lothar Matthäus in allen Regenbogenfarben, aber der bekäme laut Uli Hoeneß ja nicht mal einen Job als Greenkeeper. Davon abgesehen: Einen Juniorentrainer mal eben zum Cheftrainer zu machen, wie jüngst beim Club oder beim VfB Stuttgart (Jens Keller) geschehen, das wird es bei den Bayern wohl nie geben, von einer kurzfristigen Interimslösung mal abgesehen.

Lokalrivale 1860 München ist diesbezüglich viel lockerer drauf und beförderte seinen Regionalliga-U21-Trainer und Co-Trainer bei den Profis Alexander Schmidt im November des letzten Jahres kurzerhand zum Chefcoach der Zweitligaprofis. Nach Aussage der Vereinsoberen handelt es sich dabei um „keine Zwischenlösung“. Schmitt beerbte Rainer Maurer, der wegen der sportlichen Talfahrt mit sechs Punkten Rückstand auf den begehrten Relegationsplatz von seinem Amt entbunden wurde.  Auf Druck des millionenschweren Investors Hasan Ismaik sollte Schmidt zu Beginn des Jahres mit Starcoach Sven Göran Ericsson – u.a. früherer Trainer der Three Lions – einen weltberühmten Assistenten zur Seite gestellt bekommen. Allerdings lehnte er kurzerhand ab und der TSV steht aktuell immer noch mit sechs Punkten Rückstand auf den 3. Tabellenplatz (derzeitiger Inhaber: Kaiserslautern) im direkten Verfolgerfeld. Zu unbeständig sind die Leistungen der Giesinger, deren Saisonziel nach dem Willen des Investors „Aufstieg auf Biegen und Brechen“ heißt. Alexander Schmitt, der den Trainerposten bei den Profis als seinen „Traumjob“ bezeichnete, ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden, während sein Nachfolger auf der Bank des U21-Regionalliga-Teams Markus von Ahlen ganz sicher davon profitieren wird, dass Alexander Schmidt eine „blutjunge Mannschaft in kürzester Zeit zu einem Aufstiegskandidaten formte“, wie es in der SZ hieß. Der frühere Fußballprofi (u.a. Leverkusen) Markus von Ahlen betreute nach seiner aktiven Laufbahn die B-Junioren-Teams von Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV, was ihn für diesen Posten bei den kleinen Löwen geradezu prädestiniert.

Man sieht: Die altgriechische Weisheit Panta rhei (Alles ist im Fluss) lässt sich sehr schön auf die Regionalliga Bayern anwenden. Das heißt im Umkehrschluss, dass diese Liga alles andere als eine Sackgasse ist. Darum – und hier sei abschließend ein Blick durch die Vereinsbrille erlaubt – muss es für den SVA oberstes Gebot sein, diese Klasse sportlich (und selbstredend auch finanziell) unter allen Umständen zu halten – wider die Perspektivlosigkeit und Stagnation der letzten Jahrzehnte.

Schreibe einen Kommentar

*

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *