Hot! Herzschlagfinale gegen den „Meister der Herzen“

Wenn am 38. und letzten Spieltag der Regionalliga Bayern der SV Viktoria beim FV Illertissen, der gegenwärtig besten bayerischen Amateurmannschaft, seine Visitenkarte abgibt (Samstag, 14 Uhr, Vöhlin-Arena), dann dürfte die weiß-blaue Gemütslage durchaus zwiespältiger Natur sein.

Zum einen werden da Erinnerungen an eine Sternstunde der Schönbusch-Elf wach, die noch heute den damals 425 anwesenden Hardcore-Fans runtergehen wie Öl. Gerade einmal drei Wochen nach der desaströsen 0:5-Niederlage gegen Bayern München vor 4.030 Event-„Fans“ spielte sich der SVA in der zweiten Halbzeit in einen wahren Rausch und fertigte den damals leicht schwächelnden Tabellenführer am Schönbusch mit 4:1 ab. Es ist andererseits stark damit zu rechnen, dass diese Pleite auf der Festplatte der Bachthaler-Elf abgespeichert ist, insbesondere da die Anzahl ihrer sportlichen Negativerlebnisse in dieser Saison sehr überschaubar ist. In der Tat erwies sich kein Team mental so gefestigt und diszipliniert wie die Mannschaft aus der Vöhlin-Stadt.

Schlechter als Rang 7 (1. Spieltag) stand der FVI nie, ganze 19 Spieltage (vom 3. bis zum 22. Spieltag) grüßte er als Tabellenführer, um dann erst im neuen Jahr nach der Aufstiegsverzicht-Erklärung den aufstrebenden Reserveteams der Bayern und der Löwen den Vortritt lassen zu müssen. Aber auch in 2013 war die Performance der Allgäuer souverän genug, sich alle Mitkonkurrenten um den Titel des besten bayerischen Amateurteams nachdrücklich vom Leibe zu halten. Schon am 36. Spieltag konnten sie mit einem 1:0-Auswärtssieg bei Greuther Fürth den Lohn für eine überragende Saison einstreichen und als bester bayerischer Amateurverein in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals einzuziehen. Ein warmer Geldregen, der sicher auch dem SVA gutgetan hätte. Wenn sie sich dafür mit dem direkten Klassenerhalt trösten könnte, so hätte die weiß-blaue Diva sicherlich nichts dagegen einzuwenden, denn wer braucht schon Luxus, wenn es um das Existentielle geht. Wenngleich das Team von Julio Alvarez mit der vollen Punktzahl aus den letzten zwei Spielen gerade noch rechtzeitig lebensrettende Maßnahmen eingeleitet hat, hängt man im Falle einer Niederlage im letzten Saisonspiel beim Tabellendritten noch am Tropf der Partie in Frohnlach. Die dort gastierende SpVgg Bayern Hof könnte, einen eigenen Sieg vorausgesetzt, dann noch am SVA vorbeiziehen und diesen auf den undankbaren Relegationsplatz 16 verweisen. Während dies der Sichtweise des halbleeren Glases entspricht, so besteht die des halbvollen darin, dass es der SVA in der eigenen Hand hat, durch einen Punktgewinn im Vöhlin-Stadion den sportlichen Klassenerhalt perfekt zu machen. Da bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt, müsste Hof selbst bei einem Sieg den Gang in die Relegation antreten. Freilich mag man es als fraglich ansehen, ob Illertissen als Residenz des mittelalterlichen Kaufmannsgeschlechts derer von Vöhlin sich auf diesen Kuhhandel einlässt, aber vielleicht startet die weiß-blaue Diva gegen den in punkto Vereinsfarben gleich gewandeten Klassenprimus wieder eine ihrer berüchtigten Charmeoffensiven?

Hätte der SVA zu Hause gegen Absteiger Frohnlach nur einen müden Punkt eingefahren, wäre er jetzt schon durch und müsste nicht mehr zittern. Ein schmerzhafter Gedanke, aber vielleicht ein Grund mehr für das Team um Kapitän Simon Schmidt, ihrem kurz vor Pfingsten zu einem Himmelfahrtskommando verpflichteten Coach Julio Alvarez mit dem am letzten Spieltag klargemachten sportlichen Verbleib in der Regionalliga ein Denkmal zu setzen. Denn Gespräche hin, Gespräche her: Wer von den Kandidaten hätte unter diesen Umständen den Job übernommen? Mit dem sportlichen Aufwärtstrend und einer respektablen Fanunterstützung im Rücken darf man den weiß-blauen Jungs noch einmal eine letzte physische wie mentale Kraftanstrengung abverlangen – und dann darauf hoffen, dass die in naher Zukunft mit Wohl und Wehe des Vereins befassten Herren die vollbrachte sportliche Leistung in ihrer Entscheidungsfindung zu berücksichtigen wissen.

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