Höhenrausch auf der Grünen Au

Freitag, 9. August, 18.30 Uhr: SVA gastiert bei der SpVgg. Bayern Hof

Auen sind per definitionem tief gelegene Landstriche, so genannte Niederungen an Flüssen oder Bächen. Die Hofer Bayern schienen diese topographische Besonderheit in der abgelaufenen Regionalliga-Saison 2012 in Bezug auf ihr sportliches Abschneiden allzu wörtlich genommen zu haben, zeigte der Tabellen-Pegelstand doch über weite Phasen „Land unter“. Erst durch einen lang angezogenen Schlussspurt bekam man den nicht mehr für möglich gehaltenen trockenen Boden unter den Füßen, nur um am letzten Spieltag durch eine 0:3-Niederlage beim schon abgestiegenen Schlusslicht VfL Frohnlach doch noch auf einem Relegationsplatz kleben zu bleiben. Eben dieser blieb unserer Diva dadurch erspart, ohne ihr eigenes Zutun übrigens.

7. Spieltag: SpVgg Bayern Hof – Viktoria Aschaffenburg

Für den Hofer Coach Norbert Schlegel blieb dieses Last-minute-Desaster nicht ohne Folgen: Er wurde mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Schon in den beiden Relegationsspielen gegen den TSV Großbardorf fungierte Daniel Felgenhauer als Spielertrainer. Der Ur-Hofer und spätere Profi (u.a. Greuther Fürth, Borussia Mönchengladbach) spielt seit 2010 wieder für die SpVgg. und war in dieser Zeit schon einmal in den Positionen des Spielertrainers sowie auch des Teammanagers aktiv. Während der Relegationsrunde wechselte sich Felgenhauer quasi selbst ein und erzielte in den beiden Spielen gegen Großbardorf jeweils einen Treffer. Mit einem 7:1-Auswärtssieg und der anschließenden, letztlich bedeutungslosen 2:3-Heimniederlage wurde die Klasse denkbar knapp gehalten.

Die erste Amtshandlung des Hofer Präsidenten Reiner Denzler die Regionalliga-Saison 2013/14 betreffend war ein Vertrag mit dem designierten neuen Coach Daniel Felgenhauer, der, mittlerweile 36 Lenze zählend, mit Ablauf der letzten Saison seine Spielerkarriere beendete. Aber nicht nur deshalb stehen die Zeichen auf Umbruch bei den Oberfranken, einen tiefen Einschnitt bedeutete vor allem der Verlust ihrer beiden Top-Torjäger Cem Ekinci und Daniel Schäffler. Cem Ekinci, in der RL Bayern für Hof 9-mal erfolgreich, wechselte zu Saisonbeginn zum Ligakonkurrenten SV Seligenporten, während Daniel Schäffler, der letztes Jahr für die SpVgg. 15-mal traf, seit dieser Saison dem Bamberger Reiter auf die Sprünge hilft. Bei all diesem verlustreichen Wandel zeigte sich Reiner Denzler noch kürzlich in einem interview froh, mit Torwart Christian Berchthold und Abwehrspieler Daniel Gareis auf einige Konstanten bauen zu können, die die Statik der neu formierten Mannschaft gewährleisten sollten. Mittlerweile scheiterten die Vertragsverhandlungen mit Berchthold, an seiner Statt steht nun Jiri Bertelmann, der vom tschechischen Zweitligisten FK Banik Sokolov kam, zwischen den Hofer Pfosten. Wenngleich ansonsten namhafte Zugänge Fehlanzeige sind, so hat sich das System Bayern Hof im bisherigen Saisonverlauf  als keinesfalls baufällig erwiesen. Die sechs Punkte, die man nach sechs Spieltagen auf die Habenseite brachte, entwickeln ihre eigene Aussagekraft im Vergleich, wenn man berücksichtigt, dass z.B. die kleinen Löwen, der letztjährige Meister, gerade mal ein Pünktchen mehr vorzuweisen haben. Auch die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Würzburger Kickers sind mit Punktgleichheit bei einem Spiel weniger noch in Schlagweite. Dass die Luft auf der Grünen Au für die Gäste dünner geworden ist, das hat neben den Löwen beim 1:1 am Eröffnungsspieltag auch die Club-Reserve zu spüren bekommen, die dort beim 1:2 Federn lassen musste.

Von großer Beredtsamkeit ist auch die Tordifferenz der SpVgg., die trotz der vergleichsweise bescheidenen sechs Punkte  mit 10:9 eine knapp positive Bilanz ausweist, ein Indiz für die Ebenbürtigkeit der Hofer in den bisherigen Partien. Die höchste Niederlage erlitt man beim 0:2 in Fürth. Das freilich vorläufige Resümee nach sechs Spieltagen bescheinigt dem Felgenhauer-Team im Gegensatz zu letzter Saison eine sportliche Handlungsfähigkeit, mittels derer es in der Lage sein dürfte, sich von der akuten Abstiegszone fernzuhalten. Auf dem  aktuell gehaltenen 12. Tabellenplatz befindet man sich derzeit in einer für ein Kellerkind ungewohnten Höhenlage, was schon für leichte Euphorie sorgen dürfte. Dies umso mehr, als man eine Klettertour mit Steilhängen hinter sich hat, wenn man mal die Qualität der bisher gespielten Gegner in Betracht zieht. Eine vergleichsweise leichte Bergpartie dürfte nach Hofer Dafürhalten das heutige Heimspiel gegen die Viktoria werden, die liebend gerne da stünde, wo sich die SpVgg. aktuell befindet, nämlich gemäß ihren Zielvorgaben im Soll. Für die Oberfranken geht es darum, sich zum einen für die bisher geleistete Ochsentour mit einem Dreier zu belohnen und einen weiteren Sprung nach oben in der Tabelle zu tun, zum andern aber – immer mit Blick auf das Saisonziel – auch darum, sich einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt vom Leib zu halten. Das Komljenovic-Team sollte sich vor Augen halten, dass dies vielleicht eine der letzten Gelegenheiten sein könnte, mit einem einzigen Sieg und entsprechend drei Punkten die Verhältnisse fürs Erste wieder gerade zu rücken, indem man den direkten Abstiegsplätzen den Rücken kehrt. Die SpVgg. Bayern Hof ist letzterdings nicht der schlechteste Gradmesser für den SVA, und schon darum sollte man bestrebt sein, sie nicht enteilen zu lassen.

Jede Serie geht einmal zu Ende, so hoffentlich auch die der weiß-blauen Kaffeefahrten ohne Verkaufsabschlüsse. Denn: „Auf der Grünen Au, da gibt’s koa Sünd“, da darf man getrost mal das obszöne Wort „Auswärtssieg“ in den Mund nehmen.

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