Hot! „Ich bin eher einer, der anpackt“

Sommer-Interview Teil 3: Nach seiner Ernennung zum Vorstand Organisation und Beschaffung bestellt Eric Rasp mit (vorerst) einfachen Gerätschaften ein weites Feld

Eine „zupackende Art“ hatte Eric Rasp schon immer. Zuerst als Aktiver, der in den 80ern unter anderem in der Zweiten Liga für die Viktoria zwischen den Pfosten stand, später dann in verschiedenen Funktionen, in denen er sich gemäß seinem Leitsatz „Dem Verein etwas zurückgeben“ um den SVA verdient machte. So agierte er in den acht Jahren seit seiner Rückkehr an den Schönbusch als Co.- und Torwarttrainer sowie sportlicher Koordinator, ehe er ab Juli 2017 im neu gegründeten „Kompetenzteam Sport“ das Amt des sportlichen Leiters Aktive bekleidete. In diesen Ämtern hat der 52-Jährige einen derart breiten Rücken bewiesen, dass er sich als stabilisierende vierte Säule eines Vereinsvorstands, der längere Zeit als Dreiergestirn unterwegs war, quasi aufgedrängt hat. „Anscheinend war man mit meiner Arbeit zufrieden“ konstatiert Eric Rasp bescheiden und präsentiert uns im folgenden Gespräch sein neues Themenfeld, das sprichwörtlich aus allen Nähten zu platzen scheint.

Eric Rasp (© Moritz Hahn)

Eric, ganz ehrlich, wir haben in den zuvor geführten Interviews schon einiges über Deinen neuen Tätigkeitsbereich gehört…

(Schmunzelt) Das Problem ist, dass mein Themenbereich bisher immer von allen mitgemacht wurde. Wenn was angestanden ist, hat der Erste für alles geantwortet. Das Ressort ist schon sehr groß und umfassend.

Wie kam es zu Deiner Ernennung zum Vorstand Organisation und Beschaffung?

Das war schon länger ein Thema, diese drei Vorstände, die gesagt haben, wir brauchen wieder einen vierten Mann. Man wollte jemanden haben, der den Verein gut kennt und über Erfahrung verfügt. Offenbar hat das Profil auf mich gepasst, man hat mich jedenfalls gefragt, der Verwaltungsrat hat mich bestellt, worauf die kurzfristige Ernennung erfolgte. Zunächst bis zur Jahreshauptversammlung, in der ich mich wie alle anderen zur Wahl stelle und – so hoffe ich doch – bestätigt werde.

Hast Du spontan zugesagt oder musste ein bisschen „nachgeholfen“ werden?

Eigentlich weder noch. Ich habe mir Bedenkzeit erbeten, indem ich sagte: Da muss ich einige Tage drüber schlafen. Das ist ja jetzt keine Entscheidung, die man schnell wieder revidieren kann, wenn einem plötzlich einfällt: Das ist doch nicht das Richtige. Teile des sportlichen und organisatorischen Bereichs habe ich auch vorher schon mitgemacht. Jetzt steh ich allerdings dem Ganzen hauptverantwortlich vor, das ist schon ein Unterschied.

Beinhaltet „Organisation“ auch Themen außerhalb des sportlichen Bereichs, wie zum Beispiel Events?

Das steht auch mit dabei. Dazu muss ich sagen, dass allein die Abteilung Events vom Umfang her eine Arbeitskraft voll auslasten könnte. Es ist ja nicht so, dass man eine Idee hat und setzt die mal eben um. Um alles so zu machen, wie wir uns das vorstellen, brauchen wir einen großen Helferstab. Als nächstes steht zum Beispiel das Stadtfest an. Natürlich sind wir froh, dass wir die Firma PASS haben, die uns da tatkräftig unterstützt und eigens Mitarbeiter abstellt. Trotzdem muss man Leute einteilen und wissen, was und vor allem wie wir es machen. Wir haben ja schon erste Erfahrungen gemacht und möchten uns immer verbessern.

Suche nach Helfern: Allein „Wir sind die Viktoria“ zieht nicht

Gibt es den Königsweg, über den zusätzliche Helfer angeworben werden können?

Eines vorweg: Der Weg „Ihr kommt jetzt alle zu uns, wir sind die Viktoria“ funktioniert nicht. Wenn sich die Viktoria nach oben orientieren und eines Tages vielleicht sogar mal 3. Liga spielen will, dann geht das nur über Arbeitskräfte, die du auf dem Arbeitsmarkt findest. Meine Erfahrung ist: Je höher du kommst, desto weniger Freiwillige findest du. In der Zeit, in der ich hier bin, habe ich noch nicht erlebt, dass wir auf einen Schlag einen Zulauf haben von zehn, 20 Leuten, die fragen: Wie kann ich denn helfen? Wir haben in letzter Zeit drei, vier Leute dazubekommen, aber ein Aufnahmestopp wegen zu vieler Helfer wird bei uns wohl nie ein Thema werden. Das betrifft im Übrigen sowohl den Bereich Events als auch den Sportbetrieb. Die Bewirtschaftung der Stadionkioske durch die Eltern der Junioren läuft sehr gut, aber damit ist es ja nicht getan. Ob Aufräumen nach dem Spiel, Bewirtung des VIP-Raumes: Wenn wir da keine zwei, drei superfleißige Helfer hätten, hätten wir da gar keine Chance.

Weil auch die Fluktuation bei den Helfern sehr groß ist?

Genau so ist es. Es gibt viele Leute, die sagen: Wenn ich Lust habe, helfe ich mal. Aber diese permanente Verpflichtung, 17 Spiele lang eineinhalb Stunden vor Spielbeginn zu kommen, ein- und auszuräumen, am nächsten Tag wegzuräumen, dazu ist bei vielen einfach die Bereitschaft nicht mehr da. Wir haben bei Heimspielen – die Kioske jetzt nicht mit eingerechnet – einen Stamm von 10 bis 15 freiwilligen Helfern, benötigen würden wir in der Regionalliga – das haben wir neulich mal durchgerechnet – pro Spiel zwischen 20 und 30 freiwillige Helfer, um alles zur vollsten Zufriedenheit abwickeln zu können. Ich rede nicht von bei Topspielen, da sind es entsprechend mehr. Da wir diese Kapazitäten nicht haben, müssen wir fehlendes Personal (manchmal auch Kassenpersonal) über Sicherheitsdienste abdecken. Das dafür ausgegebene Geld fehlt dann an anderer Stelle. Hinzu kommt, dass wir nicht jeden Helfer für jede Aufgabe verwenden können. Zum einen gibt es Helfer, die von sich aus nur ganz bestimmte Tätigkeiten machen wollen, zum anderen gibt es auch Tätigkeiten mit einem bestimmten Anforderungsprofil. Beispiel: Am Arbeitsplatz VIP-Zelt wird naturgemäß ein repräsentatives Auftreten erwartet. Aufgabe der Vorstände während der Heimspiele ist es eigentlich, den Kontakt zu den anwesenden Sponsoren zu pflegen. Das ist in der Vergangenheit oft vernachlässigt worden, da sie aufgrund des Personalmangels immer mal wieder während des Spiels durch Helferarbeiten gebunden waren. Das zeigt einerseits, dass sich bei der Viktoria niemand für etwas zu schade ist, andererseits darf dies keinesfalls zum Dauerzustand werden, denn es würde dem Verein letzten Endes zum Nachteil gereichen.

Das (ich nenne es jetzt mal scherzhaft) „Helfersyndrom“ grassiert bei der Viktoria ja schon länger, übers Knie brechen lässt sich da sicher nichts…

Deswegen sage ich: Wir müssen eine Baustelle nach der anderen abarbeiten und ganz kleine Schritte gehen. Wir sind dankbar für jeden kleinen Erfolg, jeder neue Ordner oder Helfer ist ein weiterer Schritt.

Kleinere Vereine strukturell im Vorteil

Tangieren die Personalengpässe auch andere Bereiche wie beispielsweise Events?

Wenn es um Veranstaltungen etc. geht, dann sind es immer wieder dieselben Verdächtigen, die du anpackst. Zum Stadtfest werden zum Beispiel wieder die Eltern von Jugendspielern helfen müssen. Wenn ich andere Vereine sehe wie zum Beispiel TuS Leider, da wird beispielsweise die Leiderer Kerb über den Vereinsring organisiert. Wir sind aber kein Stadtteilverein, sondern ein Stadtverein und partizipieren dementsprechend auch nicht an Nilkheim oder Leider.

In kleineren Vereinen funktioniert das also besser?

Ja, da sind Männer, die spielen dort schon seit der Jugend. Die sind einfacher zu packen als Spieler, die gerade mal zwei, drei Jahre hier sind. Bei uns helfen auch schon mal die Alten Herren, aber die können wir auch nicht permanent beanspruchen. Wir sind die Viktoria, da schaut man hin und kommt gerne zum Fußballspiel, aber die Strukturen der kleinen Vereine mit einer Vielzahl von Mitgliedern, die die Ärmel hochkrempeln, haben wir nicht.

Wenn Du jetzt auf die anderen Vereine der Regionalliga Bayern schaust: Sind die anders aufgestellt?

Zum Teil ja. Die Profi-Reserven kaufen sich ihre Helfer. Buchbach und Schalding beispielsweise sind gewachsene Vereine, da ist auch ein bisschen Vereinsorganisation dabei. Alteingesessene Vereine wie Bayreuth, die in etwa mit uns vergleichbar sind, tun sich genauso schwer wie wir. Generell ist ja der Trend, dass das Vereinsleben immer mehr abnimmt.

Das ist eine Zeiterscheinung. Der klassische „Vereinsmeier“ stirbt aus…

Den gibt es nicht mehr. Es gibt heutzutage unzählige Freizeitaktivitäten. Leute, die sich dem Verein mit Leib und Seele verschreiben, sind rar geworden. Ich nenne an dieser Stelle mal exemplarisch Ludwig Münz, der in die Organisation mit eingebunden ist, vor allem, was den Spielbetrieb betrifft. Ohne ihn wäre das für mich ein Fulltimejob.

Welches sind in der neuen Position Deine Schnittstellen bzw. Deine direkten Ansprechpartner?

In Sachen Ticketing stimme ich mich mit Heike Stenger ab, die für diesen Bereich verantwortlich zeichnet. Beim Thema Auswärtsfahrten und Übernachtungen kooperiere ich mit Ludwig Münz. Das Sportliche hat Benedikt mit Jochen in der Hand. Da bin ich raus, zum Glück, sage ich mal, denn die Zeit wäre gar nicht da.

Keine Besinnlichkeit: Mit fit4future wird gleich durchgestartet…

Welche Projekte stehen kurzfristig an?

Ich bin ja schon ewig im Verein, aber neu in der Position. Ich muss mir also erst einmal einen Überblick verschaffen und mich dann in die Projekte hineinarbeiten. Die Firma PASS unterstützt uns ja bei dem Projekt fit4future, u.a. geht es dabei um die weitere Digitalisierung. Als nächste Events steht am 27. Juni eine Veranstaltung des digitalen Gründerzentrums an, zu dem wir unsere Partner im Rahmen einer Kooperation einladen. Am 30. Juni haben wir unser Kick-off für die Sponsoren mit Vorstellung des Trainers und der neuen Spieler im Vereinsheim Stengers 1901. Die Gründung eines Sponsoren-Netzwerks, über das die Sponsoren der Viktoria untereinander in Kontakt treten können, und das Event „Viktoria lacht“ mit Urban Priol in der Aschaffenburger Stadthalle im Februar sind weitere Eckpfeiler.

Deine Tätigkeiten im Verein waren bisher alle eher praxisbezogen, Organisation beinhaltet dagegen auch Theorie. Wo siehst Du Deine Stärken?

Ich bin eher einer, der sagt: Da ist was, packen wir es an. Mit Projektmanagement muss ich mich zukünftig intensiver beschäftigen.

Ein weiterer Punkt ist sicherlich die Finanzierbarkeit in Frage stehender Projekte?

Das ist das Hauptproblem. Ich kann nicht sagen: Wir brauchen für dieses oder jenes Projekt mal eben vier, fünf Helfer für einen Stundenlohn von 10 Euro. Ich muss nach Leuten suchen, die das für eine Wurst und ein Bier tun. Dreieich zum Beispiel hat jetzt eine Anzeige geschaltet, in der nach Helfern auf 450-Euro-Basis gesucht wird. Da sind wir noch weit davon entfernt.

Das geht ja dann in Richtung der neuerdings ins Gespräch gebrachten „Semi-Professionalität“

Das ist ein weiteres Thema, das angefasst werden muss. Aber im Moment geht ganz klar erst einmal die Mannschaft vor. Wir müssen diese so stärken, dass sie in der Regionalliga bleibt. Alles andere müssen wir vorerst stricken und improvisieren, um dann allmählich Strukturen reinzubringen und nachzuziehen. Letzten Endes nützt es uns nichts, wenn wir eine tolle Mannschaft haben, die vielleicht um die Spitze mitspielt, aber nicht die organisatorischen Strukturen, um mit einem Zuschaueraufkommen von 2.500 zurechtzukommen. Peu à peu muss also unser Etat so wachsen, dass er sowohl eine konkurrenzfähige Mannschaft als auch ein regionalligataugliches Umfeld sicherstellt. Zusätzlich müssen auch die deutlich höheren Kosten in der Regionalliga abgefangen werden (weite Fahrten mit Übernachtungen, auf Grund der größeren Entfernungen dann auch steigende Buskosten), was wiederum zu Lasten von Personal geht, das man anstellen könnte. Zunächst müssen wir daher weiterhin auf Ehrenamt setzen oder mit anderen Belohnungsanreizen operieren – z.B. kostenlose Auswärtsfahrt bei einer gewissen Anzahl von Helferstunden. Nicht verschweigen sollte man an dieser Stelle auch, dass uns der Verwaltungsrat insbesondere bei Events und Projekten dankenswerterweise immer wieder punktuell mit Manpower unterstützt.

Baustelle Vereinsheim: Vorerst nur das Nötigste

Die Liegenschaften des Vereins fallen auch in Deinen Verantwortungsbereich?

Ja, auch diese. Stichwort Vereinsheim: Da ist die Heizung kaputt, wir arbeiten momentan mit der Stadt daran. Wir wollen ein „Contracting-Modell“, auf dessen Basis die Stadt sich bereit erklärt, uns eine neue Heizung reinzustellen. Anders geht das im Moment gar nicht. 20.000 Euro für eine neue Heizung haben wir nicht. Priorität hat der Spielbetrieb der Aktiven, dann kommen die Junioren und erst dann – wenn noch etwas übrig ist – fließt das in Renovierungs- und Instandhaltungsarbeiten. Zuständig bin ich auch für das ganze Inventar, das habe ich mir auch noch unter den Nagel gerissen (lacht). Jochen Seitz hätte zum Beispiel gerne eine Videoraum, den versuchen wir jetzt im Keller mit voller Unterstützung unserer Alten Herren und weiterer fleißiger Helfer einzurichten. Ein leidiges Thema sind die Toiletten: Wir haben zehn Juniorenmannschaften im Spielbetrieb und die einzige öffentlich zugängliche Toilette ist die im Vereinsheim. Auch Zuschauer von Vatan Spor nutzen diese öfters. Der Wirt muss also die Toiletten allen Mannschaften zur Verfügung stellen. Jetzt sind wir in Verhandlungen mit der Stadt, dass die uns vielleicht ein Dixi-Häuschen hinstellt. Die Idee ist da, aber es braucht halt seine Zeit.

Nicht nur das stille Örtchen, auch die Trainingsplätze werden bekanntlich fleißig frequentiert…

Die Belegung der Plätze wird in Zusammenarbeit mit Nikolas Verhoefen koordiniert. Wichtigstes Kriterium: Welche Plätze werden wann gesperrt, damit sie schnellstmöglich und ohne Einschränkungen für unsere Mannschaften zur Verfügung stehen. Ein großes Problem gibt es dabei: Wir haben einen Kunstrasenplatz, der im Winter bei Sperrung der Rasenspielfelder ab 19 Uhr immer belegt ist, von DJK/TuS Leider dienstags und donnerstags, von Vatan Spor mittwochs und freitags. Davor hat ihn die Viktoria. Jochen müsste also um 17.30 Uhr mit dem Training beginnen. Das ist für viele unserer Spieler, die berufstätig sind, nicht machbar. Ich muss betonen, dass wir einen hervorragenden Kontakt zur Stadt haben, die sehr viel für uns tut und uns hilft, wo sie nur kann. In manchen Angelegenheiten sind allerdings auch ihr die Hände gebunden.

Abschließend noch eine Frage an einen, der lange Zeit im sportlichen Bereich tätig war und dessen Herz immer für die Mannschaft schlägt. Was traust Du Ihr in der kommenden Runde zu?

Man sollte nie vergessen: Der Großteil unserer Spieler geht von montags bis freitags einer Berufstätigkeit nach. Das mit dem intensiven Zeitaufwand in der Regionalliga zu vereinbaren, ist immer noch grenzwertig. Deshalb muss man einfach sagen: Wir haben ganz sicher nicht das Ziel, unter die Top-5 zu kommen. Es sollte nicht gerade ein Relegationsplatz sein, aber mit jeder Platzierung, die uns den direkten Klassenerhalt sichert, darf man hochzufrieden sein.

Eric, wir danken Dir für das Interview und den Einblick in Deinen umfangreichen Tätigkeitsbereich.   Gleichzeitig wünschen wir Dir viel Erfolg und dass sich die finanzielle Situation des Vereins so entwickelt, dass Du zum Bestellen Deines weiten Feldes eines nicht allzu fernen Tages auf einen richtigen Landmaschinen-Fuhrpark zugreifen kannst.

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