Jochen Seitz: „Ich glaube, dass uns die Konkurrenz die Daumen drückt“

SV Türkgücü München ante portas: Das bayerische Nizza wird zum bayerischen Wien / Nie zufrieden: Der ehrgeizige Club von der Isar sitzt auf seinem komfortablen Punktepolster wie auf einer harten Bahnhofsbank…

Einmal hat die Viktoria in dieser Saison am Schönbusch erst verloren: am 5. Spieltag gegen den seinerzeit ungeschlagenen Tabellenführer SpVgg. Greuther Fürth II mit 0:2. Aus den folgenden fünf Heimspielen wurden 13:1 Punkte geholt, ein richtig dicker Fisch war freilich nicht unter den Gegnern. Der pocht nun am kommenden Samstag (9.11.) in Gestalt des derzeit unangefochtenen Tabellenführers SV Türkgücü München ans Tor. Das Team von Jochen Seitz hat indes eine stolze Serie zu verteidigen und wird dem Münchner Inkassounternehmen die Punkte gewiss nicht freiwillig aushändigen.

19. Spieltag: Viktoria erwartet Türkgücü München

Derzeit ist Türkgücü das Nonplusultra in der Regionalliga Bayern, doch Coach Reiner Maurer übt sich fleißig in Zweckpessimismus. „Damit beschäftigen wir uns noch gar nicht“, verlautbarte er angesichts des immer wahrscheinlicher werdenden Aufstiegs seiner Schützlinge in die 3. Liga. Auch bei der überlegen ins Ziel gebrachten Herbstmeisterschaft war nach Ansicht des Ex-Löwen-Bändigers nicht alles Gold, was glänzt: „Wir haben eine gute, aber keine sehr gute Hinrunde gespielt.“ Der vom VfB Eichstätt gekommene Abwehr-Riese Michael Zant bläst ins gleiche Horn: „Wir haben noch gar nichts erreicht.“

Erreicht wurde zumindest, dass sich das vor der Saison mit 22 Neuzugängen angereicherte Team – Coach Maurer weist die Bezeichnung „zusammengewürfelter Haufen“ entschieden zurück – nach anfänglichem leichten Knirschen eingespielt hat. Seit sechs Spielen sind die Türken ungeschlagen, bei fünf Siegen und einem Unentschieden beim inzwischen auf leichte Abwege geratenen Mitkonkurrenten 1. FC Schweinfurt 05. 14 Tore wurden in diesen sechs Partien erzielt und doch klagt man beim solventen Isar-Club über die „mangelhafte Chancenverwertung“. Das mutet bei 38 Saisontreffern – hinter Nürnberg der zweitbeste Wert – freilich etwas befremdlich an, lässt aber andererseits auch den Schluss zu, dass sich die Maurer-Schützlinge für gewöhnlich eine Fülle von Chancen erarbeiten.

Das Wort „Meisterschaft“ will man bei Türkgücü nicht in den Mund nehmen, obwohl es doch so einen sympathischen Klang hat. Anders als etwa „BFV-Toto-Pokal“, wo das Team von Reiner Maurer im Achtelfinale dem Drittligisten SpVgg. Unterhaching durch ein Gegentor in der letzten Minute denkbar knapp mit 2:3 unterlag und aus dem Wettbewerb ausschied.

Erst die große Kulisse macht das „Highlight“

Zweimal hintereinander hat sich die Viktoria zuletzt durch den späten Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit einen Auswärtspunkt gesichert. Was nach Glück klingt, ist für Coach Jochen Seitz schlüssig: „Wir erarbeiten uns das in letzter Zeit, weil wir sehr viel investieren und zudem immer an uns glauben.“

Zuschauerinteresse ist nach Ansicht von Jochen Seitz ein wichtiger Indikator dafür, ob ein Spiel als „Highlight“ einzustufen ist. Daher sei eine diesbezügliche Einstufung des samstäglichen Gipfeltreffens gegen einen Newcomer mit überschaubarer Tradition eigentlich erst nach dem Spiel möglich.

Nach seinen persönlichen Highlights gefragt, zeigt der Coach klare Präferenzen: „Nach Attraktivitätskriterien waren die letztjährigen Pokalpartien die Highlights für das Trainerteam, ferner das Heimspiel gegen Bayern München II. Unter Highlights verstehe ich Spiele, denen die meisten Zuschauer entgegenfiebern. Sportlicher Liga-Höhepunkt in dieser Saison ist zweifellos das anstehende Gastspiel des klaren Meisterschaftsfavoriten Türkgücü. Ich hoffe, dass die Zuschauer das genauso sehen und zahlreich kommen.“

Jochen Seitz: „Türkgücü ist nicht unschlagbar“

Eine Erkenntnis hat Jochen Seitz aus der 1:3-Hinspielniederlage in der Vorrunde gewonnen: „Türkgücü ist nicht unschlagbar, wenngleich individuell sehr, sehr gut besetzt. Mit unserer zuletzt gezeigten mannschaftlichen Geschlossenheit rechne ich mir schon Chancen aus, unsere Serie aufrechtzuerhalten.“ Zumindest ein bisschen aufrechterhalten könnten die Weiß-Blauen auch die Spannung in der Meisterschaftsfrage, die in dieser Saison frühzeitig verloren zu gehen droht. „Wenn es nur noch um die Plätze geht, kehrt Langeweile ein. Ich glaube daher schon, dass uns die Konkurrenz die Daumen drückt“, sieht Jochen Seitz im Falle eines Sieges einen weiß-blauen Beitrag zur Attraktivität der Liga. Doch er erweist sich auch als Realist: „Es müsste schon viel schief gehen, wenn Türkgücü sich den Titel noch nehmen lässt. Ich kann mir das nicht vorstellen.“

Festung Schönbusch soll Angriffswucht der Türken standhalten

Der Tabellenführer stellt mit lediglich 14 Gegentoren die beste Defensive der Liga, der Coach heißt bezeichnenderweise „Maurer“. Daraus darf aber keineswegs abgeleitet werden, dass auswärts etwa das gefürchtete Catenaccio zu den „Stilmitteln“ der Münchner Türken gehört. „Türkgücü ist eine sehr offensiv ausgerichtete Mannschaft, die Fußball spielen will. Von der Taktik her spielt man ein 4-1-4-1- oder ein 4-3-3-System, das kann man auslegen wie man will. Die Außenverteidiger gehen auch immer mit. Teilweise agiert man bei Ballbesitz mit sieben offensiven Spielern und entwickelt dadurch eine große Angriffspower. Im Mittelfeld hat man mit Holz und Kirsch laufstarke Spieler, die sich immer wieder in die Offensive einschalten. Da müssen wir Lösungen finden und defensiv stabil stehen. Wenn wir darüber hinaus die nötige Zweikampfstärke und bei eigenem Ballbesitz unsere Kreativität in die Waagschale werfen, bin ich sicher, dass die Zuschauer am Samstag ein spannendes und niveauvolles Spiel erleben werden“, sieht Jochen Seitz beste Voraussetzungen für einen denkwürdigen Großkampftag. Ausdrücklich zu warnen ist noch vor den Standards der „Maurergesellen“, die mit Goalgetter Patrick Hasenhüttl (1,90 m) und Michael Zant (1,95 m) großgewachsene Spieler in ihren Reihen haben.

Philipp Beinenz (1,69 m) und Daniel „Messi“ Meßner (1,76 m) werden am Samstag fehlen, nicht etwa aus Angst vor großen Tieren, sondern Ersterer noch verletzt, Letzterer erkrankt.

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