Hot! Interview mit Viktoria-Coach Rudi Bommer

Premiere gegen Unterhaching – Viktoria-Trainer Bommer im Interview

Seit Montag erst bekleidet er das Traineramt bei der Viktoria, mit den Verhältnissen bei seinem Heimatverein ist der 59-jährige Ex-Profi und Bundesliga-erfahrene Trainer Rudi Bommer allerdings bestens vertraut, wie in dem ungewöhnlich facettenreichen Interview deutlich wird, das wir zu Beginn der richtungsweisenden sechs Spiele vor der Winterpause mit ihm geführt haben.

 

Rudi, Du hast Deine Karriere bei den Junioren der Viktoria begonnen, quasi aus dem Vorruhestand heraus übernimmst Du nach einer bewegten Fußballer-Vita noch einmal die Trainertätigkeit beim SVA. Siehst Du das auch so, dass sich da ein Kreis schließt?

(Lacht) Vorruhestand ist nicht ganz richtig. Ich möchte schon noch einmal im Profibereich arbeiten. Ich bin ja damals nicht raus, weil ich etwa schlecht gearbeitet hätte, sondern weil ich operiert werden musste. Ich bin jetzt eineinhalb Jahre raus aus dem Geschäft und liege damit noch in der Norm. Es kamen auch schon Angebote, auch aus dem Ausland, aber ich bin da eher der bodenständige Typ. Die Anfrage der Viktoria kam überraschend, und ich habe mich bereit erklärt, für die nächsten sechs Spiele ehrenamtlich bis zur Winterpause einzuspringen, damit der Verein in den dann folgenden zweieinhalb Monaten Zeit hat, sich neu zu sortieren. So habe ich das mit Peter Löhr und Holger Stenger abgesprochen. Ich habe als Aktiver mit Peter Löhr sechs Jahre bei Fortuna Düsseldorf gespielt und kenne Holger Stenger bestens vom Golfen. Ich finde, Peter Löhr und Holger Stenger leisten sehr gute Arbeit. Nur deshalb ist auch das Engagement zustande gekommen, sonst hätte ich das nicht gemacht.

Siehst Du Deine Funktion als die eines Feuerwehrmanns oder kannst Du Dir ein langfristiges, perspektivisches Arbeiten vorstellen?

Ganz klar zunächst einmal als Feuerwehrmann. Ich mach das gerne, weil es mein Heimatclub ist und ich der Viktoria auch insofern helfe, als sie in diesem Zeitraum nicht zwei Trainergehälter zahlen muss. Sportlich kann ich dem SVA mit meiner Erfahrung sicher weiterhelfen, weil ich in meiner Laufbahn als Trainer schon in jede Liga aufgestiegen und – in diesem Fall wichtiger – schon etliche Clubs unten rausgeholt habe. Dass es nicht ganz einfach wird, wissen wir alle.

Du hast als Trainer hauptsächlich Proficlubs trainiert. Gibt es für Dich eine grundsätzlich andere Herangehensweise bei so genannten Feierabendfußballern?

Zunächst einmal: Die Voraussetzungen bei der Viktoria sind die eines Proficlubs. Du hast vorne ein schönes Stadion stehen und sehr gute Trainingsmöglichkeiten. Du hast halt das eine Problem, dass du nur einmal am Tag trainieren kannst, um 18 Uhr, da die Jungs ja arbeiten oder Schule bzw. Studium absolvieren müssen. Da muss ich Rücksicht nehmen. Sportlich gesehen nehme ich keine Rücksicht, die müssen genauso arbeiten wie die Profis.

Überlegen Bayernliga-Meister, aber in der 4. Liga hat man sich in drei Spielzeiten noch nicht so richtig etablieren können. Wo verortest Du den SVA sportlich?

Wenn ein Club wie Viktoria Aschaffenburg aus der Regionalliga in die Oberliga absteigt, ist der sofortige Wiederaufstieg ein Muss. Das sagt sich leicht, aber als Trainer musst du das erst einmal hinbringen. Wie das beim SVA in der letzten Saison gelöst wurde, mit einer guten, strukturierten Spielweise, war sensationell. Und ich habe in der Bayernliga-Saison einige Spiele gesehen. Dass man dann natürlich vom Finanziellen her nicht so die Möglichkeiten hat, dass man adäquat einkaufen kann, um von vornherein den Verbleib in der Liga gewährleisten zu können, diese Situation muss man halt als gegeben hinnehmen. Das hört man immer wieder, da kann man Felix Magath anrufen, der ist der gleichen Meinung: Geld schießt Tore und verhindert Tore. Allerdings ist es an dieser Stelle auch angebracht, einen Blick auf die positive Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren zu werfen: Die Leute in Aschaffenburg – ich glaube das ganz gut beurteilen zu können – nehmen es sehr gut auf, dass die Viktoria mittlerweile seriös wirtschaftet. Trotz des kleinen Budgets zeigen die Jungs ja einen gepflegten Fußball, wenn auch in den Heimspielen der ein oder andere Punkt mehr hätte geholt werden können. Indem man das Ganze auf solide Füße gestellt hat, ist man in der Außendarstellung glaubwürdig und damit auch für potentielle Sponsoren wieder attraktiver geworden. Somit kann man zu einer angemessenen Beurteilung der sportlichen Situation, wie sie sich momentan darstellt, nur unter Berücksichtigung des positiven Touch der vollzogenen wirtschaftlichen Gesundung kommen. Vielleicht kommt die Stadt Aschaffenburg vor diesem Hintergrund auch zu der Einsicht, dass es sich lohnt, wieder mehr in den Spitzensport zu investieren, so wie das über Jahrzehnte ja der Fall gewesen war, als wir Spitzensportler herausbrachten, die unsere Region weithin bekannt machten. Da sollte man wieder mehr Engagement zeigen, denn mit Fußball kann man eine Stadt sehr gut vermarkten. Ich weiß, wovon ich rede, denn bei meiner letzten Trainerstation in Cottbus war die Sparkasse sehr stark engagiert, ihr damaliger Chef Ulrich Lepsch war Präsident des Vereins, bei jeder meiner bisherigen Stationen hatte ich mit Bürgermeistern zu tun, die durchweg in den Verwaltungsräten saßen, und einen Einblick hatten, wie und was passiert. Dieser Schulterschluss wäre sehr wichtig. Aber: Zukunftsmusik.

Vielen Dank, Rudi, für die klaren Worte. Wir wünschen Dir und dem Team für die nächsten schweren Spiele bis zur Winterpause viel Erfolg!

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