Kann Viktoria den Bann des „Erlkönigs“ brechen?

Ende der Andacht: Am Samstag um 16 Uhr will die Viktoria das „Heiligtum“ Erlenbacher Waldsportplatz entweihen

Den Start in die Restsaison der Bayernliga Nord darf man aus Viktoria-Sicht wohl als „rundum gelungen“ bezeichnen, denn mit dem klaren 4:0-Heimsieg über den SSV Jahn Regensburg konnte eine deutliche Botschaft an die Mitkonkurrenten abgesetzt werden, dass man befähigt ist, im Schlussspurt das Tempo noch mal anzuziehen. Der SV Erlenbach, den man am Samstag um 16 Uhr im gerade einmal 25 Kilometer entfernten Waldstadion beehrt, birgt allerdings aus mehreren Gründen eine  gewisse Stolpergefahr.

24. Spieltag: Der SV Erlenbach empfängt Viktoria Aschaffenburg

24. Spieltag: Der SV Erlenbach empfängt Viktoria Aschaffenburg

Völlig unabhängig von der eine klare Sprache sprechenden Tabellenkonstellation (Viktoria 3., der SV steht auf Platz 12) kommt da beim Gastgeber natürlich unweigerlich das Prestige-Moment zum Tragen, dem großen Nachbarn ein Bein zu stellen. Schon im Hinspiel am Schönbusch lieferten die Jungs aus dem Winzerort trotz ihrer 0:2-Niederlage vor der Saison-Rekordkulisse von 2.165 Zuschauern eine sehr ansehnliche Partie ab und brachten den SVA zumindest phasenweise in Verlegenheit.

SV zu Hause einfach nicht kleinzukriegen

Zum zweiten gilt das Waldstadion, in dem die Baier-Elf am 3. August 2013 (1:3 gegen die SpVgg. Bayreuth) die letzte Bayernliga-Niederlage kassierte und seitdem in 26 (!) Heimspielen saisonübergreifend ungeschlagen geblieben ist, als schier uneinnehmbare Festung. Zum dritten hat sich auch der SV mit dem 1:0-Heimsieg vor Wochenfrist gegen den Würzburger FV erfolgreich aus der Winterpause zurückgemeldet und möchte die Gunst der Stunde nutzen, um mittels eines weiteren Dreiers den derzeit fünf Punkte betragenden Abstand auf die Abstiegsplätze weiter auszubauen und damit einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt zu tun. Aus freilich ganz anderen Gründen braucht der SVA die Punkte ebenso dringend. So knapp, wie es derzeit an der Tabellenspitze hergeht, könnte ein Lapsus für die Viktoria bedeuten, im Kampf um den Aufstieg wertvollen Boden einzubüßen, denn Tabellenführer Weiden steht in Haibach ebenso vor einer lösbaren Aufgabe wie Großbardorf in Neudrossenfeld.

Bei einem Blick auf die Statistik offenbart sich freilich in einem Punkt ein himmelweiter Unterschied zwischen den Kontrahenten. Die Rede ist von den Offensivleistungen der Teams: Während in den Reihen der Viktoria mit Björn Schnitzer (13), Florian Pieper (13) und Daniele Toch (12) drei Spieler „zweistellig“ getroffen haben, bringt es der „Topscorer“ beim SV, Philipp Fachaux, gerade einmal auf fünf Treffer. Mit bisher 19 Saisontreffern stellt die Baier-Elf mit die zahmste Offensive der Liga, lediglich Schlusslicht Memmelsdorf (12) war noch etwas zurückhaltender. Kompensieren konnte man dies allerdings dadurch, dass man lediglich 21 Tore kassieren musste, ein Topwert, der in den Bereich der Spitzenteams der Liga vorstößt.

Slobodan Komljenovic: „Konter vermeiden“

Komljenovic sieht seine Mannschaft gut gerüstet für Derby in Erlenbach

Komljenovic sieht seine Mannschaft gut gerüstet für Derby in Erlenbach

Der überzeugende 4:0-Sieg gegen Regensburg hat Coach Slobodan Komljenovic selbst etwas überrascht: „Nein gerechnet hätte ich mit so einem hohen Sieg nicht.  Eine lange Vorbereitung bringt mit sich, dass man nicht genau weiß, wo man steht. Die Mannschaft war jedoch prima eingestellt und hat in überzeugender Manier gewonnen.“ Daraus im Hinblick auf das bevorstehende Unterfrankenderby voreilige Schlüsse zu ziehen, sieht der Trainer jedoch kritisch: „Die Partie in Erlenbach wird komplett anders. Derbys haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze. Gleichwohl werden wir in das Spiel nüchtern reingehen und es als das betrachten, was es ist: ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Ziel. Wir wollen auch in Erlenbach die drei Punkte mitnehmen, und das dürfte uns mit dem überzeugenden Auftaktsieg im Rücken um einiges leichter fallen. Wie schon im Hinspiel zu sehen war, ist Erlenbach eine Mannschaft, die hinten gut steht und auf Fehler wartet, um den Gegner dann auszukontern. Von dieser Taktik wird der SV voraussichtlich auch zu Hause nicht abgehen. Dem wollen wir entgegenwirken, indem wir unsere Fehlerquote minimieren, so wenige Konter wie möglich zulassen und vorne die entscheidenden Offensivaktionen setzen.“

Natürlich, das weiß auch der SVA-Coach, wird die Baier-Elf aus ihrer Rolle als Gastgeber in diesem emotional aufgeladenen Derby einen Nutzen ziehen wollen. „Der enge Platz und die zu erwartende große Zuschauerkulisse“, die Slobodan Komljenovic in diesem Zusammenhang anführt, werden als „weiche Faktoren“ allerdings nur dann ihre gefürchtete Dynamik entfalten können, wenn die Viktoria dies zulässt und sich von ihrem Erfolgskurs abbringen lässt. Zuallererst gilt es kühles Blut zu bewahren, denn auch die sagenhafte Heimserie des Erlkönigs ist letzten Endes auch nicht mehr als ein… Nebelstreif.

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