Hot! Komljenovic: „Ich erwarte von meiner Mannschaft, dass sie alles gibt“

Vor der „Märzrevolution“: Interview mit Viktoria-Coach Slobodan Komljenovic

Die Winterpause in der Fußball-Regionalliga Bayern neigt sich dem Ende zu und für die Viktoria beginnt am 8. März mit dem Heimspiel gegen die SpVgg. Bayern Hof wieder der Ernst des Abstiegskampfes. In der über drei Monate währenden fußballlosen Zeit ging das von der benachbarten B26 gut sichtbare Flutlicht des Kunstrasenplatzes (zumindest gefühlt) nie aus und man konnte den Eindruck gewinnen, dass hier im gleißenden Licht der luxstarken Anlage ein Schlachtplan für das Unternehmen Klassenerhalt ausgearbeitet wurde. Da die Scharmützel der Vorbereitungsspiele wenig aufschlussreich waren, haben wir uns an die oberste sportliche Heeresleitung in Person von Viktoria-Trainer Slobodan Komljenovic gewandt und ihn um seine abschließende Manöverkritik gebeten.

 

Slobo, am 26. November verabschiedete sich der SVA mit dem letzten Pflichtspiel gegen Buchbach in die Winterpause. Am 8. März steht der Rückrundenauftakt gleich mit einem richtungsweisenden Heimspiel gegen Bayern Hof auf dem Plan. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut, ganz einfach aus dem Bewusstsein heraus, dass sie in den vergangenen Wochen sehr gut gearbeitet hat. Förderlich für das Klima ist auch, dass unsere Neuzugänge menschlich und charakterlich zum Team passen. Kurzum: Die Atmosphäre in der Kabine wie auf dem Platz könnte besser nicht sein.

Viktoria Trainer Komljenovic zeigt sich vor der Partie gegen Bayern Hof gut gelaunt

Viktoria Trainer Komljenovic zeigt sich vor der Partie gegen Bayern Hof gut gelaunt

Du stehst ja bereits seit Mitte Januar wieder mit der Mannschaft im Training und holtest damit das nach, was Dir am Anfang der Saison versagt blieb: eine intensive Vorbereitungsphase. Aus Deiner Sicht: Wie weit ist das Team in spielerischen und konditionellen Belangen?

Nach heutigem Stand sind wir körperlich topfit. Wir haben sehr hart mit Fitnesscoach Klaus Beckmann in den Bereichen Kraft, Kondition, Koordination und Stability gearbeitet. Der Großteil der Mannschaft ist in optimaler Verfassung und ich kann versprechen, dass am 8. März gegen Bayern Hof eine topfite Mannschaft auf dem Platz stehen wird.

Dem Wunsch nach punktuellen Verstärkungen wurde kurz vor Ende der Wechselfrist seitens der sportlichen Leitung in Absprache mit Dir entsprochen, und zwar für alle Mannschaftsteile (mit Ausnahme des Torwarts). Erklärst Du uns, welche Argumente für die einzelnen Neuzugänge sprachen und die ihnen zugedachte Rolle im Spiel der Viktoria?

Wir haben uns bewusst in allen Mannschaftsteilen verstärkt, da uns unsere dünne Personaldecke in der Vergangenheit des Öfteren in Schwierigkeiten gebracht hat. Zudem haben wir ja auch noch eine U23, die eine gute Rolle spielen soll. Für das Regionalliga-Team konnten wir mehrere direkte Verstärkungen realisieren, die auch sofort einschlagen werden, da bin ich mir sicher. Mit Salvatore Bari vom 1. FC Eschborn hat sich uns ein absoluter Topstürmer angeschlossen, der von Borussia Neunkirchen gekommene Markus Schmitt soll das Loch im Mittelfeld stopfen. Nach dem Abgang von Deniz Topcu in die erste türkische Liga hatten wir hinten rechts ein Problem, wofür wir in Ali Sahin gleich adäquaten Ersatz gefunden haben. Einige Neuzugänge sehe ich momentan als Ergänzungsspieler, denn sie werden erst etwas Spielpraxis benötigen und sollen über die U23 langsam an die erste Mannschaft herangeführt werden. Ich spreche von Ahmed Dzafic, einem schnellen und schussstarken Stürmer, und Innenverteidiger Djordje Vlacic. Innenverteidiger kann ich ohnehin gar nicht genug haben, da Florian Haith derzeit an einer Verletzung laboriert und Soheyl Alipour-Rafi wegen Abitur-Vorbereitungen nur eingeschränkt trainieren kann. Insgesamt bin ich mit der Personalsituation sehr zufrieden und froh, dass der Verein mir diese ermöglicht hat. Natürlich sind die Abgänge Deniz Topcu und Christian Eckerlin Spieler, auf die wir gesetzt haben. Topcu gilt als absolutes Toptalent und ist nicht ohne Grund in die 1. türkische Liga gewechselt. Wie er sich dort entwickelt, werden wir sehen. Christian Eckerlin hatte innerhalb der Mannschaft eine Vorbildfunktion auf und außerhalb des Platzes, was Einstellung und Trainingseifer angeht. Aber ich denke mal, dass wir seinen Abgang mit Markus Brüdigam oder Fnan Tewelde auf der linken Abwehrseite kompensieren können. Vielleicht bringe ich auch einen Überraschungs-Linksaußenverteidiger (lacht verschmitzt).

Komljenovic sieht die Mannschaft vor den richtungsweisenden Partien auf einem guten Weg

Komljenovic sieht die Mannschaft vor den richtungsweisenden Partien auf einem guten Weg

Kannst Du uns einen Einblick in das Viktoria-Lazarett geben?

Wir haben leider drei Langzeitverletzte mit Kapitän Daniel Cheron, Petrit Topic und Florian Haith. Giulio Fiordellisi, der sich noch nicht für eine Knie-OP entschieden hat, wird wohl auch länger ausfallen, was aufgrund seiner Erfahrung und Führungsqualitäten bedauerlich ist. Schade auch für Petrit Topic, der sich mit seinem Dreierpack im Testspiel gegen den FSV Frankfurt gerade in glänzender Form präsentierte. Florian Haith wird schmerzlich vermisst, da wir auf dem Innenverteidigerposten – wie bereits erwähnt – sehr dünn besetzt sind. Also einschließlich unserem Kapitän Daniel Cheron sind das alles wichtige Spieler, die uns fehlen. Aber wir haben uns bekanntlich verstärkt mit Spielern, denen ich volles Vertrauen schenke. Von daher lasse ich das nicht als Entschuldigung gelten. Wie heißt es so schön: Jeder ist ersetzbar, der eine mehr, der andere weniger (lacht).

Mit Johannes Gerhart stand in den Testspielen ein 17-jähriger Juniorenspieler auf dem Platz. Wie beurteilst Du seine Entwicklung und könnte sein Beispiel Schule machen?

Wir haben natürlich vor, auch unsere Talente zu fördern, das sollte bei einer so starken A- und B-Jugend, wie sie die Viktoria hat, doch selbstverständlich sein. Johannes Gerhart hat sehr gut mit- trainiert und gute Vorbereitungsspiele gemacht. Ein toller Junge mit einer vielversprechenden Entwicklung, den ich gerne bei mir in der ersten Mannschaft behalten möchte, Und ja, es soll Schule machen, schon allein des finanziellen Aspekts wegen. Große Stars werden wir uns nicht leisten können, also müssen wir auf unsere eigenen Talente setzen.

Erfährt das Spiel der Viktoria mit diesen neuen personellen Optionen auch eine taktische Neuausrichtung?

Wir werden spielerisch stärker sein und daher auch einen Tick offensiver spielen. Ein Stürmer wie Salvatore Bari will natürlich auch eingesetzt werden. Unsere Taktik wird sich allerdings auch nach dem jeweiligen Gegner richten. Ein Gegner wie Bayern München erfordert ein anderes Konzept als beispielsweise Auftaktgegner Bayern Hof. Aktuell sind wir dabei, alle taktischen Varianten zu perfektionieren, diese hat die Mannschaft im Zuge der Vorbereitungsspiele bereits zu einem hohen Grad verinnerlicht.

Die Viktoria ist bekannt als Verein, bei dem es des Öfteren auch im Umfeld turbulent zugeht. Seit der Mitgliederversammlung im vergangenen Dezember mit der Neuwahl eines fünfköpfigen Vorstandsgremiums herrscht Ruhe. Nahmst Du dies als Stimmungswechsel bewusst wahr und, wenn ja, inwieweit wurde Deine Arbeit davon beeinflusst?

Ich habe zum Beginn meiner Karriere auch in der Oberliga Hessen gespielt und kenne die Viktoria aus dieser Zeit. Von daher weiß ich: Ein ruhiges Umfeld wird es in Aschaffenburg nie geben. Während meiner Trainertätigkeit hier konnte ich aber immer in Ruhe arbeiten, da das Präsidium mir die erforderliche Rückendeckung gab. Zu mir und zur Mannschaft ist von dem ganzen Drumherum kaum etwas durchgesickert. Dies ermöglichte es uns, uns ganz auf den Fußball zu konzentrieren. Klar kam durch das sportliche Abschneiden in der Vorrunde etwas Unzufriedenheit rein, aber auch dann konnte ich der Loyalität des Präsidiums, die mir ruhiges Weiterarbeiten ermöglichte, gewärtig sein. Ich war so abgeschirmt, dass ich nachfragen musste, wollte ich das Klima im Verein sondieren. Jeder Trainer wünscht sich, so arbeiten zu können.

Wie definierst Du Deine Erwartungshaltung an die Mannschaft für die kommenden 14  „Endspiele“?

Ich möchte in den besagten 14 „Endspielen“ eine Mannschaft auf dem Platz haben, die alles gibt. Wir werden mit Sicherheit nicht alle 14 Spiele gewinnen, das ist klar (lacht). Man kann verlieren und – wie man so schön sagt – mit erhobenem Haupt vom Platz  gehen, wenn man alles gegeben hat. Im Vergleich zum Saisonbeginn gehen wir diesmal topfit,  strukturierter und besser vorbereitet auf den Platz, was zugleich eines heißt: Es kann keine Ausreden mehr geben. Gelten lasse ich allenfalls aus Unerfahrenheit begangene Fehler, da unserer junge Truppe trotz ihrer sechsmonatigen Eingewöhnungsphase noch zuweilen die Ruhe und Abgeklärtheit eines gestandenen Regionalliga-Teams abgeht.

Dein Appell an die Fans?

Unterstützt uns weiter wie bisher, steht hinter der Mannschaft. Es werden auch Fehler passieren, klar, aber ohne ein gewisses Risiko werden wir die Spiele nicht gewinnen können. Dies gilt insbesondere für die Heimauftritte, in denen wir die zum Klassenerhalt nötigen Punkte in erster Linie holen wollen. Natürlich soll auch der eine oder andere Auswärtssieg dazukommen.  Ich verspreche Euch, dass wir alles daran setzen werden, die Fehlerquote zu minimieren.

Dein Schwiegervater, die Trainer-Koryphäe Dragoslav Stepanovic, bezeichnete unlängst Viktoria Aschaffenburg als „schlafenden Riesen“. Frage an Dich als – mittlerweile – Insider: Wann klingelt der Wecker?

(Anmerkung: Exakt auf das Stichwort „Schlafender Riese“ betritt Co-Trainer Eric Rasp mit den Worten „Was ist denn hier los“ die als Interviewraum fungierende Umkleidekabine.)

Also, die Viktoria war mal in der 2. Liga und hat eine riesige Tradition. Wie jüngst Nachbar Kickers Offenbach geriet man in finanzielle Untiefen. Nach überstandener Insolvenz wird die Viktoria jetzt allmählich in freies Fahrwasser geschleppt. Die verbrannte Erde, die hier in Form eines Vertrauensverlusts hinterlassen wurde, zu rekultivieren, braucht jedoch Zeit. Etwas einzureißen ist leicht, etwas wiederaufzubauen sehr schwer. Ich denke gleichwohl, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wenn die Menschen in und um Aschaffenburg mitkriegen, dass bei der Viktoria hart und ernsthaft gearbeitet wird, dann kehrt auch das Vertrauen zurück und der schlafende Riese erwacht zu neuem Leben.

Zugegeben es ist unziemlich, ein kleiner Tipp für Spielsüchtige:  Wo sollte man als Zocker im Wettbüro neben der Partie Viktoria Aschaffenburg gegen Bayern Hof sein Kreuzchen machen: links, rechts oder in der Mitte?

Wir sind vom DFB angehalten, nicht zu tippen, aber es ist bekannt, dass dieses Spiel für uns sehr wichtig ist und wir die drei Punkte unbedingt bei uns behalten wollen. Also ich kreuze die 1 an, ganz links steht doch die 1, oder?

Mit einem alten Hut wollen wir dieses Interview beenden. Kannst Du diesen Satz ergänzen: Die Viktoria hält die Klasse, weil…

…sie top vorbereitet in die Rückrunde geht, weil sie vollen Einsatz auf dem Platz zeigen wird wie auf der Bank, (Anm. zu Eric Rasp gewandt) gell Eric wir zeigen auch Einsatz, und weil sie, wenn sie es spielerisch nicht schafft, ihre Gegner niederkämpfen wird.

 

Lieber Slobo, wir danken Dir für dieses Interview und wünschen Dir und dem Team für die Rückrunde viel Erfolg!

Schreibe einen Kommentar

*

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *