Liebesbriefe aus dem Reich der Mitte

Viktoria Aschaffenburg ist die neue Chinatown der Regionalliga Bayern

Porzellanzarte Liebesschwüre in rührend unbeholfenem Englisch und überdies noch vom politischen „Klassenfeind“ erreichten dieser Tage die Geschäftsstelle der Viktoria. Die Adressanten Li Wei und Wangjiang offenbarten in ihren Anschreiben bemerkenswert gute Kenntnisse über die sportlichen Geschehnisse in der Regionalliga Bayern im Allgemeinen und ihren erklärten Lieblingsverein Viktoria Aschaffenburg im Besonderen.

Fan-Post aus dem Reich der Mitte

Ihre glühende Liebe zur weiß-blauen Geisha, der beide Briefschreiber in ihren einleitenden Worten Ausdruck verleihen, hat freilich noch einen anderen, pragmatischeren Hintergrund. Dieser ist zu lokalisieren in der Person eines gerade 20 Jahre alt gewordenen Jünglings, der sich seit Saisonbeginn in den Reihen unseres Teams befindet und sich in dieser Zeit schon den Ruf eines One-Touch-Knipsers erworben hat. Yuki Nakagawa heißt der asiatische Koi-Export, der sich im Regionalliga-Bayern-Bassin offensichtlich pudelwohl fühlt, sehr zum Vergnügen seiner Landsleute auch in seiner kontinentalen Heimat Asien. Dort ist unserem Yuki zunehmend ein Popstar-Status beschieden, dessen Ausläufer jetzt auch an den Strand des bayerischen Untermains schwappen. Entsprechend heiß begehrt  sind auch die „signatures“ des kleinen Japanstars, wobei es asiatische Höflichkeit und Zurückhaltung gebieten, nicht – wie hierzulande – mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern das eigentliche Ziel auf lieblichen Umwegen anzusteuern. Erst kommt also die Eloge auf den Verein, die uns dennoch runtergeht wie Öl. Ja, ja es gibt in dieser Welt keine Liebe ohne Hintergedanken – aber das muss unsere durch die Erfahrungen unzähliger Amouren gereifte Diva nicht schmerzen. Die Herren Li Wei und Wangjian bekommen, wonach es ihnen gelüstet: Li Wei zwei Autogrammkarten von Yuki, Wangjian „einige“ von Yuki und Soheyl Alipour-Rafi. Ob die Anfrage nach Soheyl  – was wir hoffen – gleichfalls auf glühender Fanverehrung beruht oder höflichkeitshalber hinzugefügt wurde, um das eigentliche Ansinnen nicht zu plump wirken zu lassen, bleibt im asiatischen Sinne undurchdringlich und entzieht sich damit unserer Kenntnis.

Überraschung in der Geschäftsstelle des SVA

Die beiden Herren wissen gleichwohl, was sie uns schuldig sind, und versäumen es nicht, am Ende ihrer Schriftstücke unsere schwächelnden Batterien satt mit asiatischem Karma aufzuladen. „There is still a long road for us in 2013/14. I believe we will overcome current difficulties and do better and better in the coming matches!”, steht im Glückskeks des persönlich in das Viktoria-Schicksal involvierten Herrn Wangjian geschrieben. Er befindet sich damit ganz im Einklang mit unserer sportlichen Leitung, die das auch nicht besser hätte formulieren können, bediente sie sich denn der englischen Sprache.

Was bleibt zu sagen? Wer solche „Klassenfeinde“ hat, braucht keine Verbündeten mehr.

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