Main-Echo: Die Suche nach den richtigen Typen

Glück im Un­glück hat­te Vik­to­ria Aschaf­fen­burg am vo­ri­gen Wo­che­n­en­de. Weil auch un­mit­tel­ba­re Kon­kur­ren­ten in der Fuß­ball-Re­gio­nal­li­ga Bay­ern ver­lo­ren, konn­ten die Un­ter­fran­ken ih­ren Vor­sprung von sechs Punk­ten auf den ers­ten Re­le­ga­ti­ons­platz hal­ten. Die psy­cho­lo­gi­schen Fol­gen der def­ti­gen 0:4-Plei­te in Rain wie­gen da­ge­gen schwe­rer.So bedarf es einer deutlichen Leistungssteigerung im Heimspiel gegen den Tabellenzweiten SV Seligenporten (Samstag, 14 Uhr), damit aus der Niedergeschlagenheit keine Depression entsteht, selbst wenn Trainer Antonio Abbruzzese schnell wieder nach vorne blicken will. »Das war bitter, aber man darf das auch nicht ewig als Last mit sich herumtragen.«
Zumal der Spielplan der nächsten Wochen tückisch ist. Stadionsprecher Thorsten Gallus kann den Fans schon sechs Wochen vor dem Fest getrost Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünschen. Das Schönbusch-Stadion sieht erst am 23. Februar wieder Regionalliga-Fußball. Vor der Winterpause tritt die Viktoria dreimal in Folge auswärts an.
Beim SV Seligenporten bestritten die Aschaffenburger im Juli ihr erstes Auswärtsspiel der Saison und kehrten mit einer desaströsen 0:5-Packung zurück. »Das Spiel in Rain hat mich an unseren Auftritt in Seligenporten erinnert«, hatte Teammanger Alois Sambeth am vorigen Samstag ein Déjà-vu-Erlebnis.

Zwei Gesichter
Die Analyse von Trainer Antonio Abbruzzese fällt genauso knapp wie klar aus: »Wir waren zu fahrlässig in den Zweikämpfen, meistens einen Schritt langsamer, auch nicht so motiviert und geistig nicht frisch genug.« Seine Spieler zeigen in dieser Saison oft genug zwei Gesichter. Wenn die Mannschaft ihr Spiel aufziehen kann, vielleicht sogar in Führung geht, dann ist sie zu außerordentlichen Leistungen imstande.
Aber wehe, die Elf kommt nicht von Beginn an in Tritt oder gerät gar in Rückstand: »Der eine oder andere Spieler bricht dann regelrecht in sich zusammen«, kritisiert Abbruzzese. Außerdem hat er festgestellt: »Wir versuchen selbst in solchen Phasen, weiterhin Fußball zu spielen. Sogar auf Plätzen oder Situationen wie in Rain, wo das gar nicht wirklich möglich ist. Da ist aber Kampfgeist gefragt.«
Auffallend in diesen Situationen: Der Mannschaft fehlt in kritischen Phasen ein echter Anführer, ein Kämpfer, der vorangeht und seine Kollegen mitreißt. »Ja, so einen Spielertypen haben wir nicht«, muss Abbruzzese einräumen. Hoffnungen ruhen auf der Rückkehr von Marcello Fiorentini. Der hat nach seinem Bänderriss zumindest wieder mit Lauftraining begonnen.
Falsche Tugenden waren in dieser Woche auch Thema in Seligenporten. »Das war einfach viel zu wenig, wir müssen schnellstmöglich unseren Kampfgeist wiederfinden«, kritisierte Trainer Karsten Wettberg, den die Medien zum »erfolgreichsten Amateurtrainer Deutschlands« gemacht haben. Durch das 0:2 gegen Buchbach, der zweiten Heimniederlage in Folge, haben die Oberpfälzer alle theoretischen Chancen auf die Herbstmeisterschaft verpatzt. »Manche unserer Spieler haben anscheinend andere Dinge im Kopf«, kritisierte der 70-jährige Wettberg. Das gilt wohl auch für Bernd Rosinger. Mit 15 Toren ist er, zusammen mit dem Ingolstädter Lappe, der beste Torschütze der Liga. Immer wieder gibt es Gerüchte über Angebote von Profivereinen für den Stürmer, der die Viktoria im Hinspiel mit vier Treffern fast alleine erledigte.

Bangen um Stürmer Fiordellisi
Unterdessen bangt Abbruzzese um seinen Torjäger Giulio Fiordellisi. Der lag in dieser Woche krank im Bett, sein Einsatz ist fraglich. Auch mit lädierter Gesundheit nimmt der Italiener derzeit an einem anderen, prestigeträchtigen Wettbewerb teil. Sein Lupfer zum 4:0 gegen Illertissen steht als eines von sechs Toren zur Wahl für den »Bayern Treffer des Monats Oktober« zur Wahl (abstimmen unter: www.bfv.de). Fällt Fiordellisi am Samstag aus, könnte Murtic mal wieder von Beginn an auflaufen. Weitere Änderungen hat der Trainer nicht geplant, will sie aber auch nicht ausschließen. Klaus Gast

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