Hot! „Mit 57 Jahren hat man keine Angst mehr“

Vor der heißen Vorbereitungsphase: Viktoria-Coach Jürgen Baier im Interview

Am kommenden Samstag (16. Januar) versammeln sich die Aktiven der Viktoria auf dem Sportgelände am Vereinsheim zur ersten Trainingseinheit des Jahres. Diese findet, wie berichtet, unter neuer sportlicher Leitung statt. Jürgen Baier ist nach Slobodan Komljenovic und Rudi Bommer bereits der dritte Ex-Profi, der in dieser Saison auf der Trainer-Bank des SVA Platz nehmen wird. „Dritte Wahl“ ist er darum keineswegs, denn ihm wird die heikle Aufgabe anvertraut, die Viktoria auf die Zielgerade der Regionalliga Bayern zu führen.

In unserem Interview, das wir anlässlich seiner ersten offiziellen Amtshandlung am Samstag vorab mit ihm führten, zeigt sich Jürgen Baier als besonnener Zeitgenosse, der sich mit der Routine des Alters ein Rennen einzuteilen weiß, was für die Viktoria auf den letzten Metern nur von Vorteil kann.

Jürgen Baier im Interview (© Moritz Hahn)

Jürgen Baier im Interview (© Moritz Hahn)

Herr Baier, vor drei Wochen wurden Sie als neuer Trainer des SVA vorgestellt. Können Sie noch einmal kurz skizzieren, wie es zu dem Engagement gekommen ist?

Da hat ein Rädchen in das andere gegriffen. Als durch Zeitungsberichte durchgesickert war, dass ich in Erlenbach zurücktrete, hat mich Peter Löhr angerufen. Wir haben uns zusammengesetzt und sind uns sehr schnell einig geworden. Für mich war unstrittig gewesen, dass ich auch weiterhin als Trainer arbeiten wollte. Dass es nun ausgerechnet mit der Viktoria klappte, freut mich sehr. Ich nehme die Herausforderung gerne an.

Sie haben ihren Lebensmittelpunkt in Aschaffenburg. Haben Sie während der ganzen Jahre Anteil am Geschehen am Schönbusch genommen?

Zum einen wohne ich schon seit 30 Jahren in Aschaffenburg. Dann habe ich selber dort gespielt, desgleichen die Kinder. Da kennt man natürlich den einen oder anderen. Die Viktoria ist der größte Verein in der Region, was mich immer veranlasst hat, über den eigenen Tellerrand zu schauen, ob ich jetzt in Mainaschaff, Obernau oder Haibach tätig war. Auch als ich in Offenbach war, haben wir die Klingen gekreuzt, denn da spielte die Viktoria noch in der Hessenliga.

Sie wechseln vom benachbarten Bayernligisten Erlenbach zur Viktoria, die eine Klasse höher in der Regionalliga Bayern ums sportliche Überleben kämpft. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Das ist eine gute Frage. Mich reizt die Aufgabe, die Klasse zu halten. Wir haben jetzt noch 13 Spiele, auf die wir uns fokussieren müssen. Da muss man schauen, dass man hinten rauskommt. Es muss alles unter einen Hut passen: Trainer, Mannschaft, Vorstand und nicht zuletzt die Zuschauer, die uns helfen und unterstützen sollen. Auch die Regionalliga als Spielklasse ist sehr reizvoll, denn dort konkurriert man mit vielen Mannschaften, die unter Profibedingungen arbeiten. In diesem Umfeld ist und bleibt unser primäres Ziel der Nichtabstieg. Natürlich wird es schwer, aber ich bin überzeugt, dass das Team die Qualität hat, dieses Ziel zu realisieren.

Weiter wollen Sie noch gar nicht in die Zukunft schauen?

Nein, vorerst überhaupt nicht. Ich mache mir keine weiteren Gedanken und werde erst mal sehen, ob es passt. Dann ist natürlich auch wichtig, was zum Saisonende herauskommt. In einer Liga wie der Regionalliga gibt es keine Gewissheiten, da ist prinzipiell alles möglich. Generell ist aber zu sagen: Meine Trainerlaufbahn ist schon durch eine gewisse Stetigkeit gekennzeichnet: Ich war sechs Jahre in Offenbach, fünf Jahre in Haibach, vier Jahre in Obernau und zuletzt viereinhalb Jahre in Erlenbach. Ich war ja auch in Offenbach, die waren in der Zweiten Liga, ich weiß schon, was da auf einen zukommt. Es ist immer wieder ein bisschen anders, aber mit 57 Jahren hat man keine Angst mehr. Da freut man sich nur und will die Herausforderung annehmen, sonst gar nichts.

Jeder Trainer macht sich bekanntlich ein eigenes Bild von der Mannschaft. Viel Zeit verbleibt nicht bis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Daher die Frage: Werden Sie Erkenntnisse Ihrer Amtsvorgänger für Ihre Analyse nutzen und können Sie schon sagen, wo Sie – vielleicht basierend auf eigenen Eindrücken – außerdem schwerpunktmäßig ansetzen?

Ich habe oft mit Slobo geredet, der am Schönbusch viel bewegt hat. Er hat viele Spieler geholt und hat sie dahin gebracht, wo sie jetzt sind. Die Mannschaft ist letzten Endes sein Werk. Slobos Engagement ist zu Ende, Rudi Bommer hat kurzfristig und von vornherein befristet übernommen. Man muss mit der Mannschaft arbeiten, weder Trainer noch Spieler sollten sich zu wichtig nehmen. Nun wenn wir an einem Strang ziehen, holen wir das Bestmögliche heraus. Ich denke, das Team spielt unheimlich gut nach vorne, aber wir müssen auch gut verteidigen können. Da muss man das richtige Maß finden, wobei hier jeder Trainer seine eigene Philosophie hat. Ich habe sechs Wochen Zeit, die Mannschaft kennen zu lernen, in Erfahrung zu bringen, wie sie „tickt“. Ganz blank bin ich in dieser Hinsicht ja auch nicht: Ich habe Eindrücke von den Derbys im letzten Jahr, als wir in der Bayernliga zweimal gegeneinander spielten. Außerdem hat die Viktoria vier, fünf Spieler im Kader, die ich schon trainiert habe. Überdies habe ich mir mit Markus Schäfer einen kompetenten Mann ins Boot geholt, denn vier Augen sehen mehr als zwei. Wichtige Infos kann ich mir auch von Eric Rasp und Peter Löhr holen. Den einen oder anderen Gegner werde ich auch vorher beobachten. Schon am 20. Februar tritt Illertissen in einem Nachholspiel bei der SpVgg. Greuther Fürth II an, dieses Spiel werde ich mir ansehen. Insofern gehen wir gut vorbereitet in das erste Spiel des neuen Jahres.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wie waren eigentlich die Reaktionen ihrer Söhne Daniel und Benjamin, als Sie diese informierten, dass Sie bei Ihrem alten Verein Viktoria Aschaffenburg das Traineramt übernehmen?

Wir stehen ja täglich telefonisch im Kontakt. Die Reaktionen waren erwartungsgemäß sehr positiv. Meine Söhne haben mir zugeraten, sofort anzunehmen. Da hätte es gar nichts anderes gegeben. Von daher war das Thema schnell durch.

Wir danken Jürgen Baier für das Gespräch und wünschen ihm und der Mannschaft für die restliche Saison alles Gute und ein sportliches Happy-End!

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