Nicht immer hat der Pokal eigene Gesetze

Plausible 0:3-Niederlage vor über 6.000 Zuschauern am Schönbusch gegen eine homogen auftretende Profitruppe aus Würzburg konnte die Stimmung nicht wirklich trüben

Das Finale des BFV-Toto-Pokals ließ noch einmal die Kassen klingeln und markierte das Ende einer denkwürdigen Saison. Mit den Kickers aus Würzburg gastierte ein Team aus dem oberen Drittel der 3. Liga im Stadion am Schönbusch, das, anders als noch die Löwen im Halbfinale, von Beginn an hellwach war und mit zunehmender Spieldauer keinen Zweifel an seiner Platzhoheit zuließ.

Das Toto-Pokal-Finale 2019 fand vor mehr als 6.000 Zuschauern im Aschaffenburg Stadion am Schönbusch statt (© Moritz Hahn)

Im Gegensatz zum Halbfinale begann die Viktoria mit einer deutlich defensiveren Ausrichtung und zog sich über weite Phasen der ersten Halbzeit in die eigene Hälfte zurück. Einstweilen entwickelte sich ein Spiel mit vielen Zweikämpfen, wobei schon deutlich wurde, dass die Weiß-Blauen bei dem robusten und konsequenten Zweikampfverhalten der Rothosen an diesem Tag wenig Räume bekommen würden.

Die ganz in weiß gekleidete Viktoria warf gegen die Würzburger Kickers alles in die Waagschale (© Moritz Hahn)

Die erste gute Gelegenheit des Spiels hatte aber dennoch die Viktoria, als Kapitän Simon Schmidt eine scharfe Hereingabe von Björn Schnitzer knapp verpasste. Bitter war für die Viktoria, dass die Kickers mit ihrer ersten offensiven Aktion, überdies mit einem Standard, in der 22. Spielminute in Führung gingen. Nach einem Eckball von rechts lief aus dem Rückraum der gänzlich unbewachte Daniel Hägele in den Strafraum ein und wuchtete das Leder per Kopf unhaltbar für Kevin Birk in die linke Ecke.

22. Spielminute. Die Würzburger Kickers gehen Am Schönbsuch in Führung (© Moritz Hahn)

Die Weiß-Blauen änderten zunächst nichts an der Taktik und ließen sich in dieser frühen Phase nicht herauslocken. Da man hauptsächlich in der Defensive gebunden war, waren die Räume bei Kontern zu weit und man im Angriff meist in Unterzahl. Gegen die aggressive Kickers-Verteidigung gelang es dann nicht, die Bälle festzumachen, bis Mitspieler nachrückten. Mit Björn Schnitzer nahmen die Kickers die Schaltzentrale der Viktoria weitestgehend aus dem Spiel. Bis zur 37. Minute, als er sich gegen seine Bewacher durchsetzen konnte und mit einem gefühlvollen Schuss den etwas zu weit vor dem Tor postierten Kickers-Keeper Verstappen zu einer Glanzparade zwang. Kurz vor der Halbzeit noch einmal Schnappatmung bei den Viktoria-Fans, als Keeper Birk eine scharf vors Tor getretene Freistoß-Flanke eher unfreiwillig mit dem Oberschenkel abwehren konnte.

Zuviel Platz für die Kickers-Scharfschützen

Nach der Halbzeit bot sich ein etwas verändertes Bild, denn die Hausherren orientierten sich sichtbar weiter nach vorne. Kalkuliertes Risiko gegen die Rothosen, die sich ihrerseits vorgenommen hatten, schnell mit einem zweiten Tor für klare Verhältnisse zu sorgen. In der 50. Spielminute hätte es soweit sein können, wenn nicht Kevin Birk gegen den schön freigespielten Sontheimer glänzend pariert hätte. Auch bei einem Schuss von Gnaase sechs Minuten später zeigte er sich auf dem Posten. Es zeichnete sich nun zusehends ab, dass die Viktoria konditionell an ihre Grenzen gelangte. Patrik Göbel wurde in der 65. Minute im Rückraum nicht angegriffen und konnte in aller Seelenruhe Maß nehmen. Gegen seinen platzierten Distanzschuss war Kevin Birk machtlos.

Der eingewechselte Pasqual Verkamp versucht sich gegen seinen Bewacher durchzusetzen (© Moritz Hahn)

Obwohl die Kickers in der Schlussphase klar die Szenerie beherrschten, hätte Clay Verkaj noch einmal für Spannung sorgen können, doch sein Schuss strich knapp am rechten Pfosten vorbei (73.). Hamza Boutakhrit vergab die letzte Chance, als er in der 90. Minute in einer unübersichtlichen Strafraumsituation das Leder knapp neben den rechten Pfosten setzte. Das war`s aber noch nicht ganz: Im Gegenzug nutzten die Rothosen die jetzt klaffenden Löcher im Mittelfeld gnadenlos aus. Das Leder kam zu Orhan Ardemi, der den Schlussakkord setzte, indem er das Spielgerät nonchalant zum 0:3 in den rechten Winkel schlenzte. Der gut leitende Schiedsrichter Dietz pfiff die Partie gar nicht mehr an.

Eine souveräne Leistung zeigte Schiedsrichter Christian Dietz (© Moritz Hahn)

Allenfalls leise Ernüchterung, aber in erster Linie Dankbarkeit bestimmte die Gemütslage der heimischen Fangemeinde, die nach dem Anpfiff ihre Mannschaft mit Applaus in die Sommerpause verabschiedete. In gelöster Stimmung gratulierte Jochen Seitz auf der PK seinem Kontrahenten Michael Schiele zum verdienten Pokalsieg. Zufrieden konnte er dennoch sein, denn sein Team hatte, wie von ihm im Vorfeld gefordert, gegen ein Team, das buchstäblich in einer anderen Liga spielt, „alles auf dem Platz gelassen“. Trotz der Niederlage ein harmonischer Nachmittag, für Misstöne sorgte lediglich die Akustik während der Pressekonferenz.

Viktoria Aschaffenburg hat das Finale zwar verloren und den Einzug in den DFB-Pokal verpasst, aber viele Sympathien gewonnen (© Moritz Hahn)

Finale BFV-Toto-Pokal 2018/19, 25. Mai 2019, um 14:15 Uhr in Aschaffenburg (Stadion am Schönbusch // Kleine Schönbuschallee, 63741 Aschaffenburg)

Viktoria Aschaffenburg – FC Würzburger Kickers 0:3 (0:1)

Aschaffenburg: Kevin Birk – Silas Zehnder (60. Philipp Beinenz), Luca Dähn, Simon Schmidt, Hamza Boutakhrit, Ugurtan Kizilyar – Daniel Cheron, Max Grünewald (79. Pasqual Verkamp), Clay Verkaj – Lucas Oppermann (74. Michél Harrer), Björn Schnitzer (Trainer: Jochen Seitz) Würzburg: Eric Verstappen – Fabio Kaufmann (87. Onur Ünlücifci), Dominic Baumann (63. Patrick Breitkreuz), Simon Skarlatidis, Patrick Sontheimer (63. Dave Gnaase), Orhan Ademi, Daniel Hägele, Janik Bachmann, Sebastian Schuppan, Peter Kurzweg, Patrick Göbel (Trainer: Michael Schiele) Tore: 0:1 Daniel Hägele (22.), 0:2 Patrick Göbel (65.), 0:3 Orhan Ademi (90.) Gelbe Karten: Ugurtan Kizilyar (40.), Simon Schmidt (81.) / Patrick Sontheimer (44.) Schiedsrichter: Christian Dietz – Lothar Ostheimer, Jonathan Bähr Zuschauer: 6.033 (Stadion am Schönbusch)

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