1:1 – Nur Schnitzers Elfer erinnerte an die Löwen

Gegen den VfR Garching hätte die Viktoria im ersten Durchgang durchaus den „Lucky Punch“ setzen können, mit zunehmender Spieldauer „klammerten“ beide Teams wie entkräftete Boxer

Es war ein Schlüsselspiel im Kampf um den Klassenerhalt, denn der Sieger hätte schon mal für die nächste Runde planen können. Vor dem Hintergrund der sportlichen Bedeutung dieser Partie und gleichzeitig unter dem noch frischen Eindruck des Pokalschlagers gegen den TSV 1860 München am vergangenen Dienstag lässt sich die Kulisse von 808 Besuchern (Minusrekord) bei zugegebenermaßen etwas frischer, aber sonniger Witterung nur als spärlich bezeichnen. Das 1:1 nach 90 Minuten bedeutete für beide Teams das dritte Remis in Folge und half den Garchingern – wie Jochen Seitz später bemerkte – „einen Tick mehr“ als der Viktoria. Bei einem Sieg, auf den sie in den letzten Minuten spürbar, aber erfolglos drängten, hätten die Oberbayern auf dem Schönbusch-Rasen den Klassenerhalt feiern können – mangels anwesender Fans alleine.

Ein knappes Duell lieferten sich Viktoria Aschaffenburg (Kevin Wittle am Ball) und die Gäste vom VfR Garching (© Moritz Hahn)

Jochen Seitz hatte fast die identische Elf aufs Feld geschickt, die unter der Woche den Münchner Löwen den Zahn gezogen hatte. Einzige Ausnahme: Für Max Grünewald rückte Kevin Wittke ins Team, dem in der ersten Hälfte die Strapazen aus dem Pokalspiel wenigstens in läuferischer Hinsicht nicht anzumerken waren. In einer lebhaften Anfangsphase schloss zunächst Daniel Cheron einen sehenswerten Angriff mit einem zu schwachen Schuss ab, der VfR-Keeper Maximilian Engl vor keine Probleme stellte (10.). Eine Minute später verzeichneten die Weiß-Blauen ihre erste Großchance, als Daniel Cheron auf halblinks selbst hätte schießen können, aber den Pass zu Oppermann wählte, der in der Folge am herausstürzenden VfR-Keeper Engl scheiterte. „Bei diesen Möglichkeiten hat man schon gemerkt, dass das heute ein ganz komisches Spiel wird. Wir waren nicht so wirklich frisch, hatten zwar unsere Chancen, haben aber die letzte Konsequenz vermissen lassen“, beschrieb Jochen Seitz ein ihn schon in dieser frühen Spielphase beschleichendes Gefühl.

Für dieses „Foul“ gab es den für Garching entscheidenden Freistoß, der zur 1:0-Führung führte (© Moritz Hahn)

Elfmeter zum Ausgleich: Engl fällt Tanne im „Naturschutzgebiet“

Nachdem zuvor einige Standardsituationen auf beiden Seiten wirkungslos verpufft waren, brachte Garching in der 23. Minute einen Freistoß ins Ziel. Diesen, aus dem linken Halbfeld getreten, drückte Seferin zur 1:0-Führung für die Gäste ins Netz.

Viktoria Trainer Jochen Seitz war sichtlich nicht einverstanden mit der Führung der Gäste (© Moritz Hahn)

Nun zeigte sich, dass es auch Vorteile hat, an Rückstände gewohnt zu sein, denn die Viktoria zeigte sich in der Folge wenig beeindruckt. In der 28. Minute musste Engl einmal mehr gegen Clay Verkaj in höchster Not klären. Der in Fachkreisen als bester Torwart der Liga gehandelte VfR-Keeper avancierte wenig später allerdings zum Pechvogel, als er im Stile eines Feldspielers mit langem Bein im Strafraum gegen Ugurtan Kizilyar zur Ecke klären wollte und damit prompt den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter auf den Plan rief. VfR-Coach Daniel Weber sollte die Berechtigung des Elfers im Nachgang bestreiten, aber Maximilian Engl muss sich auch die Frage gefallen lassen, warum er in einer relativ ungefährlichen Situation – „Tanne“ befand sich einige Meter neben dem Kasten fast an der Grundlinie – seinen Kasten verließ und in den Zweikampf ging. Björn Schnitzer ging dann in den Zweikampf mit Engl und versenkte den Penalty in Löwen-Manier rechts unten (41.).

Björn Schnitzer egalisierte die Führung der Gäste noch vor der Pause vom Elfmeterpunkt (© Moritz Hahn)

Mit der Chance des Spiels hätte Daniel Cheron unmittelbar vor dem Pausenpfiff die Viktoria in den siebenten Regionalliga-Himmel befördern können, doch schoss er, nachdem das Leder auf ihn zurückgelegt wurde, in zentraler Position aus wenigen Metern knapp rechts am Garchinger „Scheunentor“ vorbei.

Wenn Kräfte schwinden, erlöschen auch Emotionen

Für die zweite Halbzeit wünschte sich Jochen Seitz von seinem Team „mehr Emotionen“. Zu diesen war es nach drei schweren Spielen innerhalb einer Woche nach der Pause freilich kaum noch in der Lage. Beide Trainer räumten nachher ein, dass ihre Mannschaften im zweiten Durchgang kräftemäßig am Limit waren.

Einen Schreckmoment für die Viktoria gab es noch in der 62. Spielminute, als Garchings Mittelstürmer Staudigl nach einem schnellen, direkten Spielzug durch war, Kevin Birk ausspielte und einschob. Schiedsrichter Badstübner erkannte auf Abseits. Auch diese Entscheidung hinterfragte Daniel Weber kritisch, bremste sich aber gleichzeitig ein: „Ich hab mich schon letzte Woche weit aus dem Fenster gelehnt, was eine Abseitsentscheidung anging. Sollte man vielleicht nicht, wenn man die Videobilder nicht hat.“ Knapp war`s auf jeden Fall…

Die Viktoria und der Konkurrent um den direkten Klassenerhalt, der VfR Garching, versuchten in der Schlussphase den Lucky Punch zu setzen, doch es blieb beim 1:1 (© Moritz Hahn)

Jochen Seitz sah in den letzten Minuten ein „wildes Spiel“ beider Teams, in dem das Geschehen hin und her wogte, ohne dass beide Teams noch zu durchdachten Aktionen in der Lage gewesen wären. Anzumerken war den Gästen durch gesteigerte Aktivität in den Schlussminuten, dass sie sich mit dem Remis etwas unbehaglich fühlten und sich des Themas „Abstieg“ an diesem Tag gerne ein für alle Mal entledigt hätten. Doch wirkliche Gefahr vor dem Kasten von Kevin Birk beschworen sie nicht mehr herauf.

„Leider ist heute keiner Mannschaft der Lucky Punch in die Freiheit gelungen. Also zittern wir noch einmal ein bisschen. Wir spielen einen spannenden Fußball bis zum Schluss, damit ihr Zuschauer alle was davon habt“, bemühte VfR-Coach Daniel Weber einen Begriff aus der Boxersprache, um die Realitäten nicht ohne Witz zusammenzufassen. Denn im Grunde hat Weber gar nicht so Unrecht: Der VfR Garching kann nun am kommenden 33. Spieltag mit einem Sieg vor eigenem Publikum gegen die Augsburger Reserve den Klassenerhalt feiern, statt „einsam und allein“ am Schönbusch. Die Viktoria wiederum, bei der im Übrigen mittlerweile die Gefahr des Direktabstiegs gebannt ist, kann die heute entgangenen Glücksgefühle in einem weiteren Heimspiel gegen die ja nicht gerade unattraktive Club-Reserve vor dann hoffentlich wieder zahlreicherem Publikum am kommenden Samstag (14 Uhr) nachholen.

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